Gran Canaria: Roadtrip durch Gran Canaria

Posted: 3. Dezember 2010 by Annika

Um den eisi­gen Fän­gen des deutschen Win­ters zu ent­fliehen und sich noch ein biss­chen Som­mer abzu­holen ging es dies­mal nach Gran Canaria, eine der kanarischen Inseln west­lich von Afri­ka. Wir pla­nen einen Road­trip mit dem Miet­wa­gen durch Gran Canaria. Wir haben ein Zelt dabei, aber son­st keinen Plan für die näch­sten Tage. Und keine Ahnung, dass zel­ten auf Gran Canaria keine so gute Idee ist…

Dass man Afri­ka näher ist als Europa macht sich schnell bemerk­bar. Kaum angekom­men schlägt uns warme Luft und Sonne ent­ge­gen. Schnell leg­en wir die war­men Win­ter­sachen ab und tauschen sie gegen Shorts, T‑Shirts und Son­nen­brille um an den Strand zu fahren und uns gepflegt im Sand zu wälzen. In Mas­palo­mas ist die Touri­hölle los, aber das riesige Sand­dü­nenge­bi­et ist so groß, dass sich die Massen schnell verlieren.

Dünenwanderung in Maspalomas

Über 400 ha bre­it­en sich die Sand­dü­nen aus. Über die hohen Hügel oder wahlweise am fein­sandi­gen lan­gen Strand kann man bis zum Leucht­turm laufen. Der Anblick des blauen Him­mels und der Pal­men lässt mein Herz hüpfen.

Die schmalen Straßen nach West­en an den steilen zerk­lüfteten Klip­pen sind zwar schwingel­er­re­gend, bieten aber schöne Aus­blicke – jen­seits der Hote­lan­la­gen. Die Suche nach Zelt­plätzen gestal­tet sich allerd­ings nicht ein­fach. Es gibt wenige, nicht aus­geschilderte, davon teil­weise welche nur mit Wohn­wa­gen benutzbar. Dass meine Spanisch-Ken­nt­nisse sich auf kaum mehr als einzelne Wort­fet­zen beschränken, macht es nicht leichter. Mit einem wilden Mix aus Deutsch, Englisch, Spanisch und gutem Willen seit­ens der Ein­heimis­chen kön­nen wir uns jedoch trotz­dem ver­ständi­gen und find­en einen Zelt­platz unter Pal­men. Erst hier stelle ich fest, dass die Heringe zu meinem Zelt fehlen wie auch die Taschen­lampe. Nur gut, dass es hier windgeschützt ist.

Playa de Vargas

Heute geht’s nochmal etwas an der Süd­küste ent­lang. In Mas­palo­mas kaufen wir ein, essen, machen einen kleinen Stadt­bum­mel – dann geht’s weit­er nach Osten zum Wind­surfer­paradies Playa de Var­gas. In der Tat ist es hier sehr stür­misch. Ich erklet­tere einen kleinen Berg und genieße die Aus­sicht auf Wellen und Felsen.

Sobald das Zelt am örtlichen Zelt­platz aufgeschla­gen ist falle ich erst mal in einen kurzen Schlaf. Trotz Wind ist es heiß. Erst am Abend wer­den nochmal die Städte Agüimes und Inge­nio erkun­det. Die südländis­che Architek­tur der bun­ten ein­fachen schmalen Häuser, die sich auf Berghän­gen zusam­men­drän­gen ist bemerkenswert.

 

Der karge Süden

Ein Out­door­laden ist nicht zu find­en, auch die fre­undliche Dame an der Touris­ten­in­for­ma­tion weiß von nichts. So habe ich nicht mal eine Gaskar­tusche für meinen Kocher und es muss essen­stech­nisch etwas impro­visiert wer­den — aber alles geht solange man Avo­ca­do hat. So wie eigentlich alles – ohne Plan, Heringe und Kocher. Das ist schon ein Hauch Aben­teuer. Was ich mir bei dieser Plan­losigkeit immer denke weiß ich auch nicht so genau. Aber lang­weilig wird es nicht.

Die Nacht war stür­misch, das Zelt flat­terte auf­grund ungenü­gen­der Abspan­nung hin und her, Flugzeuge rauscht­en alle Nase lang über meinen Kopf hin­weg. Viel mit Schlafen war deswe­gen nicht los. Ich hoffe, dass es in Las Pal­mas, der Haupt­stadt Gran Canarias, einen Out­door­laden gibt. Heute ist das Wet­ter drück­end warm und schwül, das Ther­mome­ter behauptet fiese 27,5°C. Ich klet­tere ein biss­chen an der Küste zwis­chen Felsen hin­durch, sehe den Wellen dabei zu wie sie sich an den Felsen brechen, wieder abfließen und die zahlre­ichen Steine geräuschvoll in Bewe­gung setzen.

An der ein­samen Küste bekommt man eine Ahnung davon wie die Insel vor dem Massen­touris­mus aus­ge­se­hen haben muss. Hier find­en sich ein­same und ver­steck­te Strände wie der Playa de las Carpinteras.

Von hier aus geht’s ins west­liche Berg­land – schwindel­er­re­gende enge Straßen ent­lang. Far­ben­fro­he Fels­for­ma­tio­nen, die von ver­schiede­nen Min­er­alien stam­men, sind hier am Straßen­rand zu bestaunen. Wir fahren noch bis ins kleine Bergnest Tas­tar­ti­co, kön­nen aber den von der Touris­ten­in­fo-Dame erwäh­n­ten Zelt­platz nicht find­en, weswe­gen wir wieder an die Küste umkehren und dort im Auto über­nacht­en. 

Las Palmas

Es geht weit­er nach Las Pal­mas. Der Playa de las Can­teras ist wirk­lich schön, dun­kler Sand, schöne Wellen und sog­ar Surfer. Ich bekomme eine unbändi­ge Lust selb­st zu sur­fen. Lei­der kann man hier keine Surf­boards lei­hen. Die Wellen sind zwar klein, aber genau richtig für mich. So muss ich mich damit beg­nü­gen zuzuse­hen wie die Ein­heimis­chen zahlre­ich die Wellen per Surf- und Body­board erobern.

Ein Spazier­gang durch San­ta Catali­na offen­bart auch das wun­der­bare „Nat­ur­al Burg­er“ Restau­rant, das nicht nur großar­tig selb­st beleg­bare Burg­er anbi­etet son­dern auch eine Auswahl aus selb­st gemix­ten Säften aus allen möglichen Frücht­en. Da ich bei den meis­ten Sachen nicht weiß, was die spanis­chen Frucht­na­men bedeuten, lasse mich über­raschen. Wenn man wie ich alle Früchte mag, kann man dabei auch nicht viel falsch machen. Abso­lut grandios.

Vollgestopft schlen­dern wir dann an der Prom­e­nade ent­lang bis zu einem Einkauf­szen­trum wo es tat­säch­lich eine kleine Schlittschuh­bahn gibt – mit­ten im 30°C war­men Gran Canaria. Schon ein ver­rück­ter Anblick. Für die näch­sten Tage haben wir uns in einem Hotel in Las Pal­mas eingemietet, was uns schon­mal die lei­di­ge Schlaf­platz­suche erleichtert.

Der begrünte Norden

Heute geht’s auf eine Tour in den Nor­den Gran Canarias. Uner erster Stop ist der Jardín Botan­i­co Canario, ein großer Botanis­ch­er Garten, der alle Pflanzen der kanarischen Inseln behei­mat­en soll. Er steckt voll von allen Arten von  Pal­men, Kak­teen und anderen exo­tis­chen Gewäch­sen. In diesem beblümten Are­al kann man gar nicht genug von diesem vielfälti­gen Anblick bekommen.

Dann geht’s über San­ta Brigi­da und dem erlosch­enen Vulkankrater Caldera de Ban­dama – 1 km im Durchmess­er und umgeben von beein­druck­ender Aus­blick­en auf Las Pal­mas und das umliegende Bergland.

Der Nor­den ist deut­lich bewach­sen­er als der Süden wie sich auf der Fahrt durch Bäume und Blu­men zeigt. Viel blüht in dieser Jahreszeit zwar nicht, aber grün­er als in Deutsch­land ist es alle­mal. Teror ist eine niedliche kleine Stadt mit pit­toresken bun­ten Häusern, hölz­er­nen Balko­nen und ein­er schö­nen Kirche. Beson­ders gut und üppig lässt es sich im El Rincón de Magüi speisen, eine sehr beliebte Pizze­ria, die ein üppiges Mit­tags­menü für nur 8€ anbietet.

Schon wieder bin ich viel zu satt davon um abends noch die Kochnis­che im Hotelz­im­mer nutzen zu kön­nen. Da ich immer noch keine Glas­flasche für meinen Camp­ingkocher erwer­ben kon­nte, liegen Nudeln und Reis noch unberührt herum.

Über Aru­cas geht es dann über die Küste zurück nach Las Pal­mas. Großar­tige Surfspots bieten sich hier und schöne Aus­blicke auf Meer, Wellen und Felsen. Abends gibt es dann noch einen Weißwein am Strand, während wir dabei zuse­hen wie das Meer in der Dunkel­heit rauscht und das Nachtleben erwacht.

 

Die spanische Leichtigkeit des Seins

Heute ste­ht die Erkun­dung des his­torischen Stadt­teils Veg­ue­ta auf dem Plan. Auf­fäl­lig ist wie immer, dass die Straßen wie leerge­fegt wirken, selb­st in der Haupt­stadt. Lediglich in den größeren Einkauf­sstraßen find­en sich Men­schen. Auch habe ich den Ein­druck, dass die Geschäfte sich nicht an feste Ladenöff­nungszeit­en hal­ten, son­dern viel mehr auf­machen wenn ihnen danach ist. Das spanis­che Leben hat dur­chaus etwas von ein­er großen Leichtigkeit des Seins. Während man hier unter einem Son­nen­schirm im Café sitzt und der Som­mer­wind einem um die Beine stre­icht, kommt einem das Leben gar nicht hart vor.

Die Kathe­drale San­ta Ana ist wirk­lich wun­der­schön. Das Licht bricht her­rlich durch die bun­ten Glas­fen­ster während in Weihrauchgeruch und Orgel­musik ger­ade die Messe zu Ende geht.

Gegessen wird nochmals bei „Nat­ur­al Burg­er“ und wieder ein­deutig zu viel. Danach geht es hin­aus aus Las Pal­mas und in das Einkauf­szen­trum „Las Ter­raz­zas“, wo sich viele Out­let­stores find­en. Daraufhin geht’s in die Berge und nach San­ta Lucia, wieder mal um den von der Touris­ten­büro-Dame geschilderten Camp­ing­platz bei Temisas nicht zu find­en. Der Ort selb­st ent­behrt jedoch nicht ein­er gewis­sen Schön­heit mit den ter­rasse­nar­tig am Berg gele­ge­nen weißen Häusern.

Kurz vor der Dunkel­heit erre­ichen wir den traumhaften und von Pal­men umgebe­nen See bei San­ta Lucia, den es mor­gen zu erkun­den gilt. Es fol­gt nach den zwei lux­ior­iöseren Nächt­en mal wieder eine im Auto.

Mieswetter

Der mor­gendliche Anblick des Sees ist zwar schön, aber etwas trüb. Immer wieder reg­net es, es windet, aber zwis­chen­durch kämpft sich auch mal Sonne durch die Wolken.

Wenn man auf Gran  Canaria etwas höher kommt ändert sich das Wet­ter schla­gar­tig. Während an der Küste meis­tens die Sonne fre­undlich scheint, liegen die Berge im Inland oft in wolken­hüllen. So wie auch heute. Wir wagen es zwar trotz­dem bis ganz nach oben ins Zen­trum der Insel Cruz de Teje­da zu fahren, wo berühmte Fels­fun­da­mente empor­ra­gen und es unglaublich schöne Aus­blicke geben soll.

Es reg­net jedoch und es zeigt sich ein fieses Mieswet­ter, das alles in graue Schleier hüllt und total ungemütlich ist. Also nichts wie runter zurück an die Küste wo die Sonne lacht bis in die Hafen­stadt Agaete, die spek­takulär von Klip­pen einger­ahmt wird und pit­toresk weiß-blau gestrich­ene und griechisch anmu­tende Häuser bein­hal­tet. Der Hafen ist klein, das Wass­er blau und eine hand­voll Fis­chrestau­rants befind­en sich an der Promenade.

An der Nord­küste Rich­tung Las Pal­mas glitzert das Wass­er beson­ders atem­ber­aubend im Son­nenun­ter­gang. Die Wellen brechen sich gewaltvoll an den zerk­lüfteten Steinen und man kön­nte Stun­den damit zubrin­gen ihnen dabei zuzusehen.

Puerto de Mogán

Den Son­nenauf­gang erlebe ich am Playa de Var­gas. Dies­mal nicht im Zelt, son­dern aus dem Auto her­aus, was wesentlich ruhiger ist ohne Wind und Flugzeuge.

Frühauf­ste­her fis­chen hier bevor der Wind auf­frischt und während die See noch ruhig ist. Nach­dem man genug in diesem Anblick gebadet hat, fährt man nochmal in ein anderen Einkauf­szen­trum, das vor allem unglaubliche gün­stige Klei­dung und Schuhe bietet. Selb­st der Zara kommt mir hier gün­stiger vor. Nach ein­er Mahlzeit geht’s weit­er. Wieder mal die Küsten­straße durch Mas­palo­mas bis zur Hafen­stadt Puer­to de Mogán. Obwohl der Spitz­name „Venedig der Kanaren“ etwas hochge­grif­f­en sein mag, ist es mit seinen beblümten Häuschen und Brück­en sehr char­mant und niedlich.

Die kleine Pen­sion Eva bietet ein gün­stiges Zim­mer für die Nacht plus Küche zum Selb­stkochen. Auch eine sehr schmusige Mieze ist hier zu Hause, die gar nicht genug von mir bekom­men kann. Sie sab­bert zwar ein biss­chen, ist aber son­st ganz liebenswürdig mit ihrer inter­es­san­ten grau-schwarzen Fär­bung und den meerblauen Augen.

Am Hafen sitzt ein fröh­lich­er braun gebran­nter Mann, der malt und singt während er sich rasiert und total glück­lich mit dem Leben zu sein scheint — schön.

Roque Nublo

Heute bricht der let­zte voll­ständi­ge Tag auf Gran Canaria an bevor der Win­ter seinige eisi­gen Fin­ger aber­mals nach uns ausstreckt.

Als ich mor­gens das erste Mal aus dem Fen­ster blicke sehe ich blauen Him­mel. Und tat­säch­lich lässt sich kein Wölkchen am Him­mel blick­en. Ein per­fek­ter Tag um es nochmal mit dem bergi­gen Inn­land aufzunehmen. Nach ein­er kurvi­gen Fahrt über enge Bergstraßen und Ser­pen­ti­nen erre­icht man die höch­sten Pun­ket der Insel.

Von hier aus sieht man den höch­sten Punkt Ten­rif­fas  — den Tei­de – und ganz Gran Canaria. Die Fels­for­ma­tion „Roque Nublo“ kann man mit einem etwa 20 minüti­gen Auf­stieg erre­ichen um von dort fan­tastis­che Blicke über die gesamte Insel zu genießen. Ich schaffe es noch ger­ade recht zurück zum Auto bevor Wolken und Regen aufziehen.

Die let­zte Nacht ver­brin­gen wir wieder am Playa de Var­gas. Während die Sterne funkeln und die Wellen rauschen, schlafe ich ein und träume vom end­losen Som­mer um mor­gens wieder einen fan­tastis­chen Son­nenauf­gang zu erleben.

 

 

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