Te Araroa: 6. Der Motatapu Track — Queenstown bis Wanaka

Posted: 23. August 2018

Die Strecke nach Wana­ka führt uns über den anspruchsvollen Motat­a­pu Track. Ange­fan­gen bei der Geis­ter­gold­gräber­stadt Mace­town führt uns der Track hin­auf in die Berg­land­schaft über­halb von Wana­ka. Steile Anstiege und viele Fluss­durch­querun­gen erwarten uns, aber eben­so bildge­waltige Aus­blicke.

01.03. Zuviel Straße — Queenstown bis Arrowtown

28,5km / 6,5h / 375hm

Mir war vorher schon klar, dass das heute keine High­lightroute wird. Der Mor­gen begin­nt mit Regen und die Moti­va­tion den heuti­gen Abschnitt zu starten ist dementsprechend auf einem Tief­punkt. Bald hört es jedoch auf zu reg­nen und wir nutzen diesen Umstand als Startsig­nal. Ist ja auch schon fast Mit­tag.

Anfangs fol­gen wir dem Lake Whakatipu bis nach Frank­ton, wo wir am Queen­stown Flughafen vor­bei kom­men. Hin und wieder ver­laufen wir uns etwas, weil wir nicht richtig auf­passen und so machen wir noch einen Schlenker durch das Neubauge­bi­et “Shotover Coun­try”, das direkt in der Ein­flugschneise liegt. Hier sieht es aus wie in ein­er amerikanis­chen Serie, die im Vorstadt­ge­bi­et spielt. Wohnen in der Wen­de­schleife, gepflegte Vorgärten, hüb­sche neue Häuschen mit Garage.

Ein weit­eres Gebi­et, das genau­so aussieht aber immer­hin nicht mehr direkt in der Ein­flugschneise liegt erre­ichen wir mit “Hayes Estate”, das nicht weit vom Lake Hayes liegt. Diesen gehen wir bis zu seinem Nor­dende ent­lang um dann über Straßen nach Arrow­town zu gelan­gen. Hier gibt’s noch mehr let­zte Auf­stiege zu über­winden bis wir mit schmerzen­den Füße am Camp­ing­platz ankom­men.

Der ganze Tag war extrem schwül und dementsprechend kle­brig sind wir. Immer­hin hat es nur hin und wieder leicht genieselt. Trotz­dem mag ich kaum noch laufen. Ins Stadtzen­trum ist es mir zu zweit, aber der 4Square ist ums Eck. Also gibt’s Nudeln in Tomaten­sauce und die Dusche kommt mor­gen dran. Die Füße tun immer viel schneller weh wenn man auf har­ter Teer­straße bzw. — wegen läuft als auf schönem weichen Boden. Mein linkes Wadel zickt außer­dem rum.

02.03. Big Hill Track — Arrowtown bis Macetown

13km / 5h / 914hm

Heute begin­nt der Motat­a­pu Track — über den Big Hill nach Mace­town. Nur 13km ste­hen auf dem Pro­gramm, allerd­ings mit einem steilen Anstieg. Außer­dem kom­men wir mal wieder etwas spät los. Wir sind noch auf die Suche nach ein­er Gaskar­tusche, aber in ganz Arrow­town scheint es keine zu geben. All­ge­mein scheint die Stadt nicht sehr TA fre­undlich zu sein. Es gibt genau zwei Back­coun­try Cui­sine Gerichte im 4Square und so nett wie in den den meis­ten Orten wer­den wir nicht emp­fan­gen.

Nach­dem wir durch das Zen­trum der alten Gold­gräber­stadt laufen, die ganz auf West­ern gemacht ist, gelan­gen wir in das Bush Creek Reserve von wo es dann schnell steil bergauf geht — auf dem Big Hill Track, der uns bis auf den Sat­tel auf 1.032m führt. Erst wach­sen riesige wie Pfannkuchen ausse­hende Pilze am Weges­rand, dann Unmen­gen von Fliegen­pilzen in exor­bi­tan­ten Größen. Außer­dem begeg­nen wir vie­len Eidech­sen, die bei unserem Näherkom­men weg­wuseln.

Mein linkes Wadl ziept heute enorm, was mir den Auf­stieg nicht leicht macht. Außer­dem ist es unglaublich heiß bzw. schwül heute und der Schweiß tropft mir vom Gesicht. So machen wir einige kurze Ver­schnauf­pausen in denen wir den Blick auf Berge und hin­unter nach Arrow­town und Lake Hayes genießen. Immer wieder gibt es flachere Abschnitte bei denen wir zu Atem kom­men kön­nen bevor wieder das näch­ste steile Stück anste­ht. Dann haben wir es geschafft und wir ste­hen auf dem Sat­tel. Die let­zten 100 Höhen­meter zum Gipfel lasse ich mir natür­lich nicht nehmen und leicht und frei hüpfe ich ohne Gepäck auf den Big Hill von dem wir bis zum Lake Whakatipu blick­en kön­nen.

Dann geht es steil durch Wiesen­hänge wieder hinab und in ein Flusstal. Drei Tage TA ohne nasse Füße sind offen­bar zu viel ver­langt und hier holen wir uns dann bei Flussüber­querun­gen die klas­sis­chen nassen Füße. Der Weg fol­gt nun den dem Flus­sufer und mei­det durch Anstiege am Hang ent­lang weit­ere Flussquerun­gen. Dafür gibt’s halt extra Höhen­meter.

Kurz darauf erre­ichen wir Mace­town, die Gold­gräber Geis­ter­stadt. Nur noch zwei Häuser sind erhal­ten und restau­ri­ert, anson­sten ist nicht viel zu sehen. Wun­der­schöne lila und rosa Blu­men wach­sen am Flus­sufer. Außer­dem wer­den wir schon wieder von Sand­fliegen umschwirrt. Wir queren noch ein­mal den Fluss und suchen uns dann ein schönes Plätzchen auf der anderen Seite.

Eine Feuer­stelle ist sog­ar bere­its vor­bere­it­et und wir find­en auch ein wenig Äste in der näheren Umge­bung. Nicht etwas, dass uns kalt wäre — im Gegen­teil. Aber da unsere Gaskar­tusche nicht mehr viel hergibt, nutzen wir das Feuer zum Essenkochen. Die Sonne bren­nt nach wie vor und ich nehme ein Bad im Fluss. Ich liege im son­nenbeschiene­nen Konz­ert Gras, lausche dem Wasser­plätsch­ern des Flusses, Fliegen sum­men um mich herum, die heiße Schoko­lade dampft neben mir.

Das einzige Prob­lem hier sind die Unmen­gen an Sand­fliegen, die uns mal wieder befall­en. Lange Sachen sind der einzige wirk­same Schutz, trotz war­men Son­nen­scheins. So ist das mit den schö­nen Plätzchen in Neusee­land — immer so eine Sache. Meist hat man die Rich­tung ohne die Biester gemacht.

03.03. Ein Tag im Fluss — Macetown bis Roses Hut

13km / 5h / 600hm

Sand­fliegen warten schon auf uns als wir aufwachen. Es hat nachts gereg­net, weshalb das Zelt nass ist. Wir pack­en nur schnell alles zusam­men und flücht­en. Allerd­ings in die falsche Rich­tung bzw. dem falschen Fluss fol­gend. Also nach 870m wieder umgekehrt. Der Weg fol­gt heute dem Arrow Riv­er bzw. führt durch ihn hin­durch. Die Alter­na­tive für hohen Wasser­stand ist ein Weg, der ober­halb des Flusses ent­lang führt.

Ein­fach­er soll der Weg durch den Fluss ein, also fol­gen wir dieser Empfehlung. Anfangs queren wir den Fluss dutzende Male, von ein­er Seite zur anderen, wo der Weg jew­eils weit­er führt. Irgend­wann wird es schwierig an der Seite des Flusses zu gehen, weil entwed­er dor­nen­be­wehrte Büsche oder steile Hänge uns davon abhal­ten. Also gehen wir ein­fach durch den Fluss hin­durch. Am Rand find­en sich meist Stellen, die nicht tief sind und somit keine starke Strö­mung haben. Allzu schnell ist die Vari­ante sich stro­maufwärts durch den Fluss zu kämpfen freilich nicht, aber sehr erfrischend. Für diesen Abschnitt tra­gen wir unsere neuen San­dalen aus Te Anau, die super funk­tion­ieren und sog­ar  Halt auf nassen Felsen bieten. Wir früh­stück­en auch zwis­chen­durch am Fluss, da uns die Sand­fliegen heute mor­gen ähn­lich­es gründlich ver­lei­det haben.

Nach 5km erre­ichen wir die Stelle an der die zwei Vari­anten sich vere­ini­gen und wir den Fluss ver­lassen um nun den Tage­sanstieg von 600 Höhen­meter zu bewälti­gen. Über zwei Kilo­me­ter geht es steil durch Tus­sock­gelände hin­auf in die Berge und auf den Ros­es Sad­dle auf 1.270m. Die Wolken ziehen rasend schnell hin­durch. Auf der anderen Seite kön­nen wir in ein grünes Flusstal mit umrah­menden Bergen blick­en. Nun gilt es steil abzusteigen. Nun gilt es steil abzusteigen. Die Hütte sehen wir schon früh von oben, ist allerd­ings noch so klein wie ein Pup­pen­haus. Ich würde so gern ein­fach bergab ren­nen, aber mit dem Gepäck unmöglich. So schle­ichen wir den Berg hin­unter an dessen Fuß wir die Ros­es Hut erre­ichen. Die 12 Plätze der Hütte sind mit uns voll und ein Zelt ste­ht draußen.

04.03. Steile Aufstiege, große Aussichten — Roses Hut bis Highland Creek Hut

11km / 5h / 1.095hm

Heute ist der bish­er härteste Tag der Route. Zwei Anstiege liegen vor uns, die uns bei­de jew­eils auf 1.200m brin­gen. Schnat­ternde Enten fliegen über uns hin­weg als wir uns auf den Weg machen. Dann ste­hen wir bere­its vor dem ersten Anstieg des Tages. Schnell stellt sich her­aus, dass meine Waden mir das Leben heute schw­er machen wer­den. Wie immer ist es unglaublich steil und ich kann nur auf dem Vorder­fuß steigen, weil die Waden son­st zu sehr schmerzen.

Dafür haben wir wun­der­bare Blicke auf die Täler rechts und links von uns. Von oben kön­nen wir sog­ar bis auf den in der Ferne blau schim­mern­den Lake Wana­ka sehen. Auf jeden steilen Auf­stieg fol­gt ein steil­er Abstieg auf der anderen Seite, der uns schließlich in ein Wäld­chen voller Fliegen­pilze, manche bes­timmt 20cm im Durchmess­er, führt. Von hier geht es nun wieder steil hin­auf, aber­mals auf 1.200m.

Wir nutzen die Markierungsstäbe stets als kurze Ver­schnauf­pause und so näh­ern wir uns müh­sam dem Sat­tel. Den höch­sten Punkt markiert ein Stab mit Taucher­maske und einem Paar ural­ter Schuhe. Von nun an geht es in ein­er Querung am Hang ent­lang bis hinüber zu einem Kamm auf dem wir absteigen. Weit­er geht es dann auf der anderen Seite des Kamms in das bish­er vor uns ver­bor­gene Tal. Es geht steil hin­unter bis wir eine Über­raschung vor uns haben.

Die Hütte liegt zum Greifen nah, aber ein steil­er Abstieg und weit­er­er Gege­nanstieg liegen noch dazwis­chen. Ern­sthaft?! Denken wir nur. Es hil­ft alles nichts und wir steigen hinab, erst­mal nur auf den näch­sten Schritt konzen­tri­ert. Dann geht es steil hin­auf und wieder ein Stück hin­unter zu einem Bach. Dann fol­gt der finale Anstieg zur Hütte, die wir erschöpft erre­ichen. Heute gehen wir nicht mehr weit­er, so viel ist klar.

05.03. Steil geht’s weiter — Highland Creek Hut bis Glendhu Bay

16km / 6h / 675hm

Heute liegen weniger Höhen­meter vor uns und dann geht’s nur noch hinab, weshalb wir entschei­den weit­er bis nach Glend­hu Bay zu gehen. Der Tag begin­nt mit einem weit­eren steilen Auf­stieg zum Jack Hall’s Sad­dle auf 1.276m in 3 Stun­den und 3km bis es hinab zur Fern Burn Hut geht. Dort machen wir Mit­tagspause bevor es weit­er hinab geht. Erst im steti­gen Auf und Ab, dann durch Wald und dann idyl­lis­ches offenes Flussgelände, das keine Hin­weis auf die hin­ter uns liegende harte Strecke gibt. Von hier aus laufen wir noch ein Stück auf staubiger Schot­ter­straße bis zum High­way. Nur kurz gehen wir an der Straße ent­lang bis wir die Glend­hu Bay Camp­site erre­ichen. Dort gön­nen wir uns ein Bad im See mit allen Sachen um uns den Schweiß der let­zten Tage abzuwaschen. Lei­der gibt es hier kein Restau­rant, das große Fressen muss also warten. Ein Eis gibt’s aber trotz­dem.

06.03. Am Lake Wanaka entlang — Glendhu Bay bis Wanaka

15,3km / 3h / 253hm

Heute wan­dern wir im seicht­en Auf und Ab am See ent­lang. Dabei haben wir schöne Aus­blicke auf Lake Wana­ka, heute ist es aber bewölkt. Kurz vor Wana­ka begin­nen Regen­schauer und wir laufen so schnell wie möglich um den Camp­ing­platz zu erre­ichen und im Trock­e­nen zu sein. Wir haben weise im Voraus eine Cab­in gebucht — trock­en! Wir warten, dass der Regen aufhört, und gehen dann zum Burg­er essen und Einkaufen über. Abends gehen wir nochmal zu Foodtrucks raus um Tacos, Dumplings und Crepes zu ver­putzen. Nom nom! Abgenom­men habe ich bish­er jeden­falls nicht.

Mor­gen gibt es einen weit­eren Pausen­tag mit lange Schlafen, Brunch im Café und Fallschirm­sprin­gen für Bengt, wobei ich wohl aufgeregter bin als er.

Hier geht’s zum siebten Teil — Wanaka bis Ohau

Te Araroa: 7. Tief­blicke auf Lake Hawea – Wana­ka bis Ohau

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