Peru: Der Lord von Sipan

Posted: 25. Mai 2016

Mit dem Bus fahren wir über Tru­ji­lo nach Chi­clayo, wo wir uns vor allem auf die Suche nach Bril­len­bären im Chap­ar­ri Reserve machen wollen. Abge­se­hen davon bietet die Umge­bung von Chi­clayo jedoch auch reich­lich Geschichte. Die vorkolumbian­is­chen Kul­turen der Moche und Sican hin­ter­ließen hier ihre Spuren. Sie haben sich in dieser kar­gen Wüsten­land­schaft ange­siedelt, durch die mehrere Flüsse ver­laufen, sodass sich ein ide­ales Kul­turge­bi­et für sie ergab.

Die Pyra­mi­den von Tuc­ume
Hier sehen wir die Lehmpyra­mi­den der Vorinkakul­tur der Sican. Sie wur­den ca. 1.000 nach Chris­tus für religiöse Zwecke erbaut. Sie sehen aus wie Hügel und nicht wie Bauw­erke. Es han­delt sich um soge­nan­nte Tem­pel­berge, Hua­cas, die nicht unbe­d­ingt an klas­sis­che Pyra­mi­den erin­nern. Das haben auch die Spanier gedacht, weshalb sie von ihnen nicht geplün­dert wur­den. Die Pyra­mi­den sind die größte bekan­nte Ansamm­lung von Pyra­mi­den aus unge­bran­nten Lehmziegeln aus vorkolumbian­is­ch­er Zeit. Eine der größten Pyra­mi­den der Welt befind­et sich hier mit 700x280m, die “Hua­ca Larga”. Daneben befind­et sich ein Muse­um, in dem wir etwas über die Kul­tur und die Pyra­mi­den ler­nen.

Auf den Plat­tfor­men der Tem­pel­berge lebten Adlige, Priester und Herrscher­fam­i­lien. Die Herrsch­er wur­den als eine Art Hal­b­gott verehrt, die sich die Kräfte des Berg-Gottes aus­liehen. Jede Pyra­mide wurde nach ein­er großen Naturkatas­tro­phe ver­lassen, da sie als göt­tlichen Zorn gese­hen wur­den und die Kräfte der Pyra­mide somit beim Schutz des Volks ver­sagt haben und als ver­flucht gal­ten. Auf ein­er Pyra­mide wur­den über 190 Men­schenopfer gefun­den. Im näch­sten Gebäude ler­nen wir etwas über den Lord von Tuc­ume, dessen Grab hier gefun­den wurde, und sehen einige der Grabbeiga­ben. Auf ein­er Zeitleiste sehen wir die Geschichte der Sican Kul­tur. Sie wurde erst spät in das Inkare­ich inte­gri­ert. Auf der Opfer­pyra­mide wur­den auch Pup­pen gefun­den wie im Grab von Juani­ta, die von den Inkas stam­men. Die Ankun­ft der Spanier beze­ich­nete das Ende dieser Kul­tur.

Museo Tum­bas Reales de Sipan
Das große Muse­um nahe Lam­bayeque beschäftigt sich mit den Gräbern und den darin gefun­de­nen Arti­fak­ten des Lords von Sipan. Die intak­ten und unberührten Gräber wur­den 1987 ent­deckt und zu den bedeu­tend­sten Fun­den Südamerikas gezählt. Mehr als vierzehn Gräber wur­den bish­er am Tem­pel­berg Hua­ca Raja­da bei Sipan gefun­den. Der Tem­pel­berg Hua­ca Raja­da beste­ht aus zwei kleinen Lehmpyra­mi­den mit ein­er niedri­gen Plat­tform. Die Plat­tform und eine der Pyra­mi­den wur­den 300 nach Chris­tus von den Moche erbaut, die zweite Pyra­mide um 700 nach Chris­tus von ein­er späteren Kul­tur.

Nach ein­er hal­ben Stunde Fahrt erre­ichen wir das Museo Tumbes Reales de Sipan. Es ist eine große rote Pyra­mide, der Ein­gang im zweit­en Stock wird über eine Außen­rampe erre­icht. Zuerst sehen wir einen Film, lei­der ist er kom­plett in Spanisch und wir bekom­men nicht viel mit. Durch das Muse­um wird man von oben nach unten geführt, weshalb wir die Fund­stücke in der Rei­hen­folge sehen in der Archäolo­gen sie fan­den. Fotos sind lei­der nicht erlaubt.

Im ersten Raum sehen wir Keramiken, die Göt­ter, Men­schen, Pflanzen, Lamas und andere Tiere repräsen­tieren. Fein gear­beit­ete Schmuck­ge­gen­stände wie detail­re­iche große türkis-gold­ene Ohrringe, die Enten, Rehe und den Lord von Sipan selb­st zeigen, beein­druck­en uns im zweit­en Stock. Da die Herrsch­er als eine Art Hal­b­gott betra­chtet wur­den, ver­wen­de­ten sie soge­nan­nte Nar­igueras, Nasen­plat­ten, um ihre men­schlichen Zähne zu ver­ber­gen und somit die Tat­sache, dass sie nicht anders als alle anderen sind. Diese gold­e­nen Nasen­plat­ten gibt es zusam­men mit Hal­skrausen aus Spondy­lus Schalen, Klei­dungsstück­en aus Schellen und Ban­nern vom Krabben­mann zu bestaunen. Alles ist aus Gold und Sil­ber und aufwendig gefer­tigt.

Unten find­et sich eine Repro­duk­tion der ca. 1.700 Jahre alten Gräber mit zahlre­ichen Fund­stück­en. Wir sehen Keramiken, die Göt­ter wie den Spin­nen­mann, Krabben­mann, Fis­chmann und Gemüse­mann zeigen. Auf anderen Keramiken ist der Leben­szyk­lus des Men­schen von Zeu­gung bis Tod dargestellt. Selb­st die San­dalen des Lords von Sipan wur­den aus edlen Met­allen gefer­tigt, da er selb­st nie irgend­wohin gehen musste, son­dern getra­gen wurde. Der Lord wurde zusam­men mit sein­er Frau, zwei Neben­frauen, einem 9-jähri­gen Kind, seinem Ban­nerträger, dem Mil­itärchef, dem hohen Priester, ein­er Wache, einem Hund und zwei Lamas beerdigt. Sie wur­den nach seinem Tod geopfert. Die Sol­dat­en hat­ten amputierte Füße, damit sie das Grab nicht ver­lassen kon­nten. Dann sehen wir die Über­reste des Lords von Sipan selb­st, dessen Skelett nicht beson­ders gut erhal­ten ist. Er war Mitte 35–45, ein biss­chen über 1,60m groß und hat­te schon Osteo­porose.

Sein Schmuck, der Kopf­schmuck, eine Gesichts­maske, eine Brust­plat­te, Hals­ket­ten, Nasen­ringe, Ohrringe und mehr bein­hal­tete, weist ihn als Mann von höch­stem Rang aus. Der Lord von Sipan trug zwei Hals­ket­ten mit Perlen aus Gold und Sil­ber in der Form von Erd­nüssen, die die Erde repräsen­tieren. Erd­nüsse waren eine wichtige Ressource für die Moche. Die Hals­ket­ten beste­hen aus zehn gold­e­nen Perlen auf der recht­en Seite, für Männlichkeit und den Son­nen­gott ste­hend, und zehn sil­ber­nen Perlen auf der linken Seite, die Weib­lichkeit und den Mond­gott darstellen.

Ein Stock­w­erk tiefer sehen wir die Werkzeuge der Archäolo­gen mit denen alles freigelegt wurde. Dann fol­gen die Grabbeiga­ben des alten Lords von Sipan, auch sie sind prachtvoll, wenn auch nicht so wie die seines Nach­fol­gers. Dafür ist sein Skelett bess­er erhal­ten. Auch bei ihm wur­den eine junge Frau und ein Mann mit amputierten Füßen gefun­den, wahrschein­lich als Begleitung und Beschützung des alten Lords geopfert.

Viele der Pyra­mi­den wur­den geplün­dert und in einem Raum sind Stücke zu sehen, die das FBI bei Pri­vat­men­schen und Auk­tio­nen gefun­den hat. In einem let­zten Raum sind Pup­pen zu sehen, die wie der Lord und sein Gefolge ange­zo­gen sind.

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