Peru: Die Kondore vom Colca Canyon

Posted: 9. Mai 2016

Der Cola Canyon ist der zweit­größte Canyon der Welt, unweit ent­fer­nt vom größten der Welt, dem Cotahuasi. Der Cañón del Col­ca ist dop­pelt so tief als der Grand Canyon in Ameri­ka und ange­füllt mit Geschichte, Ruinen, Tra­di­tio­nen und peru­anis­ch­er Magie. So richtig erlebt hat man den Col­ca Canyon aber erst, wenn man in ihn hinab gestiegen ist. Während viele Agen­turen für Col­ca Touren und Treks anbi­eten, ist es denkbar ein­fach den Aus­flug selb­st zu organ­isieren.

Trotz sein­er Tiefe ist der Col­ca Canyon geol­o­gisch gese­hen rel­a­tiv jung. Der Río Col­ca hat sich durch Vulka­ngestein gefressen, das vor weniger als 100 Mil­lio­nen Jahren an dieser großen Erd­krustenspalte abge­lagert wurde. Obwohl das Wet­ter kühl und trock­en in den Hügeln über ihn ist, ver­fügt das tiefe Tal über son­niges Wet­ter und regelmäßige Aufwinde, die die Kon­dore nutzen um darauf zu segeln. Kak­teen deko­ri­eren die Hänge und Kolib­ris naschen von ihren Blüten. Unten im Tal kann es an einzel­nen Stellen mit Pal­men, Far­nen und sog­ar Orchideen fast tro­pisch wirken, z.B. in der soge­nan­nten Oase.

Die Ein­heimis­chen sind Nach­fahren zweier Grup­pen, die Cabanas und die Col­lagua. Diese zwei Grup­pen unter­schieden sich einst durch ver­schiedene Schädelfor­men, heute sind sie nur noch anhand ihrer Hüte und tra­di­tioneller Klei­dung auf ihre Ursprünge zurück­zuführen. Am östlichen Ende des Canyons tra­gen die Frauen weiße Hüte aus gewebten Stroh mit Spitze und Pail­let­ten, während sie am west­lichen Ende Hüte tra­gen, die oben abgerun­det sind und aus kun­stvoll bestick­ter Baum­wolle beste­hen.

Viele gehen nur zur Oase hin­unter und am näch­sten Tag wieder hoch, oder auch nach Llahuar und wieder hoch. Der Klas­sik­er für drei Tage ist hin­unter nach San Juan de Chuc­co, weit­er über Cosñirhua und Mala­ta hin­unter in die Oase und dann wieder hoch zu gehen. Möglich es ist auch in drei bis vier Tagen Fure und den Wasser­fall Huara­co mit einzuschließen.

Wir haben unsere Pläne sehr offen gehal­ten und jeden Tag neu entsch­ieden wohin und wie weit wir gehen. Ein großer Vorteil wenn man alleine und ohne organ­isierte Tour unter­wegs ist.

Aufbruch nach Cobanaconde

Mit dem Rey­na Bus fahren wir zusam­men mit Benoît und Marie-Line von Are­quipa in etwa 6 Stun­den nach Cobana­conde. Dabei fahren wir an den zwei Vulka­nen Chachani und Misti vor­bei, die vor den Toren der Stadt liegen. Viele Vicuñas sind hier in der weit­en Ebene auszu­machen.

Der Bus hält zwis­chen­durch eine halbe Stunde in Chivay, wo es Sand­wich­es am Bus­bahn­hof zu kaufen gibt. Ein paar Snacks für die Bus­fahrt mitzunehmen ist trotz­dem eine gute Idee. Dann geht es ins Col­ca Tal und rechts der Straße tut sich der zweit­größte Canyon der Welt auf. Gegen Abend kom­men wir in Cobana­conde an und schon wer­den uns Hos­tels ange­boten. Wir gehen mit und schauen uns das Hos­tel am Plaza de Armas an und nehmen es auch.

Für 15 Sol pro Per­son im Dop­pelz­im­mer mit war­men Duschen dur­chaus gün­stig. Das Hos­tel ver­fügt auch über ein Restau­rant, da dies aber voll ist, gehen wir über den Platz zu einem lokalen Restau­rant in dem wir für nur 6 Sol pro Per­son Suppe und Hüh­nchen mit Pommes bekom­men. In das Restau­rant gelangt man durch die Küche, wo viele tote Hüh­n­er liegen, die den einzi­gen Menüpunkt hier darstellen. Noch ein paar Früchte für mor­gen gekauft, dann begeben wir uns ins Bett.

Wo die Kondore fliegen

Der erste Bus Rich­tung Chivay, und somit am Cruz del Con­dores vor­bei, fährt um 7 Uhr ab. Vorher früh­stück­en wir noch im Hos­tel, dann fahren wir zu diesem berühmten Aus­sicht­spunkt auf den Canyon an dem mor­gens die Kon­dore durch die Lüfte segeln. Kurz vor acht Uhr mor­gens ist von ihnen noch nicht viel zu sehen. Bei den Blu­men lässt sich aber ab und zu ein Kolib­ri blick­en und Habichte und Karakaras segeln den Canyon ent­lang. Vere­inzelt sehen wir die ersten jugendlichen Kon­dore, die bis zu ihrem acht­en Leben­s­jahr über braunes Gefieder ver­fü­gen bis es schwarz-weiß wird.

Nach ein­er Weile in der vere­inzelte Kon­dore an uns vor­bei fliegen, geht es dann ganz schnell und plöt­zlich sind es so viele Kon­dore, dass man gar nicht weiß wo man zuerst hin­schauen soll. Sie fliegen teil­weise so nah an uns vor­bei, dass wir ihnen ins Gesicht schauen kön­nen, das sie uns zudrehen. Wir kön­nen bis zu 15 Kon­dore auf ein­mal sehen. Die Ther­mik scheint gut zu sein und wir wech­seln den Platz und set­zen uns nahe einem Felsvor­sprung wo sich bere­its drei Jungvögel niederge­lassen haben. Auf dem Fels herrscht ein Kom­men und Gehen, bis sog­ar fünf Kon­dore dasitzen. Sie fliegen nun so nahe an uns vor­bei, dass wir den Luftzug ihrer Schwin­gen hören kön­nen.

Als die Kon­dore sich wieder verziehen und die meis­ten Men­schen bere­its wieder in ihren Tour­bussen Rich­tung Chivay ver­schwun­den sind, brechen wir zusam­men mit den Sou­venirverkäuferin­nen auf, mit denen wir zusam­men in hin­teren Teil eines kleines LKWs zurück nach Cabana­conde fahren. In Cabana­conde gön­nen wir uns ein Mit­tagessen bevor wir in den Canyon hin­ab­steigen und unsere Wan­derung begin­nen.

Hinab in den zweittiefsten Canyon der Welt

Am Mirador San Miguel etwas außer­halb der Stadt geht es in den Canyon hin­unter. 1.200 Höhen­meter unter uns rauscht der Rio Col­ca ent­lang — zu ihm müssen wir hin­unter. Die steilen Hänge sind mit ver­schiede­nen Kak­teen, Agaven und niedri­gen Sträuch­ern und dem ein oder anderen Blüm­chen bewach­sen. Der Weg ist bre­it und man kann bequem zu zweit nebeneinan­der gehen. Daneben fällt der Canyon senkrecht ab.

Zunächst geht der Weg an der Fel­swand ent­lang. Nach dem wir einen fel­si­gen Part gequert haben, wird es steiniger und steil­er, über uns Basalt­säulen. Wir gehen nun in Ser­pen­ti­nen hinab. Auf der anderen Seite kön­nen wir die Dör­fer am Hang im Canyon sehen und prak­tisch den ganzen Weg, der die näch­sten Tage noch vor uns liegt. Die Dör­fer liegen nicht weit auseinan­der, aber durch den tief eingeschnit­te­nen Canyon ist die Strecke lang und anstren­gend. Auf die let­zten 100 Höhen­meter wird der Weg flach­er, wir begeg­nen den ersten Wan­der­ern — Fran­zosen auf dem Weg nach San Juan de Chuc­co.

Nach fast zwei Stun­den erre­ichen wir den Rio Col­ca und queren ihn auf ein­er Brücke. Hier wartet schon eine geschäft­stüchtige Dame auf uns, die uns Getränke und ihr Hos­tel anbi­etet. Glo­ria hat uns auf der anderen Seite hin­unter kom­men sehen und ihre sieben Sachen gepackt um uns zu emp­fan­gen. Die Ufer­kante ist hier ziem­lich steil und auch der Weg, der hin­auf führt. Der Weg führt uns etwa 50m über­halb des Flusses direkt an der Ufer­kante ent­lang. Rechts sind die ersten Gärten und Felder zu sehen, links fällt der Hang steil ab.

Wir gelan­gen ins Dör­fchen San Juan de Chuc­co. Nach ein­er Pause entschei­den wir uns noch weit­er zu gehen, denn wir sind noch nicht lange unter­wegs und noch voller Energie. Wir gehen also weit­er zum näch­sten Dorf — nach Cosñirhua. Wir kom­men an einem kleinen Fus­ballplatz vor­bei, bei dem man den Ball lieber nicht zu weit kick­en sollte, und fol­gen dem Weg in eine weit­ere Schlucht hinein. Es gilt wieder einen Fluss zu queren, auf ein­er dur­chaus frag­würdi­gen Brücke, und dann steil hin­auf nach Cosñi­hua zu steigen. Ich freue mich nach all dem Höhen­trekking mal wieder ver­gle­ich­sweise niedrig unter­wegs zu sein und nicht sofort aus der Puste zu kom­men, wenn es gilt einen Hang zu erk­lim­men.

Glo­ria hat uns emp­fohlen bei Mauri­cio einzukehren, was wir auch tun. Ein sim­ples Zim­mer hier kostet 10 Sol, eine warme Dusche inklu­sive. Mauri­cio kocht uns ein gutes Aben­dessen beste­hend aus Suppe und einem Haupt­gericht mit Reis, Kartof­feln, Kür­bis, Käse und Fleisch — kohlen­hy­drathaltig wie stets in den Anden­re­gio­nen. Bei ein­er Tasse Tee unter­hal­ten wir uns mit Mauri­cio. Er erzählt uns, dass die Leute früher von hier in vier Tagen nach Are­quipa gelaufen sind, in sieben Tagen bis nach Cus­co. Nach Are­quipa sind es immer­hin 250km, dur­chaus flott in vier Tagen. Geschlafen wurde zusam­men mit den Maultieren unter dem Ster­nen­him­mel. Nun hat er das kleine Gasthaus und wenn mal ein Gast vor­bei kommt, wird halt für ihn mit­gekocht, wenn nicht ist es auch nicht weit­er schlimm.

Ein langer Tag mit einem Wasserfall und heißen Quellen zur Belohnung

Zum Früh­stück bere­it­et Mauri­cio uns Pfannkuchen. Wir sitzen draußen und beschließen zusam­men bis zum Wasser­fall beim Dorf Fure zu gehen. Mauri­cio sagt es seien bis dor­thin 3,5 Stun­den. Unsere Karte gibt mehr als 6 Stun­den an, schauen wir mal wie wir unter­wegs sind. Einkehren wollen wir dann entwed­er in der Oase San­galle oder Llhahuar unten im Canyon. Noch herrscht Schat­ten auf unser­er Seite des Canyons, das soll sich aber bald ändern. Wir Fol­gen dem Weg und erre­ichen nach etwa 20 Minuten die kleine Stadt Mala­ta. Auf­grund von Bauar­beit­en weichen wir hier auf die Straße aus und gehen leicht bergauf bis zu ein­er unschein­baren Abzwei­gung, die  zu einem kleinen Unter­stand hin­auf führt. Hier verkün­det ein Schild den Weg entwed­er nach Pic­co­lo hin­unter oder hin­auf nach Fure und dem Wasser­fall.

Wir fol­gen nun dem son­ni­gen und wüsti­gen Weg zwis­chen Kak­teen und Gestrüpp stetig bergauf und ich rechne jeden Augen­blick damit ein­er Schlange zu begeg­nen. Tat­säch­lich begeg­nen wir aber nur den Über­resten ein­er toten Kuh. Hin und wieder fällt die Fel­swand fast senkrecht neben uns ab, aber der Weg ist stets bre­it genug. Er windet sich auf und ab am Hang ent­lang. So langsam kom­men wir dur­chaus ins Schwitzen.

Gegen Mit­tag erre­ichen wir Fure. Der Ort ist wie aus­gestor­ben. Zwei Wasser­fälle ergießen sich rauschend um die Stadt herum. Wir queren einen Wasser­lauf und füllen unsere Wasser­vor­räte auf. Bis zum Wasser­fall sollte es nicht mehr weit sein. Marie macht es sich hier gemütlich während wir weit­er unserem Ziel ent­ge­gen stapfen. Der Weg zieht sich jedoch noch mächtig. Der Pfad ist schmal und hin und wieder recht steil. Benoît ist uns bere­its voraus uns ver­scheucht einige Kühe vom Weg. Wir begeg­nen eini­gen Eseln, die uns neugierig beschnup­pern und das Salz von Alex Haut leck­en mögen.

Der Wasser­fall ist bere­its in Sichtweite, aber es dauert noch ein wenig bis wir an einem Aus­sicht­spunkt davor ste­hen. Er ergießt sich in sprühen­der Gis­cht aus ein­er Felss­palte in das frucht­bare Tal. Ich brauche drin­gend eine Pause, die Hitze hat mich auf dem let­zten Wegstück ordentlich fer­tig gemacht. Ein paar Nüsse später bin ich soweit wieder herg­erichtet, dass ich wieder hin­unter gehen kann. Der Weg zurück ist ein­fach­er, da großen­teils bergab und mit­tler­weile im Schat­ten. Wir müssen den Eseln aber­mals auswe­ichen und dann holen wir Marie ab und gehen zurück nach Fure. Immer noch regt sich hier nichts. Wir tre­f­fen auf ein zel­tendes Paar, die uns erzählen, dass seit einem Erd­beben hier kaum noch ein­er lebt und nur eine Frau bei Bedarf ihr Hos­tel öffnet. Wir entschei­den hin­unter nach Llahuar zu gehen, da es in die Oase noch deut­lich weit­er wäre und die Stunde bere­its vor­angeschrit­ten ist.

Kurz nach Fure zweigt der Weg ab und führt uns sehr steil hin­unter zum Fluss und auf die andere Seite des Seit­en­tals. Ein paar ver­schwitzte Fran­zosen kom­men uns ent­ge­gen. Offen­bar ist es bei Fran­zosen sehr beliebt diesen Trek zu gehen, denn es ist die vorherrschende Nation, die wir unter den weni­gen Wan­der­ern antr­e­f­fen. Mich beschle­icht der Gedanke, dass wir Deutschen zwar Reisewelt­meis­ter sein mögen, die Fran­zosen aber die aben­teuer­licheren Reisenden sind.

Vom unten erre­icht­en Fluss geht es nun wieder ein Stück hin­auf ins Dorf Llat­i­ca. Wir gehen am Fluss ent­lang bis zur Brücke, die wir über­queren. Wir merken langsam, dass uns die Kraft aus­ge­ht, immer­hin marschieren wir schon seit Stun­den ohne vernün­ftiges Mit­tagessen und der Weg ist noch weit. Es geht wieder bergauf und bergab und der Weg zieht sich. Endlich sehen wir unser Ziel Llahuar unter uns liegen. Es wird auch langsam Zeit, dass wir ankom­men, denn es wird schon dunkel. Wir nehmen zwei Dop­pelz­im­mer, die für 20 Sol pro Per­son ohne jeglich­es Licht, doch recht teuer sind, und gehen in die Hot­pools, die ein gutes Stück unter­halb des Hos­tels liegen. Wir baden und beobacht­en den Ster­nen­him­mel. Danach gibt es Aben­dessen, das nach dem lan­gen Tag dur­chaus hätte mehr sein kön­nen.


Raus aus dem Canyon und eine Lehrstunde in Sachen Hydrierung

Um 6:30 Uhr sitzen wir beim Früh­stück. Wir wollen früher los um möglichst noch im Schat­ten den Auf­stieg aus dem Canyon hin­aus zu bewälti­gen, aber früher gab’s kein Früh­stück. Wir essen Pan­cakes, Benoît und Marie früh­stück­en nur ihre Snacks. Dann marschieren wir los. Zuerst müssen wir etwa 100 Höhen­meter zu ein paar Häusern auf­steigen. Nach den Häusern gehen wir zur Straße hinüber und fol­gen ihr in den Canyon und zum Rio Col­ca hinab. Während wir den Fluss über eine Brücke queren, sehen wir vom Fluss­bett Rauch auf­steigen, der von den Geysiren stammt, die hier am Flussrand liegen.

Die Straße führt nun in Ser­pen­ti­nen ger­ade den Hang hin­auf. Wir wählen einen Pfad, der erst am Fluss ent­lang und dann den Hang hin­auf führt. Er sieht nicht so aus als würde er von vie­len Wan­der­ern benutzt. Wir queren immer wieder Schut­tfelder und der Hang fällt steil ab. Langsam zweifeln wir daran ob dies der richtige Weg ist und prompt lan­den wir in ein­er Sack­gasse. Wir drehen also um, was uns etwa 200 Höhen­meter und eine gute Stunde kostet. Zurück auf der Straße erk­lären uns zwei andere Wan­der­er, die gestern bere­its hier run­terka­men, dass wir erst ein Stück die Straße hoch müssen und dann auf den Pfad tre­f­fen.

Wir fol­gen also der Straße während die Sonne her­auskommt und uns aufs Haupt bren­nt. Nach­dem wir ein paar Ser­pen­ti­nen der Straße gefol­gt sind, tre­f­fen wir auf den Pfad. Er führt in weit­eren Ser­pen­ti­nen den Hang hin­auf. Wir nutzen die weni­gen Schat­ten­plätze zum Ras­ten um uns vor der heißen Sonne in Sicher­heit zu brin­gen. Wir kom­men gut voran und denken, dass wir gegen Mit­tag in Cabana­conde sein müssten.

Es wird aber immer heißer und die Abstände zwis­chen den Pausen wer­den kürz­er. Wir kom­men unter eine steile Fel­swand und der Weg führt nun unter ihr auf gle­ich­er Höhe ent­lang bis wir auf einen kleinen Fluss tre­f­fen. Nun soll­ten wir den let­zten Hang und damit die let­zten etwa 300hm vor uns haben. So langsam macht sich aber die Hitze bei uns allen im Tem­po bemerk­bar.

Benoît scheint auch nicht mehr so fit zu sein und er geht hin­ten mit Marie anstatt wie son­st vorne weg. Ich bin noch ziem­lich fit und gehe flott den Hang hin­auf um danach nur den näch­sten Hang zu erblick­en. Ich gehe voraus und warte oben auf die anderen, die sich allerd­ings lange nicht blick­en lassen. Nach ein­er hal­ben Stunde mache ich mir langsam Sor­gen, dass etwas passiert ist, denn so weit voraus war ich nun nicht.

Als sie ein­tr­e­f­fen kann ich schon von weit­em erken­nen, das mit Benoît etwas nicht zu stim­men scheint, denn er geht langsam und mit Alex Wan­der­stöck­en. Sie schildern mir die Lage, offen­bar ist Benoît ziem­lich fer­tig und dehy­dri­ert und sie haben bei­de kein Wass­er mehr. Auch Alex und ich haben nicht mehr allzu viel, geben aber was wir kön­nen zusam­men mit ein­er Pack­ung Elek­trolyte. Wir ärg­ern uns, dass wir am Fluss zuvor nicht das Wass­er aufge­füllt haben. Wir haben Angst, dass Benoît sich einen Hitzschlag einge­fan­gen hat. Nach ein paar Minuten Rast schleppt Benoît sich weit­er, wir gehen hin­ter­her. Laut ent­ge­genk­om­menden Wan­der­ern dauert es noch etwa eine Stunde bis Cabana­conde. Wir haben Angst, dass Benoît zusam­men­klappt, da sein Zus­tand nicht bess­er wird. Wir bekom­men aber etwas Wass­er von einem uns ent­ge­gen kom­menden Pärchen. Der Weg geht weit­er bergauf und bergab und nimmt kein Ende. Wir kom­men nur langsam voran.

Da ich von allen am fittesten bin, gehe ich Voraus um in der Stadt Wass­er zu kaufen und zurück zu kom­men. Ich werfe etwas Bal­last ab und eile auf die Stadt zu, die ich nach etwa 20 Minuten erre­iche. Offen­bar herrscht ger­ade Sies­ta und keins der Geschäfte am Stad­trand hat offen. Ich muss fast bis zum Plaza de Armas gehen um ein Geschäft zu find­en und kaufe viel Wass­er und Cola, dann mache ich mich auf den Rück­weg. Ich tre­ffe auf den Rest der Truppe, die an einem Unter­stand an einem Aus­sicht­spunkt im Schat­ten sitzt. Wir trinken alle fleißig und Benoît geht es nach ein­er Weile schon bess­er und wir gehen in die Stadt.

Es ist schon 16 Uhr als wir in Cobana­conde ankom­men und ich bin froh das noch alles gut aus­ge­gan­gen ist. Wir nehmen uns Zim­mer und warten bis das Restau­rant zum Aben­dessen auf­macht, denn wir alle haben einen riesi­gen Hunger. Es ist noch nicht mal 20 Uhr als wir ins Bett fall­en.

Nochmal Cruz del Condor

Bevor wir zurück nach Chivay fahren, wollen wir uns das Naturschaus­piel der fliegen­den Kon­dore nochmal anse­hen. Wir nehmen den frühen Bus um 7 Uhr und suchen uns ein Plätzchen auf der oberen Plat­tform und früh­stück­en Brot, Avo­ca­do und Granadil­las. Die Kon­dore lassen heute auf sich warten. Doch schließlich kom­men welche und segeln über unsere Köpfe hin­weg. Danach nehmen wir ein­fach den näch­sten Bus und fahren nach Chivay.


FAKTEN ZUR TOUR
Trekking­tour Col­ca Canyon “El Clas­si­co” mit Abstech­er zum Huara­co Wasser­fall
Gehzeit: 3 bis 4 Tage (möglich auch als 2-Tages-Tour bei der man nur runter und wieder hoch geht)
Höhen­meter: 1.555hm
Dis­tanz: 21km
Über­nach­tungsmöglichkeit­en: Viele Hos­tels inner­halb des Canyons oder Zelt
Aus­gangspunkt: Mirador San Miguel bei Cabana­conde
Schwierigkeit: Ein­fach


COLCA CANYON ON A BUDGET

Pack­liste
Snacks, Pullover für abends, Hygiene, Hand­tuch, Biki­ni, Wass­er, Son­nen­hut, Son­nen­creme, Medi­pack (Elek­trolyte nicht vergessen!)

Anfahrt
Es fahren regelmäßig Busse von Are­quipa nach Cobana­conde für 16 Sol + 1,5 Sol Buster­mi­nal Tax. Der Bus zum Cruz del Con­dor fährt um 7 Uhr und kostet 2 Sol. Zurück lässt es sich am ein­fach­sten mit den lokalen Händlern für etwa 3 Sol fahren.

Ein­tritt
Es wird ein Ein­tritt für das soge­nan­nte Bole­to Tur­is­ti­co von 70 Sol fäl­lig, was sie einem am Cruz del Con­dor oder in Cobana­conde verkaufen.

Über­nach­tun­gen und Essen
Über­nach­tung in Cobana­conde (15 Sol) plus Aben­dessen (6 Sol Menü) und Früh­stück im Hos­tel (ab 6 Sol)
1. Nacht im Canyon: Cosñigua, 10 Sol, mit warmer Dusche, pro Essen 10 Sol
2. Nacht im Canyon: Llahuar, 20 Sol , pro Essen 10 Sol

Ori­en­tierung
Etwa 20 Minuten von Cobana­conde an der Straße ent­lang zum Mirador San Miguel, dann 2h hin­unter in den Canyon 1.000hm steil hin­unter. Der ganze Weg liegt bere­its vor einem, alles ist von oben zu sehen, verir­ren ist qua­si unmöglich.

Tipps
Viel Wass­er dabei haben und trinken! Es wird ziem­lich heiß im Canyon, sobald die Sonne ihn bescheint. Vor allem beim lan­gen Auf­stieg am let­zten Tag. Jede Möglichkeit zum Auf­füllen nutzen. Nicht am Essen sparen, ihr werdet die Energie brauchen.

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