Te Araroa: 17. Das Ende — Waikanae bis Koitiata

Posted: 31. August 2018

Allzu weit geht es für mich auf der Nordinsel nicht mehr, denn der Win­ter holt mich ein. Ich unternehme noch ein paar Ver­suche um die schlimm­sten Stellen herumzukom­men, aber so richtig sin­nvoll ist das nicht mehr. Ich fahre mehr als dass ich laufe. Das High­light ist mein Besuch bei Sal­ly und John im Makahi­ka Out­door Pur­suit Cen­tre.

20.05. Strandtag — Paekakariki bis Waikanae Beach

19,5 km / 4,5h / 188hm

Heute liegen “nur” 19km vor mir, was mich nach den let­zten etwas län­geren Tagen dur­chaus erfreut. Der Weg begin­nt im Queen Eliz­a­beth Park an dessen Anfang ich mich bere­its befinde und schließlich an den Strand, wo ein erhöhter Teer­weg ent­lang führt. Da ger­ade Flut ist, ist vom Strand selb­st momen­tan nichts zu sehen und die Gis­cht spritzt hin und wieder so hoch, dass sie mich sog­ar erre­icht. Das geht eine Weile so bis der Weg in abwech­sel­nd steinigeres Gelände oder weichen Sand über geht, da die Flut einen Großteil des Strands schluckt. Deshalb ver­lasse ich das Ufer in Rau­mati und wech­sel auf die Straße. Das ist zwar weniger schön, geht aber deut­lich schneller voran.

In Para­pa­rau­mu esse ich in einem Café zu Mit­tag und begebe mich dann wieder an den Strand, der hier nun deut­lich ein­fach­er zu bege­hen ist. Das Wass­er hat sich zurück gezo­gen und ich kann nun über den feucht­en, harten Sand bis nach Waikanae gehen. Den ganzen Tag kann ich die gegenüber liegende Insel Kapi­ti sehen, wo viele wilde Kiwis leben.

Schließlich folge ich dem Waikanae Riv­er bis zum Zelt­platz El Ran­cho, wo ich die heutige Nacht ver­bringe. Wieder ist kaum was los und es ist angenehm ruhig. So schaffe ich es heute sog­ar mal früher einzuschlafen als son­st.

21.05. Sprung — Waikanae Beach bis Waikanae & von Levin bis Makahika Outdoor Pursuit Centre

14,4km / 3h / 113hm

Da das Wet­ter in den berüchtigten Tararuas sehr schlecht aussieht und auch keine Besserung in den näch­sten Tagen ver­spricht entschließe ich mich diese Sek­tion zu über­sprin­gen. Das tue ich schw­eren Herzens, denn trotz­dem der Weg durch die alpinen Tararuas sehr hart sein soll ist es auch ein Erleb­nis, das zum Te Araroa ein­fach dazu gehört. Aber vor allem die Aus­sicht auf Schnee bis auf 900m, heftiger Regen und stark­er Wind hal­ten mich davon ab. Ich schließe mich auch mit anderen Wan­der­ern und Locals aus der her­vor­ra­gen­den TA Face­book Gruppe kurz, die mir alle dazu rat­en es sein zu lassen — vor allem alleine. Nach mein­er Erfahrung im Nel­son Lakes Nation­al­park bin ich gewarnt und traue den Ratschlä­gen.

Also laufe ich nur noch bis nach Waikanae hinein und nehme den Bus bis nach Levin. Die Strecke, die mich 70km in min­destens vier Tagen durch die Berge der Tararuas führen würde, fahre ich nun bequem in 24 Minuten. Schon ver­rückt.

In Levin kaufe ich für die näch­sten Tage ein, die mich durch die Wild­nis bis nach Palmer­ston North führen, und esse zu Mit­tag bevor ich mich auf den Weg mache. Mein heutiges Ziel ist das Makahi­ka Out­door Pur­suit Cen­tre, das wieder auf dem Trail liegt. Allerd­ings muss ich erst­mal 12km an der Straße ent­lang gehen um das Camp zu erre­ichen.

Die Straße ist wenig befahren, allzu span­nend ist es aber auch nicht. Haupt­säch­lich gehe ich durch Farm­land­schaft und an Schaf­sh­er­den vor­bei, der ein oder andere Trak­tor tuck­ert dabei an mir vor­bei. Etwa 4km vor meinem Ziel bietet mir eine Dame die Mit­fahrt an, die sich als Nach­barin vom Out­door Cen­tre her­ausstellt. Da sage ich nicht nein und bin so früher als geplant in Makahi­ka.

Sal­ly und John sind großar­tig und nach einem Tee weisen sie mir ein richtiges Zim­mer mit Bad zu. Schließlich laden sie mich noch zum Aben­dessen ein. Hunde und Katzen sitzen mit großen Augen vor uns in der Hoff­nung etwas abzubekom­men. Die Zeit bis dahin plane ich meine weit­ere Route, dusche, wasche und mache ein kleines Nick­erchen. Her­rlich, so ein Bett.

22.05. Ein weiterer Sprung — Vom Makahika Outdoor Pursuit Centre zurück nach Levin und weiter nach Palmerston North

Als ich gegen neun Uhr abmarschbere­it bin fängt es heftig an zu reg­nen. Ern­sthaft?! Ich warte also ab bis der Regen aufhört. Das dauert bis Mit­tag bis ich mich endlich auf den Weg machen kann. Allzu weit werde ich heute nicht kom­men, jeden­falls nicht die geplanten 25km bis Burt­tons Whare. Ich unter­halte mich noch mit John über den weit­eren Weg und die bevorste­hende Flussquerung. Er hält es für mach­bar, es wird aber sehr nass wer­den die näch­sten Tage.

Kurz nach­dem ich das Gelände von Makahi­ka ver­lasse tre­ffe ich auf den Nach­barn, der mir sehr davon abrät in den Wald zu gehen, vor allem wegen der Flussquerun­gen bei dem Wet­ter. Ich frage ihn ob er zufäl­liger­weise nach Levin fährt und ob er mich mit­nehmen kann und wir laden meinen Ruck­sack auf seinen Anhänger. Schnell merke ich, dass ich es hier mit einem absoluten Hin­ter­wäldler zu tun habe, wie ich schon von ihnen gehört habe.

Bish­er bin ich aber nur sehr offe­nen, gebilde­ten Neuseelän­dern begeg­net und kon­nte es kaum glauben, dass es solche Leute wirk­lich hier geben soll. Er war noch nie außer­halb von Neusee­land, has­st aber eigentlich jeglich­es andere Volk ohne ihnen je begeg­net zu sein. Er erweist sich als ras­sis­tisch, eng­stirnig und alt­modisch. Ich ärg­ere mich mich von so einem bee­in­flussen lassen zu haben und nicht ein­fach weit­er gegan­gen zu sein. Die ganze Fahrt nach Levin über lässt er mich an sein­er Mei­n­ung über die Welt teil­haben von der er ganz offen­bar keine Ahnung hat. Ich erzäh­le ihm ein wenig über meine Reisen und Deutsch­land und er staunt sehr darüber, dass in der Welt so viel Englisch gesprochen wird.

In Levin ver­ab­schieden wir uns voneinan­der und ich kehre in ein Café ein um mir einen Bus nach Palmer­ston North zu buchen. Die Zeit bis dahin vertrödel ich im Café. Dort ver­bringe ich dann die Nacht und den ganzen näch­sten Tag um das schlechte Wet­ter auszusitzen. Mehr als einkaufen und ins Man­awatu Muse­um gehen mache ich nicht. Mehr gibt’s in Palmer­ston North auch ein­fach nicht zu tun.

24.05. Der letzte Marsch — Bulls bis Koitiata

19,42km / 4h / 324 hm

Da die Sek­tio­nen von Palmer­ston North bis Bulls nur Road Walk­ing sind, entschei­de ich mich diese Strecke mit dem Bus zu bewälti­gen um von Bulls aus weit­erzu­laufen. Der Wet­ter­bericht ver­spricht keine große Verbesserung, aber da er mich gestern schon rein­gelegt hat und es in Palmer­ston North auch abso­lut nichts zu tun gibt, mache ich mich ein­fach auf den Weg. Selb­st wenn es reg­net sollte es auf dem Weg, der an Straße und Strand vor­bei führt, kein Prob­lem wer­den.

Von Bulls aus heißt es erst­mal wieder Road Walk­ing für etwa 18km. Nach 6km bekomme ich einen Hitch in einem LKW, der mich bis zur Abzwei­gung des Trails in den Wald hinein mit­nimmt. So spare ich mir ein gutes Stück auf der Straße. Im Wald kom­men mir zwei Rad­fahrer ent­ge­gen mit denen ich mich kurz unter­halte.

Es geht etwa eine Stunde durch den Wald bis ich den Strand erre­iche. Zuerst fängt es jedoch an heftig zu reg­nen, weshalb ich mir Schutz unter den Bäu­men suche bis das Schlimm­ste vor­bei ist. Danach geht der Weg in eine riesige Pfütze über. Rechts und links vom Weg find­et sich Sumpf, es gibt also keinen Weg um nasse Füße herum. Ich stapfe durch das was man eigentlich schon als Teich beze­ich­nen kann bis ich durch die Dünen hin­durch das Meer erre­iche.

Hier läuft es sich eine Weile ganz angenehm. Das Meer ist stür­misch und die Wellen schla­gen wild schäu­mend auf den Strand ein. Hin und wieder liegen Treib­holz und verkrüp­pelte Bäume pit­toresk im Sand. Nach ein­er Weile fängt der näch­ste Regen­schauer an und dies­mal werde ich pitschnass. Hier am Strand gibt es keine Möglichkeit sich zu ver­steck­en. Der Gegen­wind sorgt zusät­zlich dafür, dass mir der Regen direkt von vorne ent­ge­gen kommt. Immer­hin bleibt so mein Hin­tern trock­en.

Nach ein­er Weile ist der Regen vor­bei und ich kann auch wieder meinen Kopf hochnehmen um zu sehen wie es um mich herum aussieht ohne einen Schwall Wass­er ins Gesicht zu bekom­men. Der Wind bläst mir die Sachen wieder trock­en und begleit­et mich bis nach Koiti­a­ta.

Zuerst gilt es noch einen kleinen Fluss zu über­winden, der in das Meer fließt, und meine Schuhe aber­mals befeuchtet. Später fol­gt eine Lagune an der ich rechts vor­bei gehe, aber auch hier geht der Weg immer wieder in große Pfützen über. Schließlich führt mich der Weg das let­zte Stück wieder durch Teich­land­schaft, denn der Pfad ist hoff­nungs­los über­flutet. Ich komme kurz vor dem näch­sten Regen­schauer im Camp in Koiti­a­ta an, ziehe mir trock­ene Sachen an und mache ein Nick­erchen.

Erst danach, als ich zum Aben­dessen überge­hen will, stelle ich fest, dass mein Topf nicht da ist wo er hinge­hört. Offen­bar habe ich ihn im Hos­tel liegen gelassen. Nicht mein Tag. Ich beg­nüge mich also mit Baguette, Käse und sauren Gum­migeti­er. Die Nacht über wütet ein Gewit­ter und stark­er Regen, was mich immer wieder aufweckt.

25.05. Die Entscheidung — Von Koitiata zurück nach Palmerston North und weiter nach Wellington

Auch mor­gens reg­net es immer wieder, weshalb ich mein Zelt nass ein­pack­en muss. Früh­stück fällt wegen fehlen­dem Topf aus. Nach 800m auf der Straße im Niesel­re­gen hält das erste Auto an und wie es der Zufall will bis nach Palmer­ston North. DIE Gele­gen­heit um meinen Topf wieder zu holen. In Palmer­ston North hole ich meinen Topf ab und denke darauf rum wie es weit­erge­hen soll. Erst am Mon­tag soll sich das Wet­ter bessern und von meinem Fahrer erfahre ich, dass in Nation­al Park beim Ton­gariro Nation­al­park einen Haufen Schnee gefall­en ist. Der Teil fällt also erst­mal aus.

Kurz­er­hand entschei­de ich mich nach Welling­ton zurück­z­u­fahren und besteige den näch­sten Bus dor­thin. Aus­tralien wird immer ver­lock­ender. Hier werde ich nicht mehr weit kom­men, höch­stens der Nor­den wäre noch eine Option. Am Ende entschei­de ich mich es für dieses Jahr gut sein zu lassen und nach Aus­tralien zu fliegen.

 

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