Schinder: Der Voralpenklassiker

Posted: 18. September 2019

Macht der Name dieses Bergs seinem Name alle Ehre? Die Wahrheit: Ein biss­chen, zumin­d­est wenn man direkt über das steile und schot­trige Schin­derkar auf­steigt. Dafür wird man oben gle­ich mit zwei Gipfeln mit her­rlich­er Aus­sicht belohnt — dem bayrischen und dem öster­re­ichis­chen Schin­der. Eine abwech­slungsre­iche und erstaunlich alpine Tour in den Bayrischen Voralpen.

Aus der idyl­lis­chen Valepp mit ihrem rauschen­den Bäch­lein, schat­ten­spenden­den Bäu­men und Fel­swän­den, fol­gen wir dem Weg erst auf ein­er Forststraße zur Schla­galm, dann durch den Wald auf die Fel­swände des Schin­ders zu. Bald schon wer­den die Aus­läufer des Schin­derkars erre­icht und der Weg ist mit Schot­ter über­sät. Hier muss man ein bis schen auf­passen, da man son­st — so wie wir und einige andere — schnell im aus­getrock­eneten Fluss­bett lan­det, das par­al­lel zum eigentlich Weg ver­läuft. Erst wirkt das Fluss­bett wie ein Weg, aber schon bald wer­den Krax­eleien über Felsstufen fäl­lig, die man sich auch sparen kön­nte. Der eigentlich Weg ver­läuft links im Latschen­gelände.

Schinderei im Kar

Nun kommt der unan­genehm­ste Teil: Der Anstieg durch das Kar. Ein Anstiegsweg ist nicht mehr zu erken­nen, also geht es mehr oder weniger ger­ade hin­auf. Das feine und rutschige Geröll bedeutet zwei Schritte vor und einen zurück. Stöcke sind sehr hil­fre­ich bei dieser Tor­tur. Der Blick auf die gewalti­gen Fel­swände des Schin­ders ent­lohnen nur ein wenig für diesen schweißtreiben­den Auf­stieg. Wir wählen diesen Weg jedoch bewusst als Auf­stiegsweg, da der Abstieg in diesem rutschi­gen Gelände noch unan­genehmer wäre. Das kön­nen wir auch gut an den uns ent­ge­gen kom­menden Wan­der­ern sehen, die sich im Kar hinab mühen und ver­suchen dabei nicht auszu­rutschen.

An den Fel­swän­den angekom­men geht es über ein paar Felsstufen bis zum Schin­der­tor, einem fel­si­gen Durch­schlupf. Es bietet uns eine kleine etwa drei Meter hohe Klet­terein­lage mit Eisen­trit­ten und ‑seilen. Nach weit­eren steilen Felsstufen, die mit einem Draht­seil gesichert sind, ste­hen wir am Sat­tel zwis­chen bayrischem und öster­re­ichis­chem Schin­der.

Bayrischer und Österreichischer Schinder

Zuerst wen­den wir uns nach rechts um den bayrischen Schin­der zu erk­lim­men. Dieser ist etwas niedriger als der öster­re­ichis­che Gipfel. Wir tra­ver­sieren nach West­en bis es auf einem steilem schot­tri­gen Pfad hin­auf geht, dabei gele­gentlich Felsstufen über­windend. Über mit Latschen durch­set­ztes Fels­gelände geht es unschwierig, aber weit­er­hin steil hin­auf zu ein­er kleinen Scharte von der wir das Gipfelkreuz sehen kön­nen. Von hier müssen wir nur noch auf den kleinen Gupf mit Gipfelkreuz hinüber queren.

Nach­dem wir das Gipfel­panora­ma genossen haben, geht es auf gle­ichem Wege wieder zurück zum Sat­tel. Hier hal­ten wir uns dies­mal links um den öster­re­ichis­chen Schin­der zu besteigen. Hier gibt es über ein paar kurze Krax­el­stellen, darunter eine mit Draht­seil gesicherte Rinne, am latschengesäumten Kamm ent­lang zum deut­lich größeren Gipfelkreuz mit mehr Platz als am bayrischen Nach­barn. Hier genießen wir den Blick auf den Alpen­hautp­kamm und die Bayrischen Voralpen.

Der Abstieg ist ver­gle­ich­sweise leicht. Wir über­schre­it­en den Gipfel am Grat nach Osten bis wir die das idyl­lis­che Almgelände der Traus­nitzalm erre­ichen. Hier füllen wir unsere Wasser­vor­räte auf, die beim schweißtreiben­den Anstieg durch das Kar deut­lich reduziert wur­den. Wer will kann sich auch ein Radler oder andere Erfrischungs­getränke auf der ein­fach bewirtschafteten Alm gön­nen. Von hier wan­dern wir bald in den Wald, wo sich der Weg in Querun­gen und Kehren über mehrere Bäche san­ft hinab windet. Der Abstieg zieht sich ganz schön bis wir ein paar hun­dert Meter unter­halb des Park­platz auf der Valepp­straße hin­aus kom­men.


FAKTEN ZUR TOUR

Berg­tour Bayrisch­er (1.769m) und öster­re­ichis­ch­er Schin­der (1.808m)
Gehzeit: 5h
Höhen­meter: 900 hm
Aus­gangspunkt: Park­platz in der Valepp (920m) etwa einen Kilo­me­ter vor dem Forsthaus Valepp
Schwierigkeit: T3 — anspruchsvolles Berg­wan­dern

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