Bei den Hadzabe am Lake Eyasi

Tansania: Bei den Buschmännern der Hadzabe

Posted: 26. November 2017

Um den Lake Eyasi herum leben eine der let­zten Jäger und Samm­ler Kul­turen der Erde. Die Hadz­abe leben seit 10.000 Jahren in dieser Gegend und sprechen eine aus Klick-Laut­en beste­hende Sprache. Größ­ten­teils leben sie noch immer so wie vor hun­derten von Jahren, auch wenn die mod­erne Zivil­i­sa­tion auch hier bere­its Einzug gefun­den hat. Ein faszinieren­der Besuch bei den let­zten Buschmän­nern unseres Plan­eten erwartet uns. Wir jagen und tanzen mit ihnen, ler­nen wie man Feuer macht und mit einem Bogen schießt. 

Unser heutiges Ziel ist der Lake Eyasi, wo wir die Stämme der Hadz­abe und Dato­ga besuchen wollen. Kurz nach dem wir Karatu ver­lassen haben, biegen wir in einen staubi­gen Weg ein. Mas­sai Road, mal wieder. Mit­tler­weile ken­nen wir das schon. Das Rumpeln, die Schlaglöch­er, der Staub. Neben der Straße laufen Kinder ihren täglichen bis zu 10km lan­gen Weg zur Schule. Esel­skar­ren fahren an uns vor­bei, der Führer mit ein­er Hand am Smart­phone. Egal, wie arm die Men­schen sein soll­ten, ein Mobil­tele­fon ist ein Muss. Wir müssen mit­ten im Nir­gend­wo einen Reifen  wech­seln, da wir einen Plat­ten haben. Haji hat das allerd­ings in Winde­seile erledigt. Sich­er nicht das erste Mal, dass er das tut. Die Straßen ver­lan­gen den Autos einiges ab. So ein Esel­skar­ren hat wohl auch so seine Vorteile…

Wir  hal­ten an einem kleinen Büro im Nir­gend­wo, wo unser Guide Elias zu uns steigt. Er ist unser Führer und Dol­metsch­er für heute. Elias wurde selb­st bei den Hadz­abe geboren als Sohn eines Hadz­abe und ein­er Dato­ga Frau. Seine Mut­ter zog in den Busch als sie sich in den Haz­abe Mann ver­liebte. Die Dato­ga ver­fü­gen nicht über einen sehr fortschrit­tlichen Lebens­stan­dard, aber sie gehen in der Regel zur Schule und wohnen an einem fes­ten Ort nahe der Stadt. Es muss eine große Liebe sein, wenn man dieses ver­hält­nis­mäßig bequeme Leben in ein nomadis­chen Leben im Busch ein­tauscht. Ein Leben in dem man nie weiß welch­er Tag heute ist oder wie alt man ist. Ein Leben ohne Schule, Ärzte und Mobil­funkemp­fang. Mit der Sonne auf­ste­hen, Jagen gehen, abends am Lager­feuer sitzen und Cannabis rauchen.

Als Jugendlich­er ist Elias allein in die Stadt gegan­gen um dort zur Schule zu gehen. Nun spricht er die Sprache der Hadz­abe und Dato­ga, außer­dem Sua­he­li und Englisch und kann uns bei der Kom­mu­nika­tion mit den Hadz­abe helfen und ihr Leben erk­lären. Und wer kön­nte das bess­er als ein ehe­ma­liger Hadz­abe?

Die Fahrt geht weit­er in den Busch hinein. Zwei mal über­queren wir ein aus­getrock­netes, ver­sandetes Fluss­bett, deren Flüsse zur Regen­zeit in den Lake Eyasi führen. In der Trocken­zeit, wie jet­zt, ist der See kom­plett aus­getrock­net. In einem der Fluss­bet­ten haben Hirten ein Loch gebud­delt um an das tiefer liegende Wass­er zu kom­men. Das Wasser­loch ist mit Dor­nen­büschen vor Wildtieren geschützt. Vere­inzelt begeg­nen wir ein paar Hirten mit ihren Ziegen.

Bei den Buschmännern

Dann erre­ichen wir die Hadz­abe. Ich bin schon ganz aufgeregt dieses Volk zu tre­f­fen. Wir bekom­men eine kurze Ein­weisung wie man sich unter den Hadz­abe begrüßt. Man schüt­telt sich die Hand und sagt bei Män­nern “Matana baya” und bei Frauen “Matana nan­di”. Zuerst holt Elias die Erlaub­nis, dass wir der Stamm besuchen dür­fen, dann führt er uns zu ihnen. Wir kom­men zu einem sehr großen, aus­ge­höhlten Baobab Baum. An ihm sind ver­schiedene Felle von Tieren wie Zibetkatzen und Pavian aufges­pan­nt, Gewei­he und Hörn­er von Antilopen hän­gen herum und zahlre­iche kleine und größere Tier­schädel. Auch ein abge­zo­genenes hasen­großes Tier ist dort zum Trock­nen aufge­hängt. Die Farbe seines Fleis­ches ist tiefrot. Ein Arse­nal aus Holzbö­gen und Pfeilen befind­et sich zwis­chen all dem sowie einiges an Schmuck, den die Frauen her­stellen und verkaufen.

Vor dem Baum sitzen an einem kleinen Feuer mehrere Män­ner zwis­chen 14 und 45. Sie tra­gen abgewet­zte Shorts und ver­schlis­sene T-Shirts, die sich far­blich zwis­chen ihrer Haut­farbe und dem ock­er­far­be­nen Savan­nen­bo­den einge­peln. Einige haben Led­er oder Felle umge­bun­den, die von Pavia­nen stam­men, ein­er hat sog­ar einen Pavian­hut. An Armen und Beinen sind sie mit einem aschgrauen FIlm aus Saub und Erde über­zo­gen, an den Füßen tra­gen sie die typ­is­chen Mas­sai san­dalen aus Reifen und Led­er­riemen.  Sie sprechen Hadza, eine aus Klick-Laut­en beste­hene Sprache, die nir­gend­wo son­st gesprochen wird. Wir begrüßen einan­der fre­undlich, mit Hän­de­schüt­teln und “Matana baya”.

Elias zeigt uns ihre Jagdwaf­fen: Einen Holzbo­gen mit ein­er Tiersehne als Schnur und ihre Pfeile. Einen stumpfen Holzpfeil für kleine Tiere, einen Pfeil mit lan­gen Met­all­spitzen für mit­tlere Tiere und vie­len Wider­hak­en für Paviane, da sich diese den Pfeil son­st wei­der her­ausziehen, und die Giftpfeile für große Tiere. An deren kleinen Met­all­spitzen klebt etwas schwarzes Harziges, ein Saft aus gifti­gen Wurzeln. Dieses Gift bringt eine Anti­lope inner­halb von 15 Minuten um.

Ich habe Feuer gemacht!

Dann zeigen uns die Hadz­abe wie man Feuer macht. Das geht ganz schnell: Man dreht einen Holzstab mit etwas trock­en­em Ges­trauch inner­halb ein­er kleinen Mulde auf einem flachen Holzbrettchen. Es entste­ht Hitze und fein­er Holzs­taub, der bald zu rauchen und zu glühen begin­nt. Dann nimmt man ein kleines Töpfchen, stopft Mar­i­hua­na hinein, dann die Glut darauf und dann gön­nt man sich einen kräfti­gen Zug. Hadz­abe kif­f­en gerne und viel.

Dann sind wir dran. Es ist eigentlich gar nicht so schw­er. Es kommt nur auf die Drehgeschwindigkeit und dem richti­gen Druck an. Ich rutsche nur immer wieder mit meinen Hän­den am Stab nach unten und muss wieder von vorne begin­nen. Bald habe ich ein kleines Häufchen Glut erzeugt. Das Kif­f­en über­lassen wir aber dann den Hadz­abe. Wer weiß was für ein Kraut sie da rauchen, Haji rät uns jeden­falls eher davon ab… In Tansa­nia ist Mar­i­hua­na eigentlich ille­gal, bei den Hadz­abe wird es jedoch toleriert.

Auf der Jagd mit den Hadzabe

Nun gehen wir auf die Jagd. Es gibt keinen fes­ten Zeit­plan oder Regeln für die Jagd. Jed­er geht dann wann ihm danach ist, manch­mal auch alleine. Elias, Alex und ich fol­gen drei der Hadz­abe Män­ner in den Busch. Es gib zwei Arten der Jagd. Bei der lan­gen Jagd über mehrere Tage ver­suchen sie ein großes Tier zu erbeuten und bei der kurzen ver­suchen sie etwas um ihr Lager herum zu erbeuten.

Bei der kurzen Jagd scheinen sie es auf Vögel abge­se­hen zu haben. Sie essen aber alles außer Hyä­nen, da die ihre Toten fressen, die sie tra­di­tionell im Busch liegen ließen und mit Zweigen bedeck­ten. Somit glauben sie daran, dass ihre Ver­stor­be­nen in den Tieren weit­er­leben und seinen eige­nen Opa isst man halt nicht. Heute müssen sie ihre Toten begraben, was eine der Aufla­gen der Regierung dafür ist, dass sie hier frei leben dür­fen. So eine Vogel­jagd scheint jedoch nicht so ein­fach zu sein. Oft schle­ichen sie sich an und der Vogel fliegt kurz vor dem Schuss weg. Im Gegen­satz zu den Nation­al­parks, in denen man dicht an die Vögel her­an kommt, fliegen sie hier schnell weg. Sie wis­sen das vom Men­schen Gefahr dro­ht. In einem Nation­al­park wie dem Ngoron­goro Krater hät­ten die Tiere keine Chance und die Hadz­abe jeden Tag volle Bäuche.

An manchen Pfeilen steckt vorne ein Stück eines Maiskol­ben. Damit wird die Spitze dick­er und ein kleineres Ziel lässt sich leichter tre­f­fen. Ich schwitze in der aufk­om­menden Hitze des Tages in dieser trock­e­nen, schat­ten­losen Land­schaft. Aber es ist alles viel zu aufre­gend als dass ich das groß bemerken würde. Schnellen und leisen Schrittes laufen wir durch droniges Busch­land, das voller großer Baobab Bäu­men ste­ht.

Der Hadz­abe mit dem Pavian­hut bricht eine Baobab Baum­frucht auf. Die vie­len Kerne sind von weißen Fleisch umgeben. Es schmeckt leicht säuer­lich und gut. Etwas später gibt er uns ein paar Beeren. Ich habe keine Ahnung was es ist aber sie haben einen starken würzi­gen Geschmack. Das sind so die Snacks für Zwis­chen­durch.

An ein­er Mulde eines Baobab Baums hat sich Regen­wass­er gesam­melt, daneben liegt eine Kelle welch­er aus sein­er Frucht gemacht wurde wovon der Hadz­abe trinkt. Das Regen- und Grund­wass­er garantiert ihre Ver­sorgung mit Trinkwass­er. An einem anderen Baobab muss er sich erst eine Kelle bauen. Kurz darauf kommt ein­er der anderen Jäger, der einen kleinen Vogel erbeutet hat. Der Pfeil steckt direkt im Hals. Stolz zeigt er ihn uns, dann befes­tigt er ihn an seinem Gür­tel und die Jagd geht weit­er.

Zwis­chen­durch zeigt uns Elias ver­schiedene Pflanzen, die die Hadz­abe als Medi­zin ver­wen­den. Ärzte und Tablet­ten weren abgelehnt und sie ver­trauen voll­ständig auf ihre tra­di­tionelle Medi­zin. So hil­ft Sisal gegen Wun­den, der Zachun­baum gegen alle möglichen Wehwe­hchen und Cannabis sowieso gegen alles.

Er ent­deckt wieder einen Vogel, schle­icht sich an, span­nt und trifft. Der Vogel hängt noch im Baum und er holt ihn mit einem Stock herunter. Der Vogel ist allerd­ings noch nicht tot. Kurz­er­hand beißt der Jäger sein Genick durch. Ein kein­er Tropfen Blut rin­nt von seinen Lip­pen  hin­unter. Das war… über­raschend. Wir dacht­en er dreht ihm nun ein­fach den Hals um.

Bei den Hadzabe Frauen

Wir kom­men wieder ins Dorf zurück und wer­den den Frauen vorgestellt. Sie sitzen abseits der Män­ner und machen Arm­bän­der. Die Frauen sind dafür zuständig sich um die Kinder zu küm­mern, Wurzeln und Früchte zu sam­meln, Essen zuzu­bere­it­en und Nachkom­men zu schenken. Die Frau und Tochter des Häuptlings zeigen uns ihre Hütte. Die Hüt­ten der Hadz­abe sind aus Stöck­en und lan­gen Blät­tern gemacht. Ihre hat gle­ich zwei Kam­mern und ist ange­blich wasserdicht. In der ersten Kam­mer ste­hen drei Steine, was die Feuer­stelle darstellt.  Darüber hän­gen zwei Met­alltöpfe. Die Hadz­abe kön­nen kein Met­all ver­ar­beit­en. Alle Mess­er, Pfeil­spitzen und Töpfe haben sie mit den Dato­ga getauscht. In der zweit­en Kam­mer liegt ein großes Fell mit der Haut­seite nach oben —  das Bett des Häuptlings. Daneben liegt ein kleineres Fell mit der Fell­seite nach oben. Hier schläft das Kind. Die Tochter des Häuptlings ist eins der schön­sten Mäd­chen, die ich je gese­hen habe.

Wir wer­den dem Häuptling Ngun­wi vorgestellt, ein Mann mit­tleren Alters, der Würde und Stärke ausstrahlt. Er ist in Led­er gek­lei­det und mit vie­len bun­ten Plas­tikperlen geschmückt. Ein buntes Per­len­stirn­band und schul­ter­lange Per­len­ket­ten, die über die Ohren her­ab­hän­gen, markieren ihn als das Stamme­sober­haupt. Ngun­wi begrüßt uns fre­undlich und lacht viel. Die Hadz­abe wählen ihren besten Jäger zum Häuptling.

Bogenschießen

Jet­zt wollen wir Bogen­schießen üben. Das Ziel ist eine Baumwurzel etwa 15m ent­fer­nt. Die Hadz­abe zeigen uns wie es geht und tre­f­fen ihr Ziel mit höch­ster Präzi­sion, bek­ifft oder nicht. Alex macht zuerst ein paar Probeschüsse und stellt sich ganz gut an. Nun bin ich dran und naja, ein großer Jäger wird aus mir wohl nie wer­den. Klas­sis­cher­weise gehöre ich bei den Hadz­abe ja auch eher zu den Samm­lerin­nen.

An der Feuer­stelle am Baobab wird schon gegrillt. Es gibt eine Art Eich­hörnchen und einen Vogel. Das Eich­hörnchen wird aus­gewei­det und gehäutet. Die Innereien ist man anscheinend nicht. Das Fleisch wird nur ins Feuer geschmis­sen, bis es außen schwarz ist. Das Fleisch das durch ist, wird abge­bis­sen. Der rohe Rest wird weit­er gebrat­en.

Ein Tanz im Busch

Ein­er der ältesten des Stamms bindet sich Schellen an den Fuß und begin­nt zu tanzen. Die restlichen Krieger bilden einen Kreis um ihn und tanzen um ihn herum. Auch ein paar Frauen kom­men hinzu und zulet­zt auch wir. Rhyth­misch bewe­gen wir uns im Kreis vor­wärts, stampfen dabei mit den Füßen und tanzen Hand in Hand. Auf ein Kom­man­do wird sich gedreht. Alles fol­gt den Schellen und Gesang des Alten. Es sin­gen alle mit und sie scheinen Spaß daran zu haben.

Dann ist unser Besuch bei den Hadz­abe vor­bei und wir ver­ab­schieden uns fre­undlich von ihnen. Wir waren vielle­icht zwei Stun­den bei diesem Volk, diese waren aber sehr lehrre­ich. Ich kön­nte noch stun­den­lang hier bei ihnen bleiben und Teil von ihnen wer­den. Bevor wir fahren sehen wir noch wie ein Hadz­abe bei Elias Dol­lar von Touris­ten in tansanis­che Schilling tauscht. Das Geld hat auch hier­her seinen Weg gefun­den und wer weiß wie lange es ihre Jäger und Samm­lerkul­tur noch geben wird. Sie ver­di­enen Geld mit dem selb­st­gemacht­en Schmuck und Besuchen von Leuten von uns. Mit­tler­weile gehen sie auch ab und an in die Stadt um dort etwas zu kaufen — wie die Perlen für ihren Schmuck — und zu verkaufen. Einst trieben sie lediglich Tauschgeschäfte mit den Dato­ga und anderen Stäm­men der Gegend. Auch die Klei­dung ist neu. Heute leben noch etwa 300 Hadz­abe um den Lake Eyasi herum.

Die Datoga, das Volk der Schmiede

Wir fahren weit­er durch den Busch und kom­men nach einiger Zeit zu den Dato­ga, dem Nach­barstamm der Hadz­abe. Wir hal­ten vor einen dicht­en Wall aus Dor­nen­büschen, der des nachts zuge­zo­gen wer­den kann und somit Schutz für sich und ihre Tiere bietet. Im Gegen­satz zu den nomadis­chen Hadz­abe sind die Dato­ga sesshaft. Elias kündigt uns an und wir gehen in den Hof hinein. Dort ste­ht eine Frau in verzierten Led­er gek­lei­det und mit met­al­lenen Ringe an den Armen, eine der Frauen des Fam­i­lienober­haupts.

Wir befind­en uns in ein­er Zeit­mas­chine. Während die Kul­tur der Hadz­abe der der Steinzeit gle­icht, find­en wir uns bei den Dato­ga in der Bronzezeit wieder. Vom Jäger und Samm­ler haben sie sich zum Viehzüchter weit­er­en­twick­elt. Vom Data­go Stamm leben etwa noch 500 Leute auf diese Art. Neben der Viehzucht gehen sie dem Schmieden nach. Wir begrüßen uns mit einem “Suyu”. Das Haus ist ein Gerüst aus Ästen und Zweigen, die mit einem Gemisch aus Lehm und Dung ver­mörtelt ist. Auf dem Dach wach­sen Agaven.

Im Inneren ist es sehr dunkel. Wir set­zen uns auf eine Bank und beobacht­en wie eine jün­gere Frau mit zwei großen Steinen getrock­neten Mais zu Mehl mahlt aus dem sie später Brot back­en. Nun bin ich an der Rei­he und es klappt ganz gut. Ein kleines Kind hat Gefall­en an mir gefun­den und wir machen es zusam­men. Es kommt noch eine dritte ältere Frau mit vie­len Eisen­rin­gen in ihren Ohren dazu. Die drei ste­hen hin­ter mir und feuern mich mit Gesang und Klatschen an.

Feuer und Eisen

Wir ver­lassen das Haus wieder und kom­men zu dem was die Dato­ga aus­macht, denn sie sind Schmiede. Wir tre­f­fen den Her­rn des Haus­es. Er hat zwei Frauen und elf Kinder, die ältere Frau ist seine Mut­ter. Haji lässt dabei fall­en, dass diese wohl nicht zur Schule gehen. Er scheint für die Kul­tur dieser Völk­er nicht viel übrig zu haben. Für die meis­ten Tansanier sind sie ein­fach nur rück­ständig. Für uns sind sie lebendi­ge Tra­di­tion aus der Wiege der Men­schheit, Grund­lage unser­er heuti­gen Zivil­i­sa­tion.

Die Dato­ga sam­meln Met­allschrott und ver­ar­beit­en es zu Arm­bän­dern, Messern und Pfeilen, die sie z.B. mit den Hadz­abe tauschen. In ein kleines Pfän­nchen leg­en sie ein paar Met­all­stücke, stellen es in die Glut und bedeck­en es mit Kohle. Ein junger Mann betätigt zwei Blase­bälge aus Ziegen­led­er und facht die Glut an. Es dauert ein paar Minuten, dann räumt sein Brud­er die Kohle und die Glut zur Seite und das Met­all ist geschmolzen. Er gießt es in eine längliche Form und schreckt es mit Wass­er ab. Es entste­ht ein länglich­er Stift. Dieser ist jedoch noch sehr brüchig, weshalb er noch weit­ere drei Tage in einem anderen Ofen geglüht wird. Dann ist er bere­it zum Schmieden.

Der Vater verzieht ger­ade einen Arm­reif mit Punk­ten. Dann formt er ihn mit ein paar Ham­mer­schlä­gen und biegt ihn an einem Amboss zurecht. Sie zeigen uns die von ihnen hergestell­ten Gegen­stände. Arm­ringe, Pfeile, Löf­fel, Gabel und Mess­er, die es natür­lich alle zu erwer­ben gibt. Ich kaufe mir einen Arm­reif. Bei den Dato­ga bedeuten solche Arm­reifen an den Frauen, dass sie ver­heiratet sind. Ihr Mann schmiedet ihr einen solchen Arm­reif.

Zwiebeln soweit das Auge reicht

Dann ver­ab­schieden wir uns und fahren weit­er. Auf unserem Weg zurück kom­men wir an riesi­gen Zwiebelfeldern vor­bei, die ger­ade von Abeit­en abgeern­tet wer­den. Wir hal­ten und Haji kauft einen Sack. Die Preise für einen Sack Zwiebeln sind nicht viel bil­liger als in Deutsch­land. Die Preise für die Zwiebeln steigen und fall­en je nach Sai­son. Die Gegend muss für den Zwiebe­lan­bau ger­ade jet­zt in der Trocken­zeit stark bewässert wer­den, was dur­chaus zu Unmut in der Bevölkerung führt.

Als näch­stes hal­ten wir in Gho­ro­fani, der einzi­gen Stadt in der Gegend. An einem Essens­stand mumpfeln wir unsere Brotzeit­box und wir geben eine Runde Cola aus. Wir unter­hal­ten uns mit Haji über Tansa­nia. Er sagt, dass es zwar kosten­los ist die Schule zu besuchen, es aber zu wenige Schulen gibt. Wir ver­ab­schieden uns von Elias und den Schoko­laden­nachtisch mein­er Brotzeit schenke ich einem Jun­gen, der die ganze Zeit schon darauf star­rt und mich daraufhin glück­lich anlächelt. Bei der Heim­fahrt läuft uns ein Chamäleon über die Straße, das bere­itwillig für mich posiert. Was für ein faszinieren­der Tag!

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