Neuseeland: Rund um Gisborne

Posted: 9. Dezember 2007

Unsere neue Heimat für die näch­sten zwei Monate ist Gis­borne, auch Gizzy genan­nt, an der Ostküste. Schöne Surf­strände rah­men das ziem­lich gechillte Gis­borne ein. Wei­h­nacht­en ist in Neusee­land Strandzeit, denn es herrscht Hochsom­mer. Zwis­chen der Arbeit auf der Apfel­farm beschäfti­gen wir uns mit kleinen Trips rund um Gis­borne und Sur­fen.

Nach ein­er ermü­den­den und vor allem brü­tend heißen fün­f­stündi­gen Fahrt, gelan­gen wir endlich in Gis­borne an — unsere neue Heimat. Unsere brasil­ian­is­chen Fre­unde haben hier ein Häuschen gefun­den in dem wir zusam­men wohnen kön­nen. Das Ende der Fahrt zieht sich durch ein großes Felsen­tal, sehr schön. Über­all die grü­nen ein­samen Hügel, die nur von Schafen, Kühen oder Pfer­den bewohnt wer­den.

Zuerst zeigt Car­los uns die Umge­bung – den Strand und einen Look­out auf dem Kaiti Hill übers Meer und die Stadt. Dann gehen wir kurz einkaufen um abends zu grillen. Grillen auf Brasil­ian­is­che Art. Das bedeutet Feuer aus Holz in ein­er Schubkarre, die als Grill fungiert. Leib­speise der Brasil­ian­er stellen Hüh­n­er­herzen dar.

Ich wohne jet­zt mit zwei Brasil­ian­ern und einem Tschechen in einem kleinen Häuschen mit großem Garten in Gis­borne. Es gibt ein Außen­k­lo, was sich nicht abschließen lässt, das Bad ist winzig, eben­so die Küche, aber es ist gün­stig und gemütlich.

Gis­borne als Stadt ist ein­er­seits lang­weilig, andr­er­seits aber ein hüb­sch­er Urlaub­sort. Die Haupt­straße ist von Pal­men gesäumt, was ich schön finde. Viele Sur­fgeschäfte gibt es hier, die viel zu sehr ver­lock­en shop­pen zu gehen. Glück­licher­weise schließen die Geschäfte jedoch sehr früh, so auch das Inter­net­café.

Beson­ders schön sind wieder die vie­len Pal­men neben der Wei­h­nachts­deko­ra­tion. Das “Ware­house” Prospekt zeigt auf dem Titel­bild eine Fam­i­lie unter dem Wei­h­nachts­baum — und zwar am Strand. So ist Wei­h­nacht­en hier. Wei­h­nacht­en bedeutet Strandzeit. Eigentlich reg­istriere ich den ersten Advent als solchen nicht. Dies fällt auch schw­er angesichts der Som­mer­stim­mung hier in Gis­borne.

Surfen

Sur­fen fällt mir in Gis­borne nicht leicht. In Makarori gibt es einen wun­der­schö­nen Strand, aber es han­delt sich um einen Reef Break und die Strö­mung ist stark. Cas­siano und Car­los, die Profis aus Brasilien, haben ihren Spaß und wir dabei ihnen dabei zuzuschauen. Wir sicht­en sog­ar Bob­by Hansen, einen Profisurfer. Ein für Anfänger geeigneter Strand ist der Beach Break am Stadt­strand von Gis­borne.

Makarori Headlands

Ein heißer Tag, der schon mor­gens heiß begin­nt. 30°C zeigt mein Ther­mome­ter an. Kein guter Tag für lange Märsche. Ich fahre bis zur Tat­apouri Bay und dann zurück nach Makarori um den Makarori Head Lands Walk­way zu beschre­it­en, der sich als sehr schweißtreibend her­ausstellt. Bergauf bei der Hitze, uff. Aber die Aus­blicke von dort oben belohnen mich. Der Walk­way geht zwis­chen zwei Strän­den ent­lang und von dort oben kann man bei­de überblick­en. Und die vie­len Far­ben des Meeres und der Felsen unter Wass­er.

Zurück am Strand trinke ich was und ver­suche die Rere Falls auf der Karte zu find­en. Da spricht mich ein Chi­lene an mit dem ich mich dann noch lange unter­hal­ten habe. Er hält mich für eine Südamerikaner­in, auf­grund meines Teints :) Er erzählt auch von Brasilien, einem wirk­lich gefährlichen Land. Schon die Brasil­ian­er erzählten davon. Bloß nicht auf­fäl­lig anziehen und keine Kam­era um den Hals tra­gen. Sog­ar 15-jährige sollen dort Waf­fen haben. Das tut meinem Wun­sch trotz­dem keinen Abbruch mal dort hinzureisen, denn schließlich möchte ich über­all hin.

Trip nach Wairoa

Vor­bei fahren wir am Don­eraille Park, der an einem friedlichen Fluss liegt. Keine Geräusche, nur Vögel und ein gele­gentlich­es „Mäh“. Der Fluss liegt direkt in ein­er Schlucht mit weißen Felsen. Wun­der­bar. Unter jedem Baum in dem Wald am Flus­sufer kön­nte Fro­do sitzen. Über­haupt hätte das Auen­land ohne Weit­eres über­all in Neusee­land aufge­baut wer­den kön­nen. Grüne Hügel wohin das Auge sieht, bevölk­ert von vie­len weißen Wol­lknäulen.

Nach ein­er Runde auf der Schaukel und einem Regen­schauer, sind wir bei den Te Rein­ga Falls. Wieder mal ein wun­der­bar­er Wasser­fall, den man aber nur von oben anschauen kann. Auf dem Rück­weg geht’s auf der Mahia Penin­su­la vor­bei und die Jungs sur­fen dort.

Te Kuri Farm Walkway zum Town Hill Lookout

Nach einem transat­lantis­chen Tele­fonat fahren wir zu einem Berg, wo es einen lan­gen Weg über die grü­nen Hügel, bewohnt von Kühen und Ziegen, gibt. Schöne Aus­blicke auf die Pover­ty Bay hat man von dort oben, auf dem Plateau des Town Hills. Das ist die Bucht in der Gis­borne liegt.

Das Wet­ter ist heute bess­er, aber immer­noch nicht son­nig, was ein­er­seits gut ist, da man nicht so schwitzen muss, ander­er­seits aber kein gutes Foto-Licht bere­it­stellt. Schön ist es den­noch. Nach dem ca. dreistündi­gen Weg geht es zurück nach Hause, wo wir den zweite Advent bege­hen. Ich habe Wei­h­nachtsmusik und Kerzen vom Ware­house besorgt und zwei dieser Kerzen entzün­det. Dazu gibt es Fruit-Mince-Tarts, als Lebkuch­en­er­satz. Draußen ist es zwar noch hell, aber so ist das eben im Som­mer. Die Brasil­ian­er haben lei­der keinen Sinn für meine Wei­h­nachtsmusik. In Brasilien ist Wei­h­nacht­en auch im Som­mer und bedeutet vor allem Strand und Par­tyzeit. Wo in Deutsch­land die Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit begin­nt, freuen sich die Men­schen und feiern dort auf der Welt, wo an Wei­h­nacht­en Som­mer herrscht. Sowas wie Advent ken­nen sie auch nicht. Einen Wei­h­nachts­baum gibt es in Brasilien trotz­dem.

Kleine Reserves um Gisborne

Heute sind wir im Oki­tu Bush Reserve bei Makarori, an der Sponge Bay und dem Gray’s Bush Reserve. Gray’s Bush ist beson­ders schön mit seinen großen 400–500 Jahre alten “Kahikatea”-Bäumen. Üppige Veg­e­ta­tion, Palmgewäch­sen, Kau­ris, Far­nen und viel Vogel­gezwitsch­er. Ein Rundweg führt uns durch das kleine Reserve. Einst bedeck­ten die Kahikateas (Neuseeländis­che Wurzeleibe) und Puriris (ein sub­tro­pis­ch­er Laub­baum) die ganze Ebene rund um Gis­borne. Auch viele Vögel hal­ten sich hier auf wie Eisvögel, Elstern, Fasane, Drosseln und neuseeländis­che Wekas.

Erdbeben!

Dann fahren wir nochmal an den Strand, ich mache Fotos von Cas­siano beim Sur­fen um dann nach Hause zu fahren wo ich dann mein erstes Erd­beben erlebe. Kurz vor neun Uhr abends geht es los. Erst rumpelt es immer lauter, dann begin­nt die Erde zu schwanken, dann das ganze Haus und wir laufen in Panik aus dem Haus hin­aus aus Angst, dass es ein­stürzen kön­nte. Denn sehr sta­bil ist unser Häuschen nicht. Draußen wankt einem der Boden unter den Füßen. Kein schönes Gefühl. Der Erd­bo­den ist immer das, worauf man sich ver­lassen kann und wenn einem dieser unter den Füßen wegge­zo­gen wird, fühlt man sich ziem­lich ver­loren. Ich weiß nicht wie lange das Erd­beben andauerte, vielle­icht zwei Minuten. Der Strom fällt aus, unser Spiegel im Badez­im­mer geht zu Bruch und eine Fen­ster­scheibe bekommt einen Sprung. Anson­sten blieb alles an Ort und Stelle, was ziem­lich ver­wun­der­lich ist.
Ich ver­suche etwas übers Autora­dio her­auszubekom­men, denn da wir hier nah am Meer sind, kommt der Gedanke an einen Tsuna­mi auf. Schnell pack­en wir das Wichtig­ste ein und fahren  aus der Stadt hin­aus. Was für ein Chaos! Jed­er ver­lässt die Stadt, die Polizei sper­rt die Straße in die Stadt. Wir fahren zu Dwaine, der etwas außer­halb wohnt und vielle­icht mehr weiß. Dort bleiben sind wir dann. Ich ver­suche über das Radio im Auto etwas her­auszufind­en, aber kein­er weiß genau ob Tsunamige­fahr nun beste­ht oder nicht. Auf ein­er Seite heißt es, dass es bess­er sei die Stadt zu ver­lassen und sich auf die Hügel zu begeben, auf der anderen, dass keine Gefahr bestünde. Dwaine sagt wir wür­den die Welle schon hören. Und dann Gerede davon, falls wir jet­zt ster­ben soll­ten sei das eben unser Schick­sal. Und jedes Mal horchen ob da nicht was kommt.

Als der Strom wieder funk­tion­iert, erfahren wir im Fernse­hen, dass das Beben 50km von uns im Meer war. Stärke 6,5. Wäre ein Tsuna­mi gekom­men, wäre dieser schnell dagewe­sen. Beruhi­gung, dass jet­zt wohl nichts mehr fol­gt. Ein Alp­traum. Jedes Geräusch hat mich aufgeschreckt, in Erwartung auf das Nach­beben. Nach ein paar Stun­den fahren wir zurück nach Hause und ver­suchen zu schlafen, was nicht ein­fach für mich ist. Das Bild über der Couch wird vor­sor­glich abgenom­men, damit es uns im Fall eines Nach­bebens nicht auf den Kopf fällt. Kurz vor sieben Uhr mor­gen kommt dann noch ein Erd­beben, aber kaum spür­bar – 4.5. Im Radio sagen sie, dass es noch einige in der Nacht gab, aber nicht wahrnehm­bar. Es kön­nen aber immer noch Nach­beben kom­men, weswe­gen ich den ganzen fol­gen­den Tag alarm­bere­it bleibe. Ich möchte nie wieder solch ein Erd­beben erleben, das Schw­er­ste bish­er in Gis­borne. Es ist nicht unüblich, dass es in Neusee­land Erd­beben gibt, aber nor­maler­weise nicht von dieser Stärke. Das Gefühl des schwank­enden Bodens unter mir, den Anblick des schwank­enden Haus­es und der hüpfend­en Autos werde ich nie vergessen. Dann die Fahrt zu Dwaine und der Anblick all der Autos, die aus der Stadt geflüchtet sind. Und die Angst und die Panik davor, dass das Haus ein­stürzt, dass die Straße aufreißt oder ein Tsuna­mi im Anmarsch ist.

Den ganzen Tag sind Hub­schrauber und Sire­nen zu hören. Zwei Gebäude sind eingestürzt, min­i­male Ver­let­zun­gen und keine Toten. Glück gehabt.

Weihnachten am Strand

Wei­h­nacht­en sieht dieses Jahr mal ganz anders aus. Wei­h­nacht­en ist hier, wie in Ameri­ka, erst am 25. Dezem­ber. Am Mor­gen gibt es die Geschenke, wo wir in Europa schon am Abend des 24. Dezem­bers unsere Geschenke in Emp­fang nehmen. Dementsprechend ist der 24. Dezem­ber hier kein Feiertag und alle Geschäfte sind offen. Vor­mit­tags gehen wir einkaufen, dann mache ich Nudel- und Kartof­fel­salat und es geht an den Strand. Wir hat­ten die Idee ein Stück deutsches Wei­h­nacht­en nach Neusee­land zu brin­gen und anson­sten alles zu tun was wir in Deutsch­land zu dieser Jahreszeit nicht tun kön­nen. Ich gehe ein biss­chen schwim­men und body­boar­d­en und anson­sten gibt es Salate und ein Gläschen „Sex on the Beach“ Cock­tail.

Abends schaue ich mit den Jungs und Dwaine Pulp Fic­tion. Es gibt Kerzen, den durch das Erd­beben lädierten Wei­h­nachts­baum (der Arme ist nicht mehr in der Lage ohne Hil­fe zu ste­hen, fällt immer um), aber wer kann sowas schon von sich behaupten – einen vom Erd­beben lädierten Wei­h­nachts­baum zu haben? Weit­er­hin gibt es Nüsse, die mir meine Mama aus Deutsch­land geschickt hat. Hier gibt es keine Nüsse an Wei­h­nacht­en, dementsprechend auch keine Nussknack­er, weswe­gen man erfind­erisch sein muss um die Nüsse zu knack­en. Auch ein Bana­nenkuchen wird zur Feier des Tages geback­en, der zwar nicht per­fekt aussieht, aber gut schmeckt.

Dreifach Highlights an den Rere Falls

Dieser Aus­flug ist wirk­lich einzi­gar­tig. Es geht zu den Rere Falls, die aus drei Teilen beste­hen und bei jedem gibt es etwas zu tun. Der erste Halt, die Rere Falls an sich, ver­spricht einen wun­der­baren Wasser­fall von dem man etwa 11m in die Tiefe sprin­gen kann.

Danach begeben wir uns zum Rere Rock­slide, wo man mit einem Body­board eine bemoost­en Fel­splat­te hin­un­ter­fahren kann. Schlit­ten­fahren mal anders, Som­merzeit eben. Ich bin die schnell­ste von allen, ganz schön ras­ante Abfahrt.

Der let­zte Teil sind die Rere Rock Pools, wo man schwim­men kann. Kleine Pools mit­ten in den Felsen und warmes Wass­er, her­rlich. Tief genug um hineinzus­prin­gen. Wir sind dort mit Dwaine und seinem Hund Fred­dy, der die ganze Zeit geduldig ins Wass­er star­rt, weil er denkt, dass dort Fisch sei. Aber in diesem kleinen Beck­en ist kein Fisch, denn es han­delt sich nur um eine wenige Zen­time­ter tiefe Pfütze. Viel Spaß habe ich heute. Die Rere Falls ste­hen nicht im Reise­führer und sind ein echter Geheimtipp. Nur Locals befind­en sich hier.

Botanischer Garten

Vor mein­er Abreise gehe ich nochmal in den Botanis­chen Garten, der fast vor der Haustür liegt. Ein wun­der­bar­er klein­er Park mit vie­len schö­nen Blu­men, die man in Deutsch­land nur abgeschnit­ten bekommt und sich nur wenige Tage an ihnen erfreuen kann. Schaukeln gibt es hier auch, mit Blick auf den Fluss. Der Park liegt direkt am Fluss, der gesäumt von traumhaften Häusern mit eigen­em Steg, und einem niedlichen Pavil­lion, ist. Von der Brücke hat man schöne Blicke auf den Fluss und dort ver­liebt man sich in Gis­borne.

 

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