Neuseeland: Tauchen im Milford Sound

Posted: 10. Februar 2016

Gesäumt von steil auf­ra­gen­den Fels­wän­den an denen zahl­rei­che Was­ser­fälle her­ab­don­nern, ragt der Fjord des Mil­ford Sound 16km in das Lan­des­in­nere hin­ein. Wer den Kopf Unter­was­ser steckt, der ent­deckt eben­falls beson­de­res: Über dem schwe­ren Salz­was­ser befin­det sich eine drei bis fünf Meter dicke Süß­was­ser­schicht, die das Licht absor­biert und so Lebens­for­men näher an der Ober­flä­che zu fin­den sind, die sich son­st deut­lich tie­fer auf­hal­ten wür­den.

Wir fahren nach Te Anau, sozusagen das Tor zum Mil­ford Sound. Während wir noch über­legen was wir mit dem Tag anfan­gen, macht uns der Regen einen Strich durch die Rech­nung. Wir ver­brin­gen den Tag mehr oder weniger nur mit Organ­isieren unser­er näch­sten Pläne: Die Wan­derung auf dem Route­burn Track.

Am näch­sten Tag check­en wir das Wildlife­cen­ter vom DOC aus, das nur ein paar 100m die Straße runter liegt. Das Cen­ter wid­met sich vor allem dem sel­ten gewor­de­nen Taka­he, von dem es in feier Wild­bahn nur noch wenige 100 gibt. Ein Taka­he ist sozusagen ein großes blau grünes Hüh­nchen mit einem dick­en Schn­abel, außer­dem ist er ziem­lich pum­melig und fliegen kann er auch nicht. Wir mögen sie und wir sehen gle­ich zwei davon. Weit­er gibt es in dem Cen­ter noch Enten und Gänse, die man füt­tern kann. Wir sehen ein paar grün­braune Papageien. Das Cen­ter kostet keinen Ein­tritt, aber wir spenden ein paar Dol­lar. Bevor wir uns auf den Weg zum Mil­ford Sound machen, kaufen wir uns noch die Bustick­ets, die wir für den Trans­port zum und vom Route­burn Track brauchen.

Auf dem Weg zum Milford Sound

Der Weg zum Mil­ford Sound, Mil­ford High­way genan­nt, bietet viele Sehenswürdigkeit­en und wir fahren an Wiesen, Flüss­chen, Seen und Bergen vor­bei. Als erstes hal­ten wir an den Mir­ror Lakes. Das Wass­er ist glasklar und man kann die Forellen in ihm schwim­men sehen. Das Schild mit dem Mir­ror Lakes ist in Spiegelschrift geschrieben, aber seine Spiegelung im Wass­er ist dadurch les­bar.

Wir kom­men an der Divide vor­bei. Hier wer­den wir in ein paar Tagen rauskom­men wenn wir den Route­burn Track been­det haben. Wir hal­ten nochmal und machen eine kurze Wan­derung zu einem reißen­den Wild­wasser­fluss mit vie­len kleinen Wasser­fällen. Von hier kön­nte man in ein­er Stunde bis zum Lake Mar­i­an wan­dern.

Wir fahren an steilen Fel­swän­den und Gletsch­ern vor­bei. Durch den Homer Tun­nel gelan­gen wir in den Mil­ford Sound und fahren den Pass zum Meer hin­unter. Es gibt hier nur eine Lodge und den Camp­ing­platz auf dem wir schlafen woll­ten, gibt es nicht mehr. Die Lodge ist voll, aber eventuell wer­den um 19 Uhr zwei Bet­ten in einem Dorm frei. Wir sollen wieder kom­men. Wenn nicht müssen wir entwed­er im Auto schlafen oder zu einem der DOC Camp­ing­plätze am Weg zurück Rich­tung Te Anau fahren. Die Zeit nutzen wir indem wir zu einem Aus­sicht­spunkt gehen. Ent­ge­gen allen Erwartun­gen ist das Wet­ter sehr schön und wir haben den Postkarten­blick auf den Mil­ford Sound, der eigentlich ein Fjord ist.

Aus dem Meer heben sich steile Fels­flanken, die mit Gletsch­ern bedeckt sind. Von den Gletsch­ern schießt ein Wasser­fall herab. Der Mitre Peak ragt mit seinen 1.692m majestätisch in der Mitte her­vor. Wir wan­dern noch an der Küste ent­lang und gehen dann zur Lodge zurück. Hur­ra, die Bet­ten sind frei, jedoch nur eine Nacht, mor­gen haben wir also das selbe Prob­lem. Aber das klären wir wenn es soweit ist.

Tauchen in einem Fjord

Nach dem Früh­stück fahren wir zum Boot­san­leger und tre­f­fen dort unseren Tauchan­bi­eter Descend Scubadiv­ing, die einzi­gen, die Tauchen im Mil­ford Sound anbi­eten. Es sind auch einige Kajak­fahrer da, die ihre Boote und Aus­rüs­tung her­richt­en. Wir pro­bieren unsere Wet­suits an. Es soll kalt wer­den heute im Wass­er, wir kön­nen kaum mit mehr als 14°C rech­nen. Wir bekom­men einen 6mm Wet­suite, eine Weste, Mütze, Schuhe und Sock­en. Nach­dem wir auch den Papierkram erledigt haben, steigen wir ins Boot und fahren in den Mil­ford Sound hinein.

Es ist son­nig und bald sehen wir eine Robbe im Wass­er plantschen. Descent Scubadiv­ing wird von Lance und Simone betrieben, die in Te Anau leben. Simone ist sog­ar Deutsche. Sie sind gut drauf und erk­lären uns etwas über den Fjord und den Ablauf des heuti­gen Tags. Mit uns sind noch zwei weit­ere Paare an Board. An einem Felsvor­sprung hal­ten wir und beobacht­en die schlafend­en Robben auf ihm. Das Boot ist nicht groß, aber schnell. Bald sind wir am Ende des Fjordes und sehen aufs offene Meer hin­aus. Es is auch das Ende des Fiord­lands Nation­al­parks und unser erster Tauch­platz. Wir tauchen direkt am Ufer ab. Die Fel­swände fall­en hier steil ins Meer weshalb es schon wenige Meter vom Ufer sehr tief ist. In der Mitte ist der Fjord 400m tief. Es dauert eine zeit­lang bis wir alles ange­zo­gen haben. Wir bekom­men noch einen Tauch­com­put­er und Hand­schuhe.

Wir sprin­gen ins Wass­er und schwim­men dicht ans Ufer. Das Was­er ist saukalt. Wir tauchen langsam an der Fel­swand tiefer und durch­tauchen schnell die Gren­ze zwis­chen Süß- und Salzwass­er, die heute bei ein bis zwei Meter Tiefe liegt. Wir tauchen ziem­lich tief und bleiben auch lange in tiefen Regio­nen. Bald sehen wir die Schwarzen Korallen für die der Mil­ford Sound berühmt ist. Sie wach­sen nor­maler­weise nur in Tiefen von über 100 Metern. Durch die Süßwasser­schicht ist es aber dun­kler hier, weshalb sie schon in 10 Metern Tiefe vorkom­men. Anders als ihr Name ver­muten lässt sind sie weiß und sehen mehr wie Äste von Nadel­bäu­men aus als wie Korallen. Ihr Name “Schwarze Korallen” rührt von ihrem schwarzem Skelett her. Sie brauchen 100 Jahre um nur einen Meter zu wach­sen und manche sind bes­timmt vier Meter groß.

Um sie herum sind schlangen­för­mige Seesterne gewick­elt. Wir sehen auch noch viele Fis­che, Hum­mer und eine sehr schöne Seesch­necke. Es ist allerd­ings nicht ganz so ein­fach alles zu genießen, denn es ist wirk­lich kalt und schon bald zit­tere ich am ganzen Kör­p­er. Am Boot bekom­men wir Jack­en und bunte Mützen zum Aufwär­men. Dazu gibt’s heiße Schoko­lade, Obst und Plätzchen. Simone und Lance ver­suchen wirk­lich alles um es für uns so warm und kom­fort­a­bel wie möglich zu machen.

Wir fahren im Fjord herum und sehen ihn uns an. Das Wet­ter ist sehr gut heute, was für diesen Teil Neusee­lands eher sel­ten ist. Wir haben wirk­lich Glück. Uns besuchen Seemöwen und eine kleine Alba­trossart. Mir ist noch immer kalt und ich ver­suche mich in der Sonne aufzuwär­men. Nach 90 Minuten an der Ober­fläche bin aber wieder warm genug für den zweit­en Tauch­gang. Wir tauchen dies­mal weit­er inner­halb des Fjordes, es sieht aber ähn­lich aus. Eine steile Fel­swand, dazwis­chen sind Ebe­nen. Wir sehen wieder die Scharzen Koral­len­bäume und See­tang­wiesen. Dies­mal sehen wir auch große Fis­chschwärme und mehrere der schö­nen Seesch­neck­en. Alex ver­sucht ein wenig mit einem Hum­mer zu inter­agieren und streckt seine flache Hand nach ihm aus. Nach kurzem Zögern begin­nt er sie mit seinem Füh­lern zu unter­suchen, schreckt aber immer vor den Luft­blasen zurück, die Alex bei Ausat­men pro­duziert.

Dies­mal ist mir wärmer als beim ersten Tauch­gang und ich kann es bess­er genießen. Wir sind wieder sehr tief unter­wegs und ich halte am läng­sten durch. Zusam­men mit Lance erkunde ich noch eine kleine Höh­le, in der sich ein Fis­chschwarm ver­steckt. Ein­ma­lig ist der Moment in dem man auf­taucht und schneeb­deckte hohe Berge um sich herum erblickt. Nach dem Tauch­gang ist mir trotz­dem wieder sehr kalt und ich brauche ein wenig zum warm zu wer­den.

Wir hal­ten nochmal an ein­er Robbenkolonie und fahren dann zu einem großen Wasser­fall. Wir fahren direkt unter ihn und das kalte Gletscher­wass­er pras­selt uns ins Gesicht. Als wir uns ent­fer­nen wird der Wasser­fall von einem Regen­bo­gen umrahmt — sehr schön. Wir kom­men wieder am Boot­san­leger an und wech­seln in trock­ene Sachen. Wir füllen unsere Log­büch­er aus und ver­ab­schieden uns dann von den anderen.

Der Mil­ford Sound ist ein­er der schön­sten Fleckchen in Neusee­land und die heutige Aus­fahrt war ein tolles Gesamter­leb­nis wenn auch ein kaltes. In der Lodge haben wir heute allerd­ings kein Glück und bekom­men keine Bet­ten mehr. Die Rück­fahrt nach Te Anau ist nach dem Tauchen nicht unbe­d­ingt zu empfehlen, da wir über einen 900m hohen Pass müssen und es deshalb zu Prob­le­men mit den beim Tauchen im Kör­p­er ein­ge­lagerten Stick­stoff kom­men kann. Das Risiko ist jedoch ziem­lich ger­ing und unsere Tauchguides fahren auch zurück und geben Ent­war­nung, weshalb wir es riskieren. Am Rück­weg hal­ten wir noch am Mistle­toe Lake und schauen in den schö­nen Son­nenun­ter­gang.

 

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