Slowenien: Triglav, Besteigung eines 7 Summits der Alpen

Posted: 24. August 2017

Der Triglav ist mit 2.864m der höch­ste Berg Slowe­niens und gehört somit zu den 7 Sum­mits der Alpen. Er ist Nation­al­sym­bol und jed­er Slowene muss ein­mal auf diesen Berg gestiegen sein. Wir besteigen den Triglav von Rud­no Pol­je aus an einem Tag, der es mit 1.900 Höhen­metern in sich hat. Der Gipfel selb­st ist anspruchsvoll durch eine Fel­s­land­schaft zu erre­ichen, ver­spricht aber großes Gipfel­glück.

Es gibt mehrere Wege auf den Triglav. Wir entschei­den uns für die kurze Vari­ante von Rud­no Pol­je, das auf 1.347m liegt. Hier befind­et sich auch ein Biathlonzen­trum und ein Hotel bei dem wir Aben­dessen kön­nen. Beim Aben­dessen schauen wir zu wie die Biath­leten ihr Som­mer­train­ing auf Roll­skiern absolvieren und schießen.

Aufstieg zur Vodnikov Hütte

Wir ste­hen früh auf und starten um 6:30 Uhr unseren Weg zum Triglav. Im Gegen­satz zu den let­zten Tagen ist es hier auf der Hochebene ziem­lich kühl. Auch andere Wan­der­er sind bere­its unter­wegs. Die ersten 10 Minuten führen uns auf rel­a­tiv eben­er Forststraße durch den Wald bis wir auf einen kleinen Pfad rechts abbiegen. Durch Berg­wald steigen wir nun steil­er hin­auf bis wir in offenes Gelände gelan­gen. Hier kommt auch eine andere Wegal­ter­na­tive vom Tal­bo­den hin­auf. Nun haben wir den Anstieg über einen steilen Schot­terp­fad zum Stu­dor Sat­tel vor uns liegen. Spätestens hier ger­at­en wir ins Schwitzen, denn langsam kommt auch die Sonne hin­ter den Bergen her­vor. Oben am Sat­tel hören wir Murmeltiere pfeifen, sehen sie aber lei­der nicht. Lange hal­ten wir uns nicht auf, denn es liegt noch ein langer Weg vor uns.

Es fol­gt eine lange Querung um den Tosc herum bis wir die Hütte Vod­nikov na Velem Polju erre­ichen. Dieses Stück, bei dem man sogut wie keine Höhen­meter macht, ist zwar lang, aber dur­chaus reizvoll. Unter uns kön­nen wir in ein grünes Tal sehen, das von Kühen bewohnt wird, die zu ein­er der ältesten Almen im Triglavge­bi­et gehören.

Von der Vod­nikov Hütte kön­nen wir bere­its die Dom Plani­ka Hütte und die Hütte Triglavs­ki dom na Kredari­ci, unter­halb des Gipfe­lauf­baus des Triglavs, weit über uns aus­machen. Während der erste Teil des Weges rel­a­tiv ruhig war, tre­f­fen wir hier nun auf einige Men­schen, die sich für den Weit­er­weg stärken. Wir füllen unsere Trinkblasen mit frischem Wass­er auf und ver­drück­en ein paar Kekse bis wir weit­er gehen.

Über die Karsthochfläche zur Dom Planika Hütte

Die Baum­gren­ze lassen wir nun hin­ter uns und der Weg führt durch Fels­gelände im leicht­en Auf und Ab mit gele­gentlichen Draht­seil­sicherun­gen und Stahls­tiften bis zu einem Schut­tfeld. Hier teilt sich der Weg: Nach rechts geht’s zur großen Triglavs­ki Dom, nach links zur Dom Plani­ka Hütte . Nun geht es die let­zte Stunde steil in Ser­pen­ti­nen bergauf bis zur Dom Plani­ka Hütte, was uns nun im prallen Son­nen­schein ordentlich ins Schwitzen bringt.

Der über der Hütte liegende Gipfel zeigt sich immer wieder zwis­chen Wolken­schwaden. Etwa 400 Höhen­meter liegen nun noch vor uns, übri­gens auch die Route der Erst­besteiger. Nach ein­er kurzen Pause beschließen wir gle­ich weit­erzuge­hen, weil das Wet­ter gut aussieht, was in den let­zten Tagen nicht immer der Fall war.

Triglav Gipfelsturm

Über sowohl gesichertes als auch ungesichertes aus­ge­set­ztes Fels­gelände geht es nun hin­auf. Der Weg von der Dom Plani­ka Hütte bis zum Gipfel ist mit 1,5h ver­an­schlagt. Durch das anspruchsvolle Gelände und den durch die vie­len Men­schen verur­sacht­en Stau kann man aber gut zwei Stun­den dafür kalkulieren. Hin und wieder kom­men einen auch recht rüpel­hafte Wan­der­er ent­ge­gen bei denen Obacht geboten ist.

Über Schot­ter, Geröll und Felsen erre­ichen wir die ersten Draht­seile mit deren Hil­fe wir durch eine Rinne auf den ersten Gra­trück­en krax­eln. Über Felsstufen gelan­gen wir auf den Mali Triglav, einen Vorgipfel. Von hier leit­et ein schmaler Grat hinüber zum Haupt­gipfel. Von hier aus kön­nen wir schon den steilen Weg über die Felsen hin­auf sehen. Ohne das Draht­seil wäre diese sehr aus­ge­set­zte Pas­sage mehr als anspruchsvoll. Von weit­em sieht es allerd­ings schlim­mer aus als es dann ist. Es gibt gute Stufen im Fels, die einem eine Vielzahl an Trit­ten ermöglichen. Viele Men­schen kom­men hier herunter und man muss sich immer wieder miteinan­der arrang­ieren. Auf ein­mal kommt ein Trail­run­ner herun­terg­erast, der ohne Hem­mungen fast einen Meter neben dem Draht­seil von Fels zu Fels hüpft. Ich kann da kaum hin­se­hen, wie er so nah am Abgrund ren­nt. Ein falsch­er Schritt, ein­mal umknick­en und er würde in die Tiefe sausen.

Jene, die uner­fahren im freien Klet­tern sind, soll­ten die Ver­wen­dung eines Klet­ter­steigsets in Betra­cht ziehen. Trittsicher­heit und Schwindel­frei­heit sind bei dem let­zten Auf­stieg zum Gipfel unab­d­inglich. Die meis­ten Slowe­nen scheren sich darum ziem­lich wenig und gehen ohne Sicherung, manche in Jeans und Turn­schuhen hin­auf. Kinder wer­den lap­i­dar am kurzen Seil gesichert, das ein­fach nur um deren Hüften gebun­den ist. Davon sollte man sich nicht täuschen lassen und die Tour auf die leichte Schul­ter nehmen. Die Slowe­nen sind ein­fach ver­rück­te Hunde. Wenn der Triglav nicht der höch­ste Berg Slowe­niens wäre, würde er sicher­lich auch nicht diese Massen an Men­schen emp­fan­gen, da es sich dur­chaus um eine anspruchsvolle und lange Tour han­delt. Die Draht­seil­ver­sicherun­gen an den heiklen Stellen vere­in­fachen den Weg zwar, machen sie aber noch lange nicht leicht.

Der Gipfel des Triglav

Wir klet­tern die let­zten Meter zum Gipfel hin­auf und erre­ichen das mit einem kleinen Blech­turm (Aljazev stolp) verse­hene Gipfelplateau. Ein klas­sis­ches Gipfelkreuz sucht man hier verge­blich. Dafür gibt es Getränke und T-Shirts an diesem Türm­chen zu erwer­ben. 5 Euro für eine Fan­ta ist zwar ziem­lich teuer, aber in dem Moment ist es das wert. Der waschechte Slowene greift da natür­lich lieber zu ein­er Dose Bier.

Wir genießen lange die Aus­sicht auf die umliegende Berg­welt der Julis­chen Alpen. Wolken schieben sich immer mal wieder ins Blick­feld, lösen sich aber genau­so schnell auf wie sie gekom­men sind und geben den Blick frei.

Eingeschlossen wird der Triglav vom Triglav Nation­al­park, dem einzi­gen Nation­al­park Slowe­niens, der 880 Quadratk­ilo­me­ter umfasst. Das sind ganze 3% des Lan­des. Im Ver­gle­ich dazu hat Deutsch­land ger­ade mal 0,6% der Land­fläche unter den Schutz eines Nation­al­parks gestellt.

Abstieg

Wir machen aus­giebig Brotzeit und Fotos bevor wir uns wieder an den Abstieg machen. Ein langer Tag liegt bere­its hin­ter uns und so müssen wir nochmal alle Konzen­tra­tion zusam­men­nehmen. Wie immer denke ich, dass der Abstieg heik­ler ist als der Auf­stieg und im End­ef­fekt löst sich dann doch alles in Wohlge­fall­en auf. Tritte und Griffe ergeben sich immer wie von Zauber­hand und leit­en uns sich­er wieder hinab zur Hütte. Auf dem Weg nach unten scheinen sich die Wolken am Gipfel fest­ge­fressen zu haben und wir freuen uns, dass wir das richtige Wet­ter­fen­ster genutzt haben. Das hält einige Wan­der­er jedoch nicht davon ab den Gipfel­sturm auch noch am späteren Nach­mit­tag starten.

Wir haben uns vor­ab tele­fonisch Schlaf­plätze in der Hütte Dom Plani­ka reserviert um möglichst flex­i­bel zu sein. Wir kehren erst­mal in die Hütte ein und gön­nen uns ein küh­les Getränk. Da wir so gut vor­angekom­men sind entschei­den wir die Reservierung aufzugeben und den ganzen Weg noch heute zurück­zuge­hen. Das wird ein gescheit­er Hatsch wer­den, ins­beson­dere nach der Vod­nikov Hütte, aber wir haben noch Energie.

Stärkung in der Vodnikov Hütte

Das erste Stück von der Dom Plani­ka über Schot­ter hinab ist schnell geschafft und schon bald ste­hen wir wieder vor der Vod­nikov Hütte. Hier entschließen wir uns zu ein­er gescheit­en Mahlzeit. Die Preise der Hüt­ten sind mehr als fair — für etwa fünf bis sechs Euro bekommt man ein deftiges Essen. Alex entschei­det sich für Gulasch, ich für eine Jota — ein Ein­topf aus Sauer­kraut, Kartof­feln, Krain­er Würsten und Bohnen. Die Hütte ist wesentlich gemütlich­er als die große unter­halb des Gipfels. Auch hier kann genächtigt wer­den, was zahlre­iche müde Wan­der­er auch nutzen. Die Hüt­ten am Triglav selb­st sind oft aus­ge­bucht, weshalb die Vod­nikov Hütte eine gute Alter­na­tive bietet.

Gut gestärkt machen wir uns dann an die lange Querung zum Sat­tel zurück. Mit­tler­weile begeg­nen wir außer einem tschechis­chen Pärchen, die eben­falls auf dem Rück­weg sind, keinen Wan­der­ern mehr. Wir hören wieder Murmeltiere pfeifen, sehen sie aber nicht. Nach  11 Stun­den Gehzeit und 1.900hm kom­men wir erschöpft, ver­schwitzt, aber glück­lich an unserem Bus an, der auf dem Park­platz auf uns wartet. Eine Out­do­or­dusche später sind wir auch wieder einiger­maßen frisch und genießen ein ver­di­entes slowenis­ches Radler auf unseren Camp­ingstühlen. Was für ein Tag!


FAKTEN ZUR TOUR
Berg­tour Triglav (2.864m)

Gehzeit: 10–12h
Dis­tanz: 27km
Höhen­meter: 1.900hm
Aus­gangspunkt: Rud­no Pol­je (1.347m)
Stützpunk­te: Vod­nikov na Velem Polju (1.817m), Dom Plani­ka pod Triglavom (2.401m) und Triglavs­ki dom na Kredari­ci (2.515m)
Schwierigkeit: T4 — Alpin­wan­dern / I. Grad

Auf den Triglav führen mehrere Wege. Die hier beschriebene Vari­ante ist die kürzeste und führt von Rud­no Pol­je in 1.900hm zum Gipfel. Sie ist an einem Tag oder etwas gemütlich­er an zwei Tagen zu meis­tern.

Von Lake Bohinj dauert es drei Tage und umfasst 2.524hm.
Von Trenta geht’s in zwei Tagen und 2.170hm zum Gipfel (T3 / Klet­ter­steig A).
Vom Aljažev Dom im Nor­den in ein bis zwei Tagen und 1.900hm zum Triglav (Klet­ter­steige  Prag Weg (A/B), Tolmin­sek © oder Bam­berg Weg (C/D)).

Es gibt drei Hüt­ten vor dem Gipfe­lauf­bau: Triglavs­ki Dom, Dom Plani­ka und Koca na Dolicu. Von allen drei Hüt­ten führt eine Route zum Gipfel, die alle etwa gle­ich schw­er sind. Sie lassen sich zu beliebi­gen Über­schre­itun­gen verbinden, zumal die drei Hüt­ten untere­inan­der mit Wegen ver­bun­den sind.


UNSER SLOWENIEN-ROADTRIP
Zum Teil 1 — Bären­beobach­tung und Höhlen in der Karst­land­schaft
Zum Teil 2 — Tasty Ljubl­jana
Zum Teil 3 — Aben­teuer Soča
Zum Teil 4 — Aben­teuer rund um Bled

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