Schweiz: Grüezi im Land der Gletscher und Berge

Posted: 15. August 2010

Auf dieser Reise tausche ich Möwengekreisch gegen Kuh­glock­bim­meln – mein Reiseziel dies­mal ist die Schweiz. Die Schweiz ist ein wun­der­bares kleines Land. Spek­takuläre Alpen­täler, verträumte Dör­fer, don­nernde Wasser­fälle, ver­wun­sch­ene Hügel, dichte Wälder, drama­tis­che Alpen­panora­men, schneebe­deck­te Berge, Gletsch­er, fel­sige Schlucht­en, klare Seen und Gebirgs­bäche – eine Postkarten­land­schaft. Über­all bim­meln Kuh­glock­en, Schweiz­er Flaggen wehen im Wind, örtlich pro­duziert­er Käse wird an beina­he jed­er Ecke verkauft.

Die Men­schen sind fre­undlich, her­zlich und umsichtig. Aber nicht alles dreht sich um Wan­dern und um Land­schaft — die schick­en schweiz­erischen Stadt­land­schaften sind von ins­ge­samt vier Sprachen und ein­er großen Kul­turvielfalt geprägt. Aber auch die Ver­fas­sung von 1874 und die Neu­tral­ität machen die Schweiz zu etwas Beson­derem. Nur wenige Län­der prak­tizieren eine „direk­te Demokratie“ über Volk­sentschei­de und „bewaffnete Neu­tral­ität“ mit­tels ein­er Präsen­zarmee, die wegen der Neu­tral­ität wohl nie einem Feind direkt gegenüber ste­hen wird.

Nach langer Fahrt aus dem Nor­den Deutsch­lands lan­den wir am Bodensee, der uns kaum die gegenüber­liegen­den Gipfel der Schweiz offen­bart, da tiefe Wolken unheil­verkün­den­den Regen voraus­sagen. Die Umrisse der Berge sieht man dann aber doch.

Am näch­sten Mor­gen fahren wir am Bodensee ent­lang durch Bay­ern, Öster­re­ich und schließlich die Schweiz. Über kurvige Straßen geht es stetig bergauf, durch grüne Berge, vor­bei an niedlichen Häuschen und Apfel­bäu­men. Ein Paradies soweit das Auge reicht. Ich kann mir gut vorstellen auch mal in bergige Regio­nen zu ziehen. Auf ein­er Berg­wiese genießen wir die her­rliche Aus­sicht und das Kuh­glock­ge­bim­mel in der Ferne bei einem war­men Tee.

Die Sonne traut sich auch für einen Moment hin­ter den Wolken her­vor und taucht die Szener­ie in schönes Licht. Bergab geht es durch roman­tis­che Bergsied­lun­gen nach St. Gallen.

St. Gallen

St. Gallen ist berühmt für seine Kloster­bib­lio­thek, eine der ältesten der Welt. Die Bib­lio­thek hütet unbezahlbare Büch­er, die im Mit­te­lal­ter von Mönchen ange­fer­tigt wur­den. Auch die Kathe­drale St. Gal­lens ist beein­druck­end. Auf dem Weg durch die Alt­stadt stoßen wir auf einen Star­bucks in dem wir uns Chai Lat­te und Vanille­donut gön­nen während draußen wieder der Regen tröpfelt.

Wir nutzen den Regen für eine Weit­er­fahrt nach Appen­zell und das kleine Dorf Brülisau von wo aus man einen fan­tastis­chen Blick auf eine sagen­hafte Steil­wand und zerk­lüftete Gipfel hat. Der „Hohe Kas­ten“ ist 1.725m hoch und mit ein­er Seil­bahn kann man ihn erk­lim­men. Dies tun wir heute nicht, son­dern ergötzen uns nur an dem atem­ber­auben­den Anblick und suchen uns einen Schlaf­platz in Wald, wo uns Kuh­glock­en in den Schlaf bim­meln und der Regen aufs Zelt trom­melt.

Ein Ort der schimmernden Stille

Der Regen begrüßt uns auch heute wieder. Motiviert ignori­eren wir ihn um ein Stück zu wan­dern. Ein steil­er Auf­stieg bei der Steil­wand führt hin­auf zum Gasthaus Plat­ten­bödeli. Ein Bach ergießt sich in Kaskaden des Weges ent­lang.

Ein weit­er­er Weg führt von dort zum wun­der­bar ein­samen und türkis schim­mern­den Säm­tis­ersee. Der See ist von steilen bewalde­ten Hän­gen und zerk­lüfteten Gipfel umgeben. Schafe und Kühe wei­den an den unmöglichst erscheinen­den Stellen und eine her­rliche Ruhe, nur durch oblig­a­torisches Kuh­glock­en­geläut unter­brochen, herrscht hier.

Nach­dem wir den Weg wieder hinab gestiegen sind, fahren wir bis zum Walensee, der von wahnsin­nig hoch aufra­gen­den Bergen und schneebe­deck­ten Gipfeln umran­det ist. Eine spek­takuläre Straße, die nur in ein­er Rich­tung befahren wer­den kann und durch beängsti­gend enge Tun­nel führt, geht bis nach Betlis, einem wun­der­bar stillen Ort. Die Stille wird nur durch Tosen der nahen Wasser­fälle und Vogelge­sang gestört. Ein kurz­er Weg führt zu den Seeren­bach­fällen, die aus drei Kaskaden beste­hen über die sich das Wass­er ins­ge­samt 585m in die Tiefe stürzt. Man kön­nte Stun­den hier sitzen, zu den Wasser­fällen und dem See blick­en, die Details der Gipfel aus­machen – wenn das Wet­ter nur etwas ein­laden­der wäre.

Klöntal

So machen wir uns auf in das spek­takuläre Klön­tal. Mit­ten im Tal liegt der spiegel­glat­te Klön­taler See an dessen Süd­seite sich die Steil­wände des Gebirges erheben. Mehrere Wasser­fälle meißeln Ker­ben in das Mas­siv. Der Blick in dieses ein­same Tal ist atem­ber­aubend. Ein klein­er Zelt­platz am Ende des Sees stellt unsere Unterkun­ft für die heutige Nacht dar.

Außer dem oblig­a­torischen Regen gibt es heute auch fan­tastis­che Aus­blicke auf den Klön­taler See und die umliegende Berg­welt. Eine Straße führt hin­auf zur „Schlammhöhe“, einem Berggasthof mit Aus­sicht­splat­tform. Der See und die umgebe­nen steil aufra­gen­den Felsen­wände, die immer wieder von Wasser­fällen und Schnee geze­ich­net sind, bieten eine her­rliche Kulisse.

Diesbachfälle

Danach ent­deck­en wir auf dem Weg zum Klausen­pass einen wun­der­baren Wasser­fall. Auf der Suche nach einem guten Fotop­unkt klet­tere ich den Wald­weg ent­lang der Wasser­fälle hin­auf. Von unten habe ich ein Art Brücke über den Wasser­fällen gese­hen, von Nahem ent­pup­pt sich diese allerd­ings wed­er als erre­ich- noch als passier­bar.

Diesbachfälle
Dies­bach­fälle

Schwindelerregende Serpentinen am Klausenpass

Spek­takulär ver­lassen wir den Kan­ton Glarus über den 1952m hohen Klausen­pass, der sich in Ser­pen­ti­nen die Berge hochschlän­gelt und atem­ber­aubende Aus­blicke ins Tal eröffnet.

Hier kreuzen auch gerne mal Kühe die Straße, ein­sam oder mit Almhirten. Ein solch­er erzählt uns, dass er auch mal in Deutsch­land gelebt habe. Er hat knall­rote Wan­gen und ein knautschiges, wet­tergegerbtes Gesicht und spuckt fürchter­lich beim Reden. Oben befind­et man sich tief in den Wolken und es ist kalt.

Nach­dem wir diese aufre­gende Fahrt gemeis­tert haben, erre­ichen wir den fjordähn­lichen Urn­ersee. Das Wass­er schim­mert türk­is­blau. An der Stelle wo der Urn­er See auf den Vier­wald­stät­ter See trifft, liegt Brun­nen, das einen umw­er­fend­en Aus­blick bietet. Hier find­en wir einen Zelt­platz und genießen das Abend­brot bei folk­loris­tisch anmu­ten­den Alphorn­klän­gen aus der Ferne.

Auf dem Weg nach Zermatt

Der Tag begin­nt wieder heiß und wir fahren Rich­tung Süden weit­er, kochen auf ein­er Bank mit Aus­blick auf Berge und Almwiesen Tee und Kakao bevor wir 5km vor Zer­matt fest­stellen, dass es aut­ofrei ist und man nur per Zug hinkommt. Zer­matt ist das Tor zum Mat­ter­horn, dem wohl bekan­ntesten Gipfel der Schweiz. So pla­nen wir am näch­sten Tag nach Zer­matt zu fahren und den Tag dort zu ver­brin­gen.

Wir suchen einen Camp­ing­platz wo wir auch nach Wan­derun­gen in Zer­matt nächti­gen und das Auto lassen kön­nen um dann zu einem türk­is­blauen kleinem See mit wun­der­bar­er Aus­sicht auf ver­schneite Berge zu gehen, der allerd­ings sehr kalt ist und somit allein beim Ein­tauchen der Füßen genug Abküh­lung von der Hitze bietet. Wir laufen ein­mal um den See, durch traumhaften Wald und vor­bei am Golf­platz um zurück zum Zelt­platz zu kehren und das Abend­brot zu ver­til­gen.

Zermatt

Vor­mit­tags fahren wir mit dem Sam­meltaxi nach Zer­matt zu Fuße des Mat­ter­horns, mit 4418m der wohlbekan­nteste Gipfel der Schweiz, wenn auch nicht der höch­ste. Man kann nur hin und weg vom Mat­ter­horn sein, dem uner­gründlichen mit Schnee bepud­erten Mono­lithen.

Zer­matt lockt im Som­mer mit unzäh­li­gen Wan­der­we­gen und auch die Gondeln auf die Gipfel ver­sprechen grandiose, aber lei­der auch teuer bezahlte Aus­blicke auf die umliegende Berg­welt.

Der Höhen­weg Höh­bal­men ist die ulti­ma­tive Wan­derung — mit Wild­blu­men über­säte Hänge, funkel­nde Bäche, zerk­lüftete Gletsch­er und spitze Gipfel. Lei­der kom­men wir auf­grund von akuter Höhenangst meines Begleit­ers kaum über die Baum­gren­ze hin­aus sodass uns dieser Anblick ver­wehrt bleibt. Das Mat­ter­horn kon­nten wir zwar sehen, aber da ich auf noch bessere Aus­blicke weit­er oben gehofft habe, kann ich kein Foto präsen­tieren.

Wir steigen wieder den hart erkämpften Weg hin­unter um in Zer­matt umher zu bum­meln. Da auch das Wet­ter sich ver­schlechtert, lohnt sich die teure Fahrt mit den Gondeln nach oben auch nicht. Das Mat­ter­horn selb­st ver­steckt sich nun auch in den Wolken sodass es nicht mal für ein Foto gere­icht hat.

Lötschental

Eine abgeschiedene Wild­nis mit glasklaren Bächen, Wäldern und Gletsch­ern – das Lötschen­tal stellt einen beza­ubern­den, wenig besucht­en Ort dar.

Die eisi­gen Fin­ger des Lang­gletsch­ers reichen fast bis ans Dorf Fafler­alp her­an und eine Wan­derung über Felsen vor­bei an einem türk­is­blau schim­mern­den und spiegel­glat­ten See sowie an Kühen mit Glock­en um den Hälsen, führt zu den Aus­läufern des Gletsch­ers, wo zwei gigan­tis­che „Gletscher­tore“ natür­liche Pforten bilden, die tröpfel­nd vor sich hin schmelzen.

Wir bestaunen aus­giebig die Tore, berühren den Gletsch­er und ver­suchen uns auf dem gefährlich rutschen­den Stein­haufen vor­sichtig zu bewe­gen. Einen schö­nen Zelt­platz an einem mit Him­beeren bewach­se­nen Bach gibt es hier eben­falls wo sich auch die käl­teste Nacht ertra­gen lässt.

Entspannung in Leukerbad

Wir fahren Rich­tung West­en weit­er und genießen im Ther­mal­bad in Leuker­bad, Europas größtem Ther­malkurort. Schon die Straße, die sich im Zick­za­ck vor­bei an atem­ber­auben­den Schlucht­en und bewalde­ten Felsen vor­bei schlän­gelt, ist eine spek­takuläre Ein­leitung. Aus beheizten Außen­beck­en schaut man auf ein natür­lich­es Amphithe­ater aus thro­nen­den Felsen­tür­men hin­auf während man seine Glieder ordentlich ein­we­icht, die Stra­pazen in den Gelenken sich langsam auflösen und man freudig die Wasser­rutschen ent­lang gleit­et.

Danach fahren wir noch bis Cham­pex, das im franzö­sis­chsprachi­gen Teil der Schweiz liegt und das ein glasklar­er See ziert. Hier ver­brin­gen wir die Nacht im Wald­bere­ich ein­er Seit­en­straße von dem aus wir hohe Berge sehen, die vom rot-vio­let­ten Licht der let­zten Son­nen­strahlen beleuchtet wer­den. Auch den Mont Blanc kann man von hier aus bewun­dern.

Genf

Nach­dem Forstfahrzeuge uns mor­gens um 7 Uhr recht unsan­ft weck­en fahren wir nach Genf, schön gele­gen am größten See der Alpen. Hier ist die ganze Welt vertreten: die UN, das Inter­na­tionale Rote Kreuz, die Welt­ge­sund­heit­sor­gan­i­sa­tion und natür­lich CERN, die Forschungsan­lage für Teilchen­physik. Hier wer­den Elek­tro­nen und Positro­nen im 27 km lan­gen LHC beschle­u­nigt. Eine Führung muss man lei­der lange im Voraus buchen, dafür wäre sie kosten­los.

Einen Hauch mediter­ranes Flair atmet man während man an den blu­mengesäumten Ufern des Gen­fer Sees spazieren geht, mit Blick auf die 140m hohe Fontäne des Jet D’eau, dem Wahrze­ichen der Stadt.
Genf zählt zu den teuer­sten Städten der Welt, was man an der Fülle der Design­er­lä­den und Banken bemerkt. Eine Stadt in der man auf min­destens vier Sprachen seinen Chai Lat­te bestellen kann, wo franzö­sis­che, mediter­rane und Schweiz­erische Ein­flüsse aufeinan­der tre­f­fen.

Danach fahren wir über den Lac de Neuchâ­tel, wo man wun­der­schöne Aus­blicke auf den Mont Blanc und den See hat, bis nach Zürich, das vor allem durch Baustellen beherrscht wird durch die wir ständig in Sack­gassen ger­at­en und auf­grund man­gel­nder schön­er Zelt­plätze schle­u­nigst wieder ver­lassen wird. Die weit­ere Suche nach Camp­ing­plätzen gestal­tet sich aben­teuer­lich, da es bere­its dunkelt und kein einziger Zelt­platz sich offeriert. In einem Dorf, das wed­er Karte noch Navi ken­nen, find­en wir dann schlussendlich doch noch einen Platz. Merke: In der Gegend Appen­zell und St. Gallen sind Zelt­plätze nur sehr spär­lich gestreut.

Es geht zurück Rich­tung Deutsch­land, nochmal vor­bei an St. Gallen wo wir uns mit Schweiz­er Käse – dem geschmack­vollen Gruyère, dem bekan­nten Emmen­taler und dem leichteren Appen­zeller – ein­deck­en bis nach München, wo wir am späten Nach­mit­tag ein­trudeln und wir den morgi­gen Tag ver­brin­gen wer­den.

 

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