Te Araroa: 12. Den Flüssen folgend — Arthur’s Pass bis Boyle Village

Posted: 24. August 2018

Der Abschnitt über den Harp­er Pass Track führt uns in das Tara­makau Val­ley und über den Harp­er Pass am Hurunui Riv­er ent­lang. Wir erre­ichen Lake Sum­n­er und set­zen unseren Weg auf dem Hope Kiwi Track fort der uns am Hope und Boyle Riv­er bis nach Boyle Vil­lage führt. Der Weg ist also geprägt von Flüssen, deren Ver­läufen wir fol­gen.

01.04. Ein dichter Wald — Morrison Footbridge bis Locke Stream Hut

24,5km / 7,5h / 361hm

Das Hitchen klappt heute mor­gen deut­lich bess­er als gestern. Bere­its das erste Auto hält an und wir haben sog­ar noch Zeit eine heiße Schoko­lade und Cook­ies zum Mit­nehmen im Café zu holen während unser Fahrer tankt und sich einen Kaf­fee holt. Er ist Bel­gi­er und wan­dert auch viel durch Neusee­land und da er gestern auch so lange auf einen Hitch gewartet hat, hat er sich gedacht, dass er heute die erst­besten mit­nimmt. Und das sind nun­mal wir!

Um kurz vor 10 Uhr ste­hen wir an der Mor­ri­son Brücke, wo wir gestern raus sind. Die ersten Meter ken­nen wir ja schon. Heute ist es aber deut­lich angenehmer. Bald erre­ichen wir den Wald und den Flood Track, der zwar gut markiert ist, aber extrem schlecht geformt. Es geht durch dicht­es und fast jeglich­es Son­nen­licht aus­per­ren­des Unter­holz. Wir kämpfen mit Veg­e­ta­tion, umgestürzten Bäu­men, Steinen und matschi­gen Boden. Ohne Markierun­gen wäre es völ­lig unmöglich den “Pfad” zu erken­nen. Wir sehen dabei allerd­ings mehrere Wekas im Laub wuseln.

Zwis­chen­durch gehen wir nach unten zum Fluss hin­aus um es dort weit­er zu ver­suchen, aber schon bald schlän­gelt sich der Fluss so nah am steil abfall­en Wal­drand, dass man ihn schon queren müsste um weit­er zu kom­men. Am Rand des Flusses wird es auch bald zu tief und somit die Strö­mung zu stark.

Wir gehen also wieder hoch in den Wald und fol­gen weit­er dem Dschun­gelp­fad. Atmo­sphärisch ist das schon, das Vorankom­men aber langsam und müh­selig. Die näch­ste Gele­gen­heit nutzen wir um wieder zum Fluss hin­unter zu gehen und hal­ten uns von nun an am Fluss, was deut­lich schneller geht — trotz ein­er Über­querung hier und da.

Dann zieht der Weg nach rechts in das Tara­makau Val­ley hinein, das dem gle­ich­nami­gen Fluss fol­gt. Die Markierun­gen erscheinen hier nur spo­radisch und ver­schwinden eben­so plöt­zlich wieder wie sie aufge­taucht sind. Wir suchen uns also meist unseren eige­nen Weg, viele Male den Tara­makau Riv­er querend. Da heute Son­nen­schein ange­sagt ist, macht das auch nicht viel aus. Meist laufen wir über Steine im Fluss­bett, manch­mal über mit Steinen durch­set­zte Wiesen, immer dem Ver­lauf des Tara­makau Rivers fol­gend, was die Ori­en­tierung leicht macht.

Das Ganze dauert jedoch eine gefühlte Ewigkeit bis wir endlich die let­zten paar hun­dert Meter in den Wald ein­tauchen um kurz darauf zur Locke Stream Hut zu gelan­gen, eine große Hütte ganz für uns allein. Bengt zeigt mir wie man Feuer macht und so machen wir es uns gemütlich.

02.04. Der Hot Pool — Locke Stream Hut bis Hurunui Hut

26,5km / 8h / 823hm

Wir ste­hen ver­hält­nis­mäßig früh auf und nach dem üblichen Por­ridge Früh­stück brechen wir auf. Heute fol­gen wir dem Harp­er Pass Track, der uns bis zum Lake Sum­n­er führt.  Zuerst geht es nach einem kurzen Wald­stück wieder am Fluss ent­lang. Eine Hänge­brücke bringt uns trock­e­nen Fußes über den Tara­maku Riv­er. Nützt uns trotz­dem nicht viel, denn zahlre­iche kleinere Seit­en­flüsse und Matsch­pfützen sor­gen für die gewohnte Feuchtigkeit in den Schuhen.

Bald steigt der Weg steil an und bringt uns zum Harp­er Pass auf 962m, der tief in den Wolken liegt. Dementsprechend zap­fig ist es als wir oben ankom­men. Zum Ver­weilen lädt das nicht ger­ade ein, zumal die Aus­sicht auch gle­ich null ist. Auf der anderen Seite geht es wieder hin­unter und nach ein paar Flussquerun­gen erre­ichen wir das Harp­er Pass Bivouac.

Von hier zieht sich der Weg nun abwech­sel­nd durch Wiesen- und Waldgelände bis zur Camerons Hut, ein­er kleinen Blech­hütte. So geht es weit­er bis wir eine Brücke erre­ichen, die nur aus drei Draht­seilen beste­ht. Über diese Brücke bal­ancieren wir über den darunter befind­lichen Fluss, der tat­säch­lich momen­tan gar nicht tief ist. So gin­ge es wohl schneller ihn ein­fach zu durch­wa­t­en, aber das Über­schre­it­en der Brücke ver­spricht mehr Aben­teuer. Von diesen Brück­en gibt es nicht mehr viele in Neusee­land, somit von his­torisch­er Bedeu­tung. eine wack­e­lige Angele­gen­heit, man fühlt sich wie im Hoch­seil­gar­ten, nur ohne Sicherung.

Nach ein­er Weile erre­ichen wir dann die Hurunui No. 3 Hut wo wir Mit­tagspause machen. Auch die Sand­fliegen, die hier hausen, haben mit uns ihr Mit­tagessen serviert bekom­men. Es sind nur 10km bis zur näch­sten Hütte und wir beschließen noch weit­er zu gehen. Der Weg führt uns größ­ten­teils durch den Wald, wo uns Fäch­er­schwänze immer mal wieder ein Stück weit begleit­en. Auch Keas höre ich, kann sie aber nicht sehen.

Nach 5km erre­ichen wir eine heiße Quelle mit­ten im Wald. Ein klein­er Wasser­fall speist eine kleine Gumpe mit heißem Wass­er und wir genießens iet langem mal wieder ein Bad. Die SAnd­fliegen mögen den Ort allerd­ings auch, sog­ar sehr, was den Genuss etwas min­dert. Vor allem beim Anziehen danach wobei mich dutzende gle­ichzeit­ig belagern. Von hier aus ist es nun nicht mehr weit bis zur Hurunui Hut, dem heuti­gen Ziel. Die Hütte ist schon gut gefüllt aber dafür warm vom Holzfeuer im Ofen.

03.04. Zum Lake Sumner — Hurunui Hut bis Hope Kiwi Lodge

19km / 5,25 h / 555hm

Früh am Mor­gen weckt uns ein Gewit­ter, das starken Regen mit sich bringt. Nichts­destotroz beruhigt sich das Wet­ter schnell wieder und nur noch leichter Regen geht draußen nieder während wir unser Früh­stück ein­nehmen. Da wir gle­ich in den Wald ein­tauchen ist das biss­chen Regen nicht drama­tisch und der Aus­blick gen Nor­den ver­spricht auch Besserung.

Nach ein­er hal­ben Stunde erre­ichen wir eine Hänge­brücke, die uns glück­licher­weise über die angeschwol­lenen braunen Fluten des Hurunui Rivers bringt. Anson­sten wäre hier heute kein Durchkom­men möglich. Wir gelan­gen in offenes Wiesen­gelände, wo ordentlich Wind geht bis wir die andere Seite und somit den schützen­den Wald erre­ichen. Atmo­sphärisch durch Regen­schleier und Son­nen­schein, der auf die Berge und den See fällt. Auf der anderen Seite ein Regen­bo­gen. Wir ver­lassen den Harp­er Pass Track hier um auf den Hope Kiwi Track zu wech­seln.

Das Durchkom­men im bald fol­gen­den Wald erweist sich als müh­sam, da zahlre­iche umgestürzte Bäume den Weg block­ieren. Wir müssen uns einen Weg drum herum suchen und stapfen dabei durch Matsch­pfützen und krax­eln über oder unter Baum­stämme und -ästen. Nach dieser Sek­tion geht es dann bergauf bis zum Kiwi Sad­dle und seinem Look­out, der ein biss­chen Aus­sicht auf den von Bergen umrahmten Lake Sum­n­er bieten, an dem wir heute ent­lang gehen, aber von ihm selb­st nicht viel sehen.

Von hier geht es nun auf der anderen Seite wieder hin­unter und vom Wald wieder in offenes Wiesen­gelände über das wir zur großen Hope Kiwi Lodge gelan­gen. Michael und sein Brud­er kom­men kurz nach uns hier an. Ein großer Stapel Holz liegt bere­its um wohlige Wärme zu erzeu­gen. Kalt war es heute trotz Regen nicht. Nicht mal eine Regen­hose war in dem feinen Niesel­re­gen nötig und die Regen­jacke nur außer­halb des Waldes. So kann ich mit Regen­t­a­gen gut leben, wenn ich nicht bis auf die Knochen durch­nässt werde.

04.04. Ein Stück Zivilisation — Hope Kiwi Lodge to Boyle Village

29km / 7,5h / 634hm

Die Mor­gen­sonne ent­flammt die Berge und den Him­mel. Diese Far­b­ex­plo­sion währt jedoch nur wenige Augen­blicke. Eine län­gere Strecke liegt heute vor uns. Anfangs führt sie durch Wald und immer am Hope Riv­er ent­lang, dem wir nur hin und wieder zwis­chen den Bäu­men erblick­en. Zahlre­iche Vögel begleit­en uns auch heute, eben­so wie die Sand­fliegen.

Wir erre­ichen die Hope Halfway Hut auf ein­er Wiesen­fläche nahe des Flusses, wo wir eine kurze Pause machen und es uns von Sand­fliegen beißen lassen. Weit­er geht’s im Wald, der sich hin und wieder mit offe­nen Wiesen­flächen abwech­selt. Bald geht es dann bergab in das Tal vom Boyle Riv­er. Von hier kön­nten wir auf die Straße gehen oder die restlichen 10km auf dem Tui Track weit­erge­hen.

Wir entschei­den uns für let­zteres, da es nie schön ist am High­way zu laufen, auch wenn der Tui Track Flussquerun­gen erfordert. Am Anfang geht der Tui Track auch ganz schön hoch und wieder runter bis wir den Doubt­ful Riv­er erre­ichen, der ein­fach zu durch­wa­t­en ist.

Von hier geht es eine Weile am Boyle Riv­er ent­lang und hin und wieder durch Sumpfland­schaften. Ein­mal sinken wir kni­etief in ein übel­riechen­des Gewäss­er ein, dessen weich­er Unter­grund beim unvor­sichti­gen Betreten noch mehr von unseren Beinen  zu ver­schlin­gen dro­ht. Die let­zte Her­aus­forderung des Tages ist die Querung des Boyle Rivers, dessen ober­schenkeltiefes Wass­er eine über­raschend starke Strö­mung aufweist.

Das let­zte Stück führt uns dann an der Straße ent­lang bis zur Abzwei­gung nach Boyle und dem Riv­er Out­door Edu­ca­tion Cen­tre, wo wir unser Paket hingeschickt haben. Natür­lich hat kein­er meine E-Mail ode Nachricht­en erhal­ten, aber an unser Paket und eine neue Gas­flasche — dies­mal sind wir vor­sichtiger mit dem Gas — kom­men wir trotz­dem. Ein Bett kön­nen wir nicht mehr ergat­tern, aber eine 5$ Dusche, die bit­ter nötig ist. Wir schla­gen unser Zelt auf dem DOC Zelt­platz gegenüber vom Zen­trum auf, wo wir heute eine große Por­tion Nudeln und Nachtisch kochen.

Hier geht’s zum 13. Teil — Boyle Village bis St Arnaud

Te Araroa: 13. In den Nel­son Lakes Nation­al­park – Boyle Vil­lage bis St Arnaud

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