Peru: Abenteuer in den Höhen um Huaraz

Posted: 22. Mai 2016

Die Gegend um Huaraz ist ein wahres Out­door­paradies. Die Cordillera Blan­ca und die Cordillera Huay­huash erheben sich mit ihren über 6.000m hohen Bergen hin­ter Huaraz und bieten vielfältige Trekkingrouten, Bergbestei­gun­gen, Eisklet­ter­touren und vielem mehr. Auch der höch­ste Berg Perus, der 6.768m hohe Neva­do Huas­carán, und der Alpa­mayo, der vom DAV als schön­ster Berg der Welt beze­ich­net wird, befind­en sich hier.

Trotz vielfältiger län­ger­er Trekking­möglichkeit­en machen wir nur kleinere Sachen in Huaraz. Schuld ist das Wet­ter. Das erste Mal in Peru reg­net es über Tage und wir haben wenig Muße bei Regen auf einen Höhen­trek zu gehen. Alter­na­tiv gibt es aber die kleine, schöne Wan­derung zur Lagu­na 69.

Lagu­na 69
Die Lagu­na 69 ist ein­er der über 400 Seen im Huas­caran Nation­al Park und eine schöne Tages­tour führt an Wasser­fällen und Gletscher­wän­den vor­bei zu ihr hin­auf. Durch die Höhe auf 4.680m eignet sich die Tour auch gut zur Akkli­ma­tisierung für Treks in der Umge­bung. Mit dem Tour­bus fahren wir zum Huas­caran Nation­al­park im Nor­den von Huaraz. Wir fahren in ein Tal hinein und sehen die ersten weißen Gipfel trotz der Wolk­endecke über uns. Unser Guide erzählt uns auf dem Weg etwas über die Flo­ra und Fau­na des Parks. Sog­ar Bären gibt es hier. Auf den Fel­swän­den und Bäu­men wach­sen Bromelien. Es gibt einen Baum, der je nach Kli­ma seine Rinde abspre­itzen kann. Wir hal­ten an der smaragdgrü­nen Lagu­na Llan­ganu­co in die der Fels steil hin­abfällt.

Die Gipfel der Berge liegen in Wolken. Hier sehen wir auch die Bäume, deren Rinde vom Stamm abblät­tert. Wir fahren weit­er und erre­ichen den Aus­gangspunkt unser­er Tour. Zuerst geht es bergab und über einen Bach, dann über grüne Hochland­wiesen mit grasenden Kühen. Es begin­nt zu reg­nen. Die Gletsch­er und Gipfel, die es hier geben soll, liegen in tiefen Wolken. Links und rechts der Ebene kommt vom Hang ein langer Wasser­fall hin­unter. Dann wird es steil­er und der Weg führt in Ser­pen­ti­nen den Hang hin­auf. Die Lagu­na 69, unser Ziel, liegt auf 4.680m, der Aus­gangspunkt unser­er Tour auf 3.900m. Ich komme ein wenig ins Schwitzen unter der Regen­jacke und weiß nicht recht was ich anziehen soll. Mal reg­net stark, mal leicht, mal gar nicht. Neben dem Weg blühen lila Sträuch­er.

Nach ca. 400hm kom­men wir auf eine Ebene, wo ein paar Andengänse in einem See baden. Wir queren einen Flus­slauf und steigen dann wieder in Ser­pen­ti­nen aufwärts. Hin­ter dem Hang liegt die Lagu­na 69. Auch sie ist blau­grün und von großen Fel­swän­den einger­ahmt. Von den Gletsch­ern darüber ist nicht viel zu sehen, alles ist wolkig und grau. Wenn es gutes Wet­ter hat, ist es bes­timmt sehr schön hier. Der See hat die typ­is­che milchige Farbe der Gletsch­erseen. Trotz des miesen Wet­ters baden ein paar Mutige. Wir sitzen und essen unsere Granadil­las. Es begin­nt stärk­er zu reg­nen und durch das Rum­ste­hen wird uns kalt. Wir beschließen wieder abzusteigen.

Als wir die Ser­pen­ti­nen hin­unter gehen, wird das Wet­ter bess­er und es hört auf zu reg­nen. Die Ebene darunter liegt sog­ar in der Sonne. Wir set­zen uns auf einen Stein und beobacht­en die Umge­bung. Die Wolken verziehen sich und wir kön­nen den Chacrara­ju (6.112m) sehen, der direkt hin­ter der Lagune, die wir nicht mehr sehen, aufragt. Von den anderen 6.000ern sehen wir nur immer einen Teil, mal einen Grat, mal eine Gletscher­flanke, aber nie den ganzen Berg. Als es wieder langsam zuzieht gehen wir weit­er.

Wir erre­ichen die untere Ebene als es wieder ein wenig tröpfelt. Wir kom­men zum Bus zurück und set­zen uns hinein als es wieder stark zu reg­nen begin­nt. Viele sind noch nicht da und es dauert noch gut 1,5 Stun­den bis der Bus voll ist und auch der Guide wieder da ist. Wir fahren zurück und als wir das Tal ver­lassen wird auch das Wet­ter bess­er. Wohl möglich, dass das Wat­ter in Huaraz deut­lich bess­er war. Die Heim­fahrt dauert ewig und immer wieder hal­ten wir. Es ist schon dunkel als wir in Huaraz ankom­men. Lei­der sieht das Wet­ter nicht nach ein­er Besserung in den näch­sten Tag aus und uns ist nicht danach im Regen irgen­deinen Trek ent­lang zu stapfen, obwohl sich der­er zahlre­iche anbi­eten, z.B. der San­ta Cruz oder der Huay­huash Trek.

Eisklet­tern
Bevor wir Huaraz unver­richteter Dinge ver­lassen, wollen wir noch Eisklet­tern. Zusam­men mit einem Guide von ECO ICE fahren wir mit einem Taxi los. Wir fahren in ein Tal kurz nach Huaraz. Nach der Stadt wird die Straße immer schlechter. Ein All­rad wäre hier vernün­ftig gewe­sen. Ein­mal müssen wir auch aussteigen damit das Auto über die Steine kommt. Der Weg führt weit­er in das Tal hinein. Wir passieren die Gren­ze des Huas­caran Nation­al­parks und nach etwa zwei Stun­den Fahrt kom­men wir zu ein­er Hütte. Wir hal­ten dort, da der Weg zu Ende ist. Wir ziehen unsere Schalen­schuhe an und gehen los. In den Schuhen geht es sich wie in Skischuhen und ger­ade in den steini­gen Pas­sagen geht es sich schlecht damit. Nach ein­er guten hal­ben Stunde erre­ichen wir unsere Eiswand. Die Lagune davor ist ziem­lich aus­getrock­net. Sie ist der Beginn des Lla­ca Gletsch­ers, der zu den Gipfeln Oshalpla­ca (5.888m) und Ran­rupla­ca (6.162m) auf­steigt. Die Sonne scheint und es ist ziem­lich warm, was nach den Regen­t­a­gen eine Wohltat ist.

Wir machen ein kleines Früh­stück, dann steigt unser Guide über die Moräne auf den Gletsch­er hin­auf und richtet ein Toprope ein, dann geht es los. Ich beginne. Anfangs bin ich noch zöger­lich, dann kom­men ich aber ohne Prob­leme, die etwa 25m hohe Eiswand hoch. Dann ist Alex an der Rei­he. Er hat mehr Prob­leme und rutscht ein paar Mal mit den Füßen, die er zu steil hält. Der Trick ist, die Schuh­spitze und damit die Frontza­ck­en der Steigeisen in einem 90° Winkel zum Eis einzuschla­gen, damit sie hal­ten. Beim Klet­tern sind nur die bei­den Frontza­ck­en im Eis was erst­mal nicht so ver­trauenser­weck­end wirkt. Man sollte aber auch die Pick­el nicht zu weit ins Eis schla­gen, da das Energie kostet und man sie danach nicht mehr so ein­fach her­aus bekommt. Es ist im End­ef­fekt wie Plat­ten klet­tern — man muss sich alleine auf seine Füße ver­lassen. Es ist aber den­noch anstren­gend, wir klet­tern immer­hin auf 4.500m Höhe. Nach ein­er kurzen Pause klet­tern wir die Route nochmal, dies­mal bin ich schnell oben. Unten ist die Wand flach­er, vielle­icht 50°, oben ist sie steil­er so an die 60°.

Unser Guide richtet uns ein neues Toprope ein. Ohne jegliche Sicherung klet­tert er die Eiswand hoch. Er trägt Wan­der­schuhe mit Kör­bchen­steigeisen und das sieht ziem­lich wack­lig aus. Ich kann gar nicht hin­se­hen, er kommt aber lebendig wieder runter. Die neue Route ver­läuft am Rand ein­er Kante an der die Eiswand in eine Spalte läuft. Jet­zt ist Alex als erster dran. Der Beginn ist steil­er, so 70–80°, dann ver­läuft die Route flach­er. Durch das Train­ing der ersten bei­den Routen ist sie kein großes Prob­lem vor allem weil man mit­tler­weile Ver­trauen gefasst hat. Wir wer­den auf der anderen Seite, knapp einen Meter über dem Boden, bzw. eher einem eiskalten Tüm­pel, abge­lassen.

Im eisi­gen Über­hang
Hier geht es nun an’s Eingemachte. Die Route ist viel steil­er als die anderen und sog­ar leicht über­hän­gend. Es wird ein har­ter Kampf und ich rutsche immer wieder mit den Füßen weg. Der Guide sichert aber stamm und ich schaffe es an die 5m zurück zur alten Route zu klet­tern. Durch den leicht­en Über­hang muss man sich erst­mal mit dem Pick­el zur Wand ziehen. Mit den Füßen geht nicht viel, da man kaum Halt find­et. Ich ver­suche mich mit den Pick­eln nach oben zu ziehen, was nur kurz klappt, dann muss ich mich ins Seil set­zen. Durch die Seildehnung rutscht man dann immer wieder hinab. Die Kraft, die die Arme aufwen­den müssen, ist enorm zumal man sich an einem Pick­el fes­thal­ten muss während der andere ein Stück höher ins Eis geschla­gen wird. Jed­er Zug ist ein Kraftakt und ich brauche eine Pause.

Ich ver­suche meine Beine ins Eis zu spreizen, das aber immer wieder aus­bricht. Langsam komme ich höher. Ich erre­iche eine Rille. Wenn ich da reinkomme ist das Schlimm­ste geschafft. Das Eis in der Rille ist aber feucht wor­durch der Pick­el kaum Halt find­et und das Wass­er durch­we­icht die Hand­schuhe, aber ich schaffe es. Die restliche Meter bis zum Umlenker sind wieder kein Prob­lem. Puh, das war hart. Bei Alex sieht es ähn­lich aus. Es ist schon 16 Uhr und wir haben bei der let­zten Route alle Kraft gelassen weshalb wir den Klet­tertag been­den. Wir pack­en unsere Sachen und gehen zum Auto zurück. Hier tre­f­fen wir auf einen Jeep aus der Schweiz. Ein Pärchen hat den Jeep nach Südameri­ka über­führt und fährt nun ein paar Monate hier herum, sie besteigen dabei einige hohe Berge auf eigene Faust. Als Schweiz­er ja kein Prob­lem. Ziem­lich cool, ich komme nicht umhin die bei­den zu benei­den.


FAKTEN ZUR TOUR
Berg­tour Lagu­na 69 (4.680m)

Gehzeit: 3h Auf­stieg, 2h Abstieg
Höhen­meter: 780hm
Aus­gangspunkt: Am Ende der Llan­ganu­co (3.900m)
Schwierigkeit: T2 — Berg­wan­dern

Eisklet­tern mit Eco Ice Peru, Jr Amadeo Figueroa 1185, Huaraz

Hotel Empfehlung
Alo­jamien­to Soledad, ab 26€ im Dop­pelz­im­mer pro Nacht
Amadeo Figueroa 1267, Huaraz

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