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Russland: Olkhon Island

Posted: 7. Juli 2015

Mitten im Baikalsee liegt Olkhon Island, ein wunderbarer Ausgangspunkt für die Erkundung des tiefsten Sees der Welt und Sibirien. Neben den einzigen Süßwasserrobben der Welt und einer beeindruckenden Steilküste findet man hier Reste von Schamanenbräuchen. 

Heute fahren wir nach Olkhon, eine Insel mitten im Baikalsee. Dafür fahren wir etwa sechs Stunden mit dem Minibus nach Norden. Irkutsk liegt noch etwa 70km vom Baikalsee entfernt, wir fahren nördlich und gelangen dann mit der Fähre auf die Insel. Auf der Insel selbst gibt es keine geteerten Straßen mehr. Nur Sandstraßen führen zu dem einzigen Ort auf Olkhon – Khuzhir, der etwa 1500 Einwohner beheimatet. Bestimmt ein Riesenspaß bei Regen, wenn sich alle Straßen in Matsch verwandeln :) Im Winter gelangt man über das Eis zur Insel, in den Übergangssaisons ist sie komplett abgeschnitten. Weiterhin ist Olkhon ein großes schamanisches Zentrum und viele heilige Stätten der Burjaten sind hier zu finden.

Der Baikalsee entstand vor 25 bis 30 Millionen Jahren und ist mit 1.637m der tiefste See der Welt. Immer Sommer ist er tiefblau, die Bergketten und Strände lassen sich erkunden, im Winter ist er zugefroren und befahrbar.

Der Baikalsee hat eine Küstenlänge von insgesamt 2.000km und ist 636km lang – also ziemlich groß. Somit birgt er 1/5 der weltweiten, ungefrorenen Süßwasservorräte. Das Wasser hat größtenteils sogar Trinkwasserqualität. Der Baikalsee wird von über 300 Flüssen gespeist, nur einer führt das Wasser wieder hinaus.

Die Tour mit dem Minibus trägt uns durch weite karge Taiga-Steppenlandschaft, die mit Pferden und Kühen gesprenkelt ist. Weidezäune gibt es hier nicht und es kann schonmal vorkommen, dass eine Kuh auf der Straße steht. Hier bekommt man wirklich ein Gefühl das Ende der Welt erreicht zu haben. Wir machen Mittagspause in einem Café inmitten vom Nirgendwo und essen eine leckere Soljanka. Mal wieder bin ich froh ein bisschen Russisch zu können um die Bestellung zu managen.

Ein französisches Paar kommt aus der entgegengesetzten Richtung, die wir planen. Ihre sechsmonatige Reise begannen sie in Myanmar, sind durch Südostasien gereist, Indien und durch China und die Mongolei bis hierher zum Baikalsee. Sie erzählen viel von der Mongolei und geben ein paar Tipps. Am besten hat ihnen Myanmar gefallen. Anscheinend gibt es auch einen Weg über Land von Thailand nach Myanmar zu kommen. Da überall steht, dass man nur mit dem Flugzeug in Myanmar ein- und ausreisen darf, haben wir das Land eigentlich von der Reiseliste gestrichen. Nun wird es wieder interessant, schauen wir mal!

Weitere drei Stunden im Minivan bringen uns zur Fähre, die uns das kurze Stück über den Baikalsee zur Insel bringt. Von hier sind es noch etwa 30km bis nach Khuzhir, das etwa in der Mitte der ca. 70km langen Insel liegt.

Wir werden herzlich von Olga in unserem Hostel empfangen. Zur Begrüßung gibt es Chai (Tee) und leckeren Kuchen. Sie zeigt uns die Zimmer und die Gebäude. Toiletten, Duschen, Küche und Waschbecken sind in separaten Gebäuden untergebracht. Das „Waschbecken“ wird auf eine spezielle Art bedient: In einem Eimer befindet sich Wasser, das über eine Schöpfkelle in kleine Plastiktanks gefüllt wird, von denen man sich dann das Wasser über die Hände fließen lassen kann. Ich bin gespannt wie die Duschen funktionieren :) Das Hostel ist wie ein kleines Dorf im Dorf, hinter den Zäunen befinden sich mehrere Holzbungalows und einzelne Gebäude. Wir fühlen uns sofort wohl.

Nach Tee und Kuchen machen wir uns zusammen mit dem alleinreisenden Franzosen, der noch mit Zelt über die Insel trekken will, zu einer Erkundungstour auf. Wir spazieren durch die staubigen Straßen bis zur Küste mit ihren schamanischen Felsen. Die Sonne kommt auch heraus und wir erfreuen uns an diesem herrlichen Anblick. Am gegenüberliegenden Ufer ragen die Berge auf, vor uns ragen schroffe Felsen aus dem See. Viele Hunde stromern hier friedlich herum, es scheint, dass sie es lieben hier zu leben und zwischen den Felsen ihre Runden zu drehen.

 

Wir kehren zurück zum Hostel um das Abendessen einzunehmen, das liebevoll von Olga zubereitet wurde. Buchweizengries – sehr beliebt in Russland – mit Würstl, dazu Salat und Mini-Muffins.

Robben am Kap Khoboy

Heute fahren wir an die beeindruckende Steilküste im Naturschutzgebiet am Kap Khoboy. Mit ein bisschen Glück sieht man hier auch Baikalrobben, die weltweit einzige Süßwasserrobbenart.

Nach einem überaus reichhaltigen Frühstück bestehend aus Omelette mit Kartoffeln und Speck sowie dem obligatorischen Kuchen, den es jeden Morgen und Abend gibt, begeben wir uns in den alten russischen UAZ-Bus um eine Rundtour durch den Norden der Insel Olkhon zu machen. Täglich fahren diese alten Busse von Khuzhir zum Kap Khoboy.

Auf der insgesamt siebenstündigen Rundtour machen wir mehrere Stopps, wodurch die holprige Fahrt über vom Regen aufgeweichte Wege, angenehm unterteilt wird und man nicht zulange sitzen muss. Am Kap selbst sehen wir neben beeindruckenden Felsklippen eine kleine Baikalrobben-Ansammlung, etwa 100m unter uns. Wir könnten stundenlang hier sitzen und die Robben beobachten, wie sich sich eher unelegant auf die Felsen schieben, um dann im Wasser flink und wendig ihre Eleganz zu präsentieren. Der Baikalsee schimmert blau-grün und glitzert in der Sonne.

Zum Mittagessen gibt es über offenem Feuer gekochte Fischsuppe, die sogar ich essen kann indem ich auf die fischigen Anteile verzichte. Beliebt ist hier der Omul, eine Lachsart, die nur im Baikalsee vorkommt, also endemisch ist. Hier bekommt man an jeder Ecke Omul serviert – gegrillt oder in der Suppe. Zur Fischsuppe gibt es Chai (Tee) und ein bisschen Wodka.

Steilklippen

Unsere kleine Truppe besteht neben sechs von unserem Hostel (Drei Koreaner und neben uns ein weiterer Deutscher), aus einem spanisches Paar und zwei Russen. Injuk, ein Koreaner, kann ziemlich gut russisch, was wirklich sehr hilfreich in der Kommunikation mit Olga, der Hostelbesitzerin, dem Fahrer und weiteren Personen ist. Englisch spricht hier keiner mehr. Einer der zwei Russen kann ganz gut Spanisch sprechen, aber kein Englisch. So wird mein Russisch jedoch von Tag zu Tag um weitere Wörter ergänzt.

Nach dem Mittagessen fahren wir zu einer weiteren Steilküste. Erst hier stelle ich fest, dass ich meine Jacke am letzten Aufenthaltsort vergessen habe. Zum Glück spricht Injuk Russisch und kann dem Fahrer mein Anliegen deutlich machen, der sich nur über meine Vergesslichkeit amüsieren kann. Er fährt mich netterweise das Stück zurück, dass glücklicherweise nicht weit entfernt liegt, damit ich meine Jacke holen kann. Dann sehen wir uns die steilen Felsklippen an. Es lädt ein auf den Felsvorsprüngen herumzuklettern, aber das Gelände ist extrem bröselig, wie wir schon am Dienstag am Strand von Khuzhir festgestellt haben. Es windet sehr hier oben, die schamanischen Fähnchen wehen überall und der Hut der Koreanerin wird davon getragen, auf einen unerreichbaren Felsvorsprung.

Zu guter letzt sind wir an einem kleinen Steinstrand. Auf der Wiese dahinter grasen friedlich Pferde und Kühe. Auch Ziesel (Suslik), eine Erdhörnchenart, können wir auf der Fahrt entdecken, wie sie auf den Hinterbeinen stehen und süß ihre Nasen in die Luft recken.
Auf der holprigen Fahrt stelle ich fest, dass ich so gut wie überall schlafen kann, wenn ich müde bin. Egal, wie sehr es schaukeln und rütteln mag, ich kann dabei locker schlafen und trotzdem ausbalancieren. So manch einer bewundert diese Fähigkeit.

Sonnenuntergang am Baikalsee

Nach einem Einkauf und dem Abendessen verbringen wir den Rest des Abends mit den Neuankömmlingen im Hostel – Hugo, ein Italiener, der in London wohnt, Anita, ebenfalls aus London und Alan aus Deutschland. Wir machen zusammen einen Spaziergang an die Küste und schauen uns zusammen den Sonnenuntergang an. Wir unterhalten uns viel über die Mongolei und bekommen einige hilfreiche Tipps von Hugo. Es wird schnell sehr kalt als die Sonne untergeht und ich bin deutlich zu frisch angezogen, weshalb ich schnellstmöglich ins Hostel zurück und mich in mein warmes Bett kuscheln mag.

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