Peru: Arequipa, die weiße Stadt vor Vulkanen

Posted: 5. Mai 2016

Are­quipa ist nicht nur eine schöne Stadt, die aus weißer Vulka­nasche erbaut ist, son­dern auch Basis für Touren in den Col­ca Canyon und zu den bis zu 6.000m hohen Vulka­nen hin­ter der Stadt. Der pyra­mi­den­för­mige 5.825m hohe El Misti erhebt sich pit­toresk hin­ter der Kathe­drale.

Free Tour

Wir tre­f­fen uns bei der Free Tour mit Benoît und Marie, die wir ja schon in Aus­tralien nach der Mon­golei wieder getrof­fen haben. Die Tour startet am Plaza San Fran­cis­co und wir gehen zu einem kleinen Platz dahin­ter, dem Plaza Cam­po Redon­do, der früher, bevor die Spanier kamen, der Haupt­platz von Are­quipa war. Jet­zt ist es natür­lich der Plaza de Armas. Wir gehen in einen Innen­hof wo Alpakas und Lamas ste­hen. Im Gebäude von “Mun­do Alpaca” kön­nen wir Alpa­ka und die extra teure Vicuña­wolle betas­ten.

Wir ler­nen wie die teure Wolle gewon­nen wird. Ein Vicuña Pullover kostet stolze 5.000€, die fein­ste Wolle der Welt. Die wilden Tiere wer­den zusam­men getrieben und geschert, dann wieder in die Frei­heit gelassen. Das Töten und Hal­ten der geschützten Tiere ist ver­boten. In einem anderen Bere­ich sehen wir die ver­schiede­nen natür­lichen Färbe­mit­tel, mit denen die Wolle einge­färbt wird, und sehen eine Frau, die den Stoff auf tra­di­tionelle Weise webt.

Wir gehen weit­er zum Plaza de Armas. Er ist mit großen Pal­men bewach­sen und in der Mitte ste­ht ein Spring­brun­nen. Die Mitte des Platzes ist kom­plett voller Tauben. Den Platz schließen zweistöck­ige Gebäude in Kolo­nial­stil ein, dominierend am Platz ist jedoch die aus weißem Vulka­ngestein erbaute Kathe­drale. In ihr soll es ange­blich eine hölzene Teufelsstat­ue geben, was für eine Kirche sehr ungewöhn­lich ist. Lei­der find­et immer ger­ade Messe statt, wenn wir die Kathe­drale besichti­gen wollen.

Wir ver­lassen den Platz und gehen in den Innen­hof der Igle­sia de la Com­pañía. Wir gehen direkt aufs Dach von dem wir die Kathe­drale und dahin­ter die Vulka­ne Misti (5.822m) und Chachani (6.057m) sehen. Weit­er geht’s zum lokalen Markt und zur Obsthänd­lerin und bekom­men Physalis zum Pro­bieren. Es gibt auch eine Frucht, die wir noch nicht ken­nen, YaconSie sieht aus wie eine Kartof­fel, schmeckt wie ein Kohlra­bi, ist gut wenn man Dia­betes hat und führt ange­blich zu Blind­heit wenn man zuviel davon isst, dessen wis­senschaftliche Bestä­ti­gung ich aber nicht find­en kon­nte. Wir kaufen Granadil­las und eine Chi­r­i­moya.

Dann geht die Tour weit­er zum Restau­rant Son­c­col­lay, das tra­di­tionelle Vor-Inkaküche bietet, klas­sisch serviert in Ton­töpfen und mit Hol­zlöf­fel. Bevor wir eine Ein­führung in die tra­di­tionelle Inkakochweise bekom­men, gehen wir auf das Dach des Restau­rants von dem wir einen tollen Blick haben. Das Restau­rant liegt am Plaza de Armas und wenn man von hier auf die Kathe­drale schaut liegt der El Misti genau zwis­chen den Tür­men der Kathe­drale.

Wir gehen wieder runter und tre­f­fen den Koch und Besitzer des Restau­rants. Er redet langsam mit vie­len Pausen und Gesten. In sein­er kleinen Küche riechen wir an Kräutern und pro­bieren gebrate­nen Kür­bis. Drei Stücke Alpa­ka brät er direkt in der Glut seines Ofens. Ich darf das Fleisch auch mal wen­den. Dann darf jed­er ein Stück pro­bieren. Es schmeckt her­vor­ra­gend, eins der besten Dinge, die ich je gegessen habe. Wir über­legen ob wir später zum Essen in das Restau­rant gehen, es ist aber ziem­lich teuer.

Die Tour geht weit­er und wir gehen in ein Schoko­laden­café, wo wir einen Schoko­tee pro­bieren. Hier endet auch die Tour. Die ganze Pro­bierei hat uns hun­grig gemacht und so gehen wir mit den Fran­zosen zum Markt zurück um etwas zu essen. Es ist schon mit­ten am Nach­mit­tag und die Stände, die warme Gerichte anbi­eten, haben schon zu. Wir set­zen uns an einen Stand, der Ceviche und Sand­wich­es serviert und essen dort.

Juanita, die Jungfrau aus dem Eis

Das Muse­um San­tu­ar­ios Andi­nos wid­met sich vor­rangig Juani­ta, dem vierzehn­jähri­gen Inkamäd­chen, dass den Göt­tern in den 1450ern geopfert wurde und nun in einem Glastiefküh­ler erhal­ten wird. Gefun­den wurde sie 1995 im Gipfelkrater des Neva­do Ampatos, dessen Eis sie jahrhun­derte­lang kon­serviert hat. Freigegeben wurde sie erst kurz vor ihrem Fund durch den Aus­bruch des benach­barten Vulka­ns Saban­caya bei dem das Eis am Gipfel schmolz.

Die Muse­um­s­tour begin­nt mit einem 20 minüti­gen Film über die Ent­deck­ung der “Mumie” Juani­ta auf den Berg Ampa­to sowie um die Umstände ihrer Opfer­ung. Dann begin­nt die eigentliche Tour. Ein Guide ist oblig­a­torisch und auf vie­len Sprachen erhältlich, weswe­gen wir eine Tour auf deutsch bekom­men. Neben Juani­ta sind in der Inkazeit noch viele andere Kinder auf Bergen beige­set­zt und geopfert wor­den. Es waren adlige Kinder und deren Opfer­un­gen für ihre Fam­i­lien eine große Ehre. Wir sehen ver­schiedene Grabbeiga­ben — Töpfe, Klei­dung, gold­ene Lamas und Fig­uren. Alles ist sehr gut erhal­ten, da sie auf großer Höhe gefun­den wur­den und durch die Kälte kon­serviert waren.

Juani­tas Klei­dung sieht fast aus wie neu und man kann gut die Far­ben und Muster erken­nen. Wir sehen auch ein Püp­pchen, das aus ein­er Muschel gefer­tigt wurde und bei Juani­ta gefun­den wurde. Es deutet darauf hin, dass Juani­ta mit der Bitte nach Wass­er geopfert wurde. Dann sehen wir Juani­ta selb­st. Sie liegt in einem Glaskas­ten bei -20°C und 99% Luft­feuchtigkeit. Ein Teil ihres Kör­pers ist mit ein­er Eiss­chicht bedeckt, aber ihr Gesicht ist zu sehen.

Ihr Kör­p­er ist so gut erhal­ten, dass man sog­ar eine Blut und DNA Probe ent­nehmen kon­nte. Daher weiß man, dass sie ver­mut­lich aus Puno stammte. Auch ihre Organe sind erhal­ten und in ihrem Magen fand man eine Menge Coca­blät­ter und Mais­bier. Bei ihrer Opfer­ung war sie wohl ziem­lich berauscht. Inter­es­sant ist, dass die Inkas damals mit man­gel­nder Aus­rüs­tung und ohne tech­nis­che Hil­f­s­mit­tel Höhen von mehr als 6.000m erre­icht­en. An Juani­tas Füßen fand man lediglich San­dalen.

 


Free Tour Are­quipa, täglich um 12.20 Uhr am Plaza San Fran­cis­co

Museo San­tu­ar­ios Andi­nos, La Merced 110, Mo-Sa 9 bis 18 Uhr, So 9–15 Uhr, S20 plus Trinkgeld für den oblig­a­torischen Guide

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