Neuseeland: Traumstrände im Abel Tasman Nationalpark

Posted: 29. Januar 2016

Schon vor acht Jahren war der Abel Tas­man Nation­al­park ein High­light für mich. Statt mit dem Kajak erkun­den wir den Nation­al­park mit Regen­wald und gold­e­nen Strän­den dies­mal zu Fuß. Auf einem der Great Walks Neusee­lands — dem Abel Tas­man Coast Track. Er zieht sich auf 60km durch den Nation­al­park.

Bei einem Great Walk gibt es meist ein wenig Pla­nungsaufwand. Die Camp­sites müssen vorher gebucht wer­den, was beim Abel Tas­man Coast Track aber prob­lem­los spon­tan möglich ist, da es viel Auswahl gibt. Über den gesamten Wan­der­weg verteilt gibt es 19 Zelt­plätze. Dies ist ein­fach online möglich über das Buchungssys­tem vom DOC. Nach­dem wir das gek­lärt haben, buchen wir mit Hil­fe der i‑Site in Nel­son das Wasser­taxi, das uns von Totaranui zurück zum Park­platz in Mara­hau brin­gen soll.

Die andere Möglichkeit ist es von der Wainui Bay mit einem Bus zurück zu fahren, was aber etwas umständlich­er ist, da dieser nicht über den Park­platz nach Mara­hau fährt son­dern direkt nach Nel­son zurück. Wir entschei­den uns also dafür in Totaranui abge­holt zu wer­den und noch einen Tages­track zur Wainui Bay zu machen und über den Gibbs Hill wieder zurück zu gehen um trotz­dem den let­zten Abschnitt des Abel Tas­man Coast Tracks mitgenom­men zu haben. Bei der Pla­nung gilt es lediglich die Ebbe und Flutzeit­en zu beacht­en, denn es gibt eine Quere­ung, die nur bei Ebbe vorgenom­men wer­den kann.

Wir fahren nach Motue­ka, wo die Wan­derung startet. Die Fahrt dauert ca. eine Stunde. Wir hal­ten kurz in Motue­ka und fahren dann weit­er nach Mara­hau. Hier begin­nt der Abel Tas­man Nation­al­park. Wir holen unser Wasser­tax­i­tick­et beim Anbi­eter ab, parken unser Auto dort und pack­en unsere Ruck­säcke.

1. Abschnitt: Mara­hau bis Te Pukatea Bay
13,5km, 127hm, 4h

Wir marschieren los und gehen über einen sandi­gen mit Gräsern bewach­se­nen Strand­ab­schnitt. Er erin­nert uns an unseren ersten Tag am Baikaltrail, nur dass wir dies­mal nicht von Mück­en zer­stochen wer­den. Der Weg führt nun in ein Wäld­chen hinein, bleibt aber immer in Küsten­nähe. Wir kom­men an den ersten Camp­ing­plätzen vor­bei und auf dem Weg ist viel los. Die meis­ten sind offen­bar auf Tages­tour mit wenig Gepäck. Manche kom­men uns nur mit Bade­sachen und Flip Flops oder sog­ar bar­fuß ent­ge­gen. Da der Weg gut aus­ge­baut ist und sogut wie keine Höhen­meter hat, ist das kein Prob­lem.

Am Wegrand sieht man immer wieder Fall­en, sie sollen die Raubtiere wie Wiesel von den raubtier­freien Inseln fern­hal­ten, die vor der Küste liegen. Auch in den Bäu­men sehen wir kleine gelbe Kästchen, in denen Wespen vergiftet wer­den sollen. Manch­mal hal­ten wir an Aus­sich­spunk­ten und schauen auf’s Meer hin­aus. Auch einige Kajak­er sind unter­wegs.

Rings um uns herum wach­sen Farn­bäume sowie Kānu­ka-Bäume und der Wald ist zum Teil ziem­lich dicht. Der Weg führt uns anfangs an der Küste ent­lang, dann durch das Inn­land bevor wir an der Anchor­age Bay her­auskom­men. Wir zweigen vom Hauptweg ab und gehen Rich­tung Te Pukatea Bay, unserem heuti­gen Schlaf­platz. Die Te Pukatea Bay gilt als eine der schön­sten Strände weltweit und ich habe diese wun­der­schöne Bucht noch gut von meinem let­zten Besuch hier in Erin­nerung, weshalb wir unser Zelt hier auf­schla­gen woll­ten. Die paar extra Minuten lohnen sich um hier zu schlafen statt auf dem großen Camp­ing­platz in der Anchor­age Bay.

Dort angekom­men nehmen wir erst­mal ein Bad im kühlen Meer. Der Weg war zwar nicht ansten­gend, aber ins Schwitzen sind wir trotz­dem gekom­men. Nach dem Bad machen wir uns in Flip Flops auf den Weg zu einem Aus­sicht­spunkt etwas über­halb der Bucht. Uns laufen dabei ein paar kleine Hüh­nchen über den Weg. Vor uns im Meer liegt eine bewach­sene Felsin­sel und das glasklare Meer, dem wir bis auf den Grund blick­en kön­nen. Die Te Pukatea Bay bre­it­et sich vor uns aus und wir kön­nen von hier oben sog­ar einen Adler­rochen erken­nen.

2. Abschnitt: Te Pukatea Bay bis Ton­ga Quar­ry
13,7km, 141hm, 3,5h

Wir kom­men mal wieder ewig nicht hoch und so ist es schon vor­angeschrit­ten­er Vor­mit­tag als wir unsere Sachen pack­en und uns auf den Weg zurück zum Anchor­age Camp­ing­platz machen um dort wieder auf den Hauptweg zu tre­f­fen. Wir gehen am Strand ent­lang und dann durch ein kurzes Stück Wald. Unser erster Abschnitt kann nur zwei Stun­den vor und nach Ebbe began­gen wer­den. Wir wan­dern über Schlick und Sand­bänke. In manchen Bere­ichen ste­ht noch das Wass­er und kleine Krabben fliehen bei unserem Näherkom­men in ihre Löch­er. Dazwis­chen liegen Muscheln. Wir müssen auch zwei kleinere Flüss­chen durch­queren, aber kein­er ist so tief, dass wir die Bergschuhe ausziehen müssten. Der Abschnitt dauert nur etwa 20 Minuten, ist aber sehr schön.

Als wir wieder richtiges Fes­t­land unter den Füßen haben, kom­men wir durch das Dör­fchen Tor­rent Bay Vil­lage. Es sieht eher aus als wür­den hier nur Ferien­häuser ste­hen und nie­mand wirk­lich wohnen. Einen Super­markt oder sowas gibt es nicht. Der Weg geht nun leicht bergauf und bergab. Über eine lange Hänge­brück­en queren wir den Falls Riv­er, ein brauner Fluss, der durch einen kleinen Waser­fall gespeist wird. Kurz vor der Bark Bay gehen wir zu einem Aus­sicht­spunk und machen Mit­tag. Mit Blick übers Meer essen wir Brot und Pfef­fer­hüh­nchen, satt wer­den wir aber nicht. Wir haben zwar noch Riegel, Gum­mibärchen und Plätzchen dabei, aber an Deftigem müssen wir sparen um auch die näch­sten Tage was zu haben.

Wir gehen weit­er über die Bark Bay hin­aus. Dort tre­f­fen wir wieder auf einen Ebbe Weg, der jew­eils zwei Stun­den vor und nach der Ebbe began­gen wer­den kann. Die Ebbe ist langsam vor­bei und der Weg sieht noch mach­bar aus, da der Flutweg aber nur 10 Minuten länger ist, neben wir gle­ich ihn. Wir sind ziem­lich früh dran. Dadurch dass wir zu Beginn den Ebbe Trek gewählt haben, haben wir einen Side­trip zum Cleopa­tra Pool ver­passt, den wir eigentlich noch machen woll­ten.

Zum ersten Mal geht es nun richtig bergauf und wir über­schre­it­en die 100 Höhen­meter Marke. Dann geht der Weg gle­ich wieder leicht bergab und wir erre­ichen am frühen Nach­mit­tag unser Tagesziel Ton­ga Quar­ry. Wir sind wieder ver­schwitzt und es gibt viele Sand­fliegen, die uns ärg­ern. Wir nehmen daher erst­mal ein Bad im Meer und kühlen uns ab. Nicht mehr ganz so müf­fel­nd scheinen die Sand­fliegen nicht mehr soviel Inter­esse an uns zu haben, aber und zu wer­den wir trotz­dem gebis­sen. Wir bauen das Zelt auf und schreiben dann ein wenig, dazu essen wir Gum­mibärchen. Die Wolken hän­gen mit­tler­weile tief und es scheint kaum mehr Sonne. Es wird frisch und ich verkrieche mich früh im Zelt. Am Abend machen wir noch Mac­cor­nis .

3. Abschnitt: Ton­ga Quar­ry bis Totaranui
19,6km, 121hm, 4h

Heute müssen wir früh auf­ste­hen, da heute die Über­querung der Awaroa Bay bei Ebbe anste­ht. Dies ist der kri­tis­chste Punkt, da das Awaroa Inlet nur 1,5 Stun­den vor und zwei Stun­den nach Ebbe über­quert wer­den kann und es das erste Mal keine Alter­na­tive gibt. Dementsprechend ist der Zelt­platz in Awaroa schnell aus­ge­bucht und sog­ar der in der One­tahuti Bay hat­te so spon­tan keinen Platz mehr, weshalb wir auf den Ton­ga Quar­ry Platz auswe­ichen mussten. Wir quälen uns aus unseren Schlaf­säck­en und essen Früh­stück, mit Anblick eines wun­der­schö­nen Son­nenauf­gangs. Die meis­ten anderen  auf dem Zelt­platz sind auch schon wach und die Sand­fliegen auch.

Es ver­spricht schön zu wer­den und wir ziehen in T‑Shirt und Shorts los. Der Weg führt über eine bewaldete Landzunge zur One­tahuti Bay. Wir laufen am Strand ent­lang bis der Weg wieder in den Wald und ins Lan­desin­nere führt. Der Weg geht nun bergauf und ver­läuft an Farn­bäu­men und dün­nen Laub­bäu­men vor­bei. Als der Weg wieder abwärts führt, ste­hen wir schon vor der von der Ebbe trock­en­gelegten Bucht, die wir über­queren müssen. Die One­tahuti Bay ist eine der läng­sten Strände im Abel Tas­man Nation­al­park. Der Weg führt über den Camp­ing­platz von Awaroa und bleibt bis dahin nahe an der Küste.

Wir haben noch immer unsere Schuhe an, da Sand- und Schlick­bo­den bis auf ein paar Pfützen kom­plett wasser­frei ist. Jet­zt müssen wir jedoch die Bucht selb­st über­queren. Wir ziehen die Schuhe aus und durch­wa­t­en ein paar kleinere Flüss­chen. Manche Stücke sind voll mit Muschelschalen und wir müssen auf­passen wo wir hin­treten. Andere sind mit kleinen Wasser­planzen bewach­sen oder mit Schlick bedeckt. Wir kön­nen auch einige kleine Krabben sehen. Während wir uns am anderen Ufer wieder die Schuhe anziehen, ernähren sich fleißig Sand­fliegen von uns.

Wir gehen weit­er durch den Wald und erre­ichen die Wai­harakeke Bay. Es ist erst 10 Uhr und wir waren viel schneller als geplant, weshalb wir uns hier in den Sand leg­en und ein wenig dösen. Aus­geruht gehen wir weit­er. Bis zur Camp­site, wo wir über­nacht­en ist es nur noch eine Stunde. Der Weg führt nochmal steil bergauf und bringt uns gut ins Schwitzen. Wir gehen auf einen Aus­sicht­spunkt von dem wir schon unseren Zelt­platz sehen kön­nen.

Es ist ziem­lich heiß, weshalb wir uns in den Schat­ten set­zen und ein wenig von unserem Pro­viant verzehren. Zum Camp­ing­platz sind es nun nur noch wenige Minuten. Es führt auch eine Straße hier­her, weshalb auch einige Wohn­mo­bile rum­ste­hen. Für die Wan­der­er des Great Walks gibt es aber eine eigene Sek­tion, wo wir unsere Ruhe haben. Es ist noch nicht mal 13 Uhr, wir suchen uns also ein schat­tiges Plätzchen und dösen ein wenig.

Dann gehen wir zum Strand, baden und chillen weit­er. Alex formt eine Schild­kröte aus Sand, ich einen Alba­tross. Wir haben ziem­lich Hunger und essen gle­ich vier Por­tio­nen von der Trekkingmahlzeit, die wir in Nel­son gekauft haben. Sie taugt lei­der nichts, denn sie hat ein­fach viel zu wenig Kalo­rien obwohl es für zwei Leute sein soll. Sie haben auch nicht mehr Kalo­rien als gewöhn­liche Tüten­nudeln, kosten aber mehr. Anders als die Trekkingmahlzeit­en bei uns in Deutsch­land. Beim näch­sten Mal wis­sen wir Bescheid. Die ganze Zeit über lesen wir uns gegen­seit­ig Geschicht­en über Ent­deck­er vor.

4. Abschnitt: Totaranui nach Wainui Bay, zurück über Gibbs Hill nach Totaranui
21,2km, 386hm, 5h

Wir ste­hen später auf als geplant, aber das ist heute kein Prob­lem. Das Zelt und die meis­ten Sachen von uns lassen wir ste­hen und ziehen mit leichtem Gepäck los. Wir gehen den Camp­ing­platz ent­lang und müssen dann eine Bucht über­queren. Die Zeit passt, denn ist es ger­ade Ebbe, weshalb wir direkt gehen kön­nen und nicht mal die Schuhe ausziehen müssen. Es ist ein son­niger und heißer Tag, aber wir laufen im Schat­ten der Bäume. Auf diesem Weg ist weniger los als die Tage zuvor und die Strände sind ein­samer und schön­er. Wir kom­men zur Ana­pai Bay und gehen am Strand ent­lang. Über einen kleinen Zelt­platz gehen wir wieder in den Wald Rich­tung Whari­wha­ran­gi Bay. Wir erre­ichen sie nach gut zwei Stun­den und liegen gut in der Zeit.

Der Weg wird nun steil­er und führt hin­auf zum Gipfel des Mt. Gibbs. Der Berg ist nur 405m hoch, aber durch die Hitze ist es eine schweißtreibende Angele­gen­heit. Die Stra­pazen wer­den jedoch mit einem tollen Aus­blick auf die Wainui Bay belohnt. Die Bucht ist eine der schön­sten, die wir bish­er gese­hen haben. Im seicht­en Wass­er sind Sand­bänke, die als weiße Lin­ien im türkisen Wass­er zu sehen sind.

Schweißge­badet kom­men wir am Gipfel an. Wir machen ein paar Fotos und gehen dann über den Flutweg zurück nach Totoranui. Wir tre­f­fen dabei auf den Öster­re­ich­er aus Marl­bor­ough, der mit seinen Fre­un­den nun diesen Trek macht, allerd­ings aus der anderen Rich­tung kom­mend. Das Ende des Weges ist ein ziem­lich­er Hatsch, aber es läuft uns dabei ein Wiesel über den Weg, was in dieser Gegend aber eher schlecht ist, denn sie stellen eine Gefahr für die ein­heimis­chen, wehrlosen Vögel dar. Der Weg war bei der Hitze ziem­lich anstren­gend und als wir am Zelt­platz sind, essen wir schnell was und sprin­gen dann ins küh­le Meer.

Wir bauen das Zelt ab und warten am Strand auf das Wasser­taxi. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde und wir sehen die Küste, die wir in den let­zten Tagen abge­wan­dert sind. Das Taxi hält noch an ein­er Insel auf der wir Robben beobacht­en kön­nen. Zurück an Land essen wir erst­mal ein Eis und fahren dann  zurück nach Nel­son und check­en in ein Hos­tel im Stadtzen­trum ein.

Wir wollen gerne auf unsere Wan­derung anstoßen, aber im Super­markt will man uns ohne Pässe nichts Alko­holis­ches verkaufen, ein Führerschein wird nicht anerkan­nt. Lediglich neuseeländis­che Führerscheine oder inter­na­tionale Pässe. Das selbe passiert uns in der näch­sten Kneipe, weshalb Alex dann doch nochmal los­ge­ht und die Pässe holt, die wir für gewöhn­lich nicht mit uns rum­schlep­pen. Endlich bekom­men wir unser ver­di­entes Cider und kön­nen auf die gelun­gene Wan­derung anstoßen!


FAKTEN ZUR TOUR
Trekking­tour Abel Tas­man Coast Track
Gehzeit: drei bis fünf Tage
Länge: 51km, Vari­ante über Gibbs Hill 60km
Gesam­tanstieg: 1.765m
Aus­gangspunkt: Mara­hau
Über­nach­tungsmöglichkeit­en: 19 Zelt­plätze und vier Hüt­ten, müssen vor­ab gebucht wer­den
Schwierigkeit: Ein­fach
Mehr zur Tour gibt’s hier.

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