Te Araroa: 5. Die wunderschönen Mavora Lakes — Te Anau bis Queenstown

Posted: 23. August 2018

Der Teil von Te Anau nach Queen­stown führt uns über die Berg­land­schaft der Mavo­ra Lakes. Nach­dem es uns einen Tag ordentlich durch­nässt ist die Etappe pur­er Genuss. Ein­fach zu gehen und zwis­chen Seen und Flüssen, die zum Baden ein­laden. Wun­der­schöne Hüt­ten bieten per­fek­te Orte zum Entspan­nen. 

24.02. Eine lange Straße — Te Anau bis 3km vor Kiwi Burn Hut

23km / 4,5h / 337hm

Mit dem TrekNet Bus fahren wir zum Trail zurück. Die Mavo­ra Lakes Road führt 37km zum North Mavo­ra Lake, dem morgi­gen Ziel. Wir laufen zuerst auf dieser Schot­ter­straße ent­lang. Im Som­mer ist der Camp­ing­platz am North Mavo­ra Lake recht beliebt und es kom­men ver­hält­nis­mäßig viele Autos und Motor­räder an uns vor­bei. Dadurch ist es sehr staubig. Manche sind nett und fahren langsam an uns vor­bei, andere wiederum hin­ter­lassen uns in ein­er dick­en Staub­wolke. Nach 10km kön­nte man die Straße ver­lassen und am Fluss weit­erge­hen, was allerd­ings recht müh­sam sein soll. Das Gras ist hoch und der Weg nicht immer ein­deutig. Wir gehen also weit­er an der Straße ent­lang, für weit­ere 10km. Nach vier Stun­den ist das dann ganz schön lang­weilig. Schafs-, Kuh- und Rüben­felder wech­seln sich ab und bis auf ein gele­gentlich vor­bei rauschen­des Auto passiert eigentlich nichts.

Wir beschließen es also doch mal Rich­tung Fluss zu ver­suchen, denn Access Points für Fis­ch­er in regelmäßi­gen Abstän­den lassen es zu immer wieder zum Fluss zu gelan­gen. Am Fluss stellt sich recht schnell her­aus, dass es keine so gute Idee war. Wir kom­men nun deut­lich langsamer voran. Zwis­chen dem hohen Gras müssen wir uns durch dornige Sträuch­er kämpfen, die uns kom­plett zerkratzen. Immer­hin kann ich einige Wies­en­champignons auf dem Weg ein­sam­meln um unser Aben­dessen anzure­ich­ern. Nach nicht allzu langer Zeit wer­fen wir das Hand­tuch und wählen einen guten Zelt­platz am Flus­sufer. Unsere Nudeln gibt’s heute mit frischen Pilzen und mit Knoblauch, was man ja schon direkt als Kochen beze­ich­nen kön­nte.  

25.02. Ein nasser Geburtstag — 3km vor Kiwi Burn Hut bis Mavora Lake Campsite

20,5km / 5h / 502hm

Heute ist mein Geburt­stag, der Tag ver­läuft aber alles andere als opti­mal. Genau genom­men wird es der bish­er schlecht­este Tag auf dem Trail. Die ganze Nacht hat uns der Sturm wachge­hal­ten, der schlimm­ste Wind den ich je in diesem Zelt erlebt habe. Laut weht er uns das Zelt um die Ohren. Irgend­wann in der Nacht sind zwei Heringe aus­geris­sen, weshalb das Zelt insta­bil wurde und uns mit jed­er Sturm­böe ver­prügelt hat. Am Abend war noch nichts davon zu spüren.

Auf Früh­stück verzicht­en wir, da es zu windig ist. Wir pack­en schnell alles zusam­men und marschieren los bis wir zu einem Fluss kom­men, den wir eigentlich über­queren sollen, wozu aber kein­er von uns Lust hat. Wir gehen also weit­er über die Wei­de und leg­en Früh­stückspause ein.

Schließlich müssen wir doch noch den Fluss über­queren und bekom­men nasse Füße, was sich später aber ohne­hin nur als Beginn eines nassen Tages her­ausstellen soll. Wir kom­men bei ein­er Hänge­brücke an über die wir den Fluss zwar trock­e­nen Fußes über­queren kön­nen, es aber von hier an nur noch reg­net. Am Anfang nieselt es nur und wir ver­schwinden schnell im Wald, wo es noch angenehm ist. Schnell stellt sich her­aus, dass dieser Regen nicht vor hat aufzuhören und wir leg­en die Regen­klei­dung an. Nur die Regen­hose lasse ich weg, was sich mal wieder als Fehler her­ausstellen soll. Offen­bar kann man nie vor­sichtig genug sein was die Regen­hose ange­ht. Eines Tages lerne ich das vielle­icht auch noch. Wer weiß wie viele Kilo­me­ter und Regengüsse es dafür noch braucht.

Durch den Wald geht’s weit­er. Schön­er Wald­weg, weich­er Boden, ger­ade, flach, alles easy. Aber bald wird es zum typ­is­chen neuseeländis­chen Wald­weg, der uns im Auf und Ab über umge­fal­l­ene Bäume und hin­unter zu Flüssen krax­eln lässt. Das hält uns mal wieder ordentlich auf. Heute begeg­nen wir drei Wan­der­ern, zwei davon wollen noch über 40km bis zur Low­er Prin­ches­ter Hut gehen. Puh, diese SOBOs machen uns fer­tig.

Angeschrieben sind 5h — 2,5h zur zweit­en Hänge­brücke und 2,5h zur drit­ten Hänge­brücke vor dem nördlichen Mavo­ra Lake, wo unser Ziel für heute liegt. Das zieht sich ganz schön im Regen. Wir stapfen so durch und machen kein­er­lei Pausen, da es ein­fach zu nass und eklig im Regen ist. Irgend­wann sind wir kom­plett durch­nässt und wir ver­suchen so schnell wie möglich zum Zelt­platz zu kom­men.

Dann kommt endlich die ersehnte let­zte Hänge­brücke und nach­dem wir diese über­queren lan­den wir auch schon auf dem Camp­ing­platz am Anfang des Sees. Die ganze let­zte Stunde habe ich nur noch daran gedacht mich an einen war­men trock­e­nen Ort zu begeben, was in diesem Fall das Zelt und der Schlaf­sack ist. Wir bauen so schnell wie möglich das glück­licher­weise trock­ene Zelt auf, sodass wir es wenig­stens innen trock­en haben. Wir schälen uns die nassen Sachen vom Leib und wick­eln uns in trock­ene. Wir gön­nen uns ein Nick­erchen im war­men Schlaf­sack. Danach gibt’s Aben­dessen und erst am späteren Abend hört es dann endlich auf zu reg­nen.

26.02. Trail Magic — Mavora Lake Campsite bis Boundary Hut

16km / 3,5h / 635hm

Heute scheint die Sonne in das Zelt und wir ver­schieben spon­tan meinen Geburt­stag auf heute. Wir bre­it­en unsere nassen Sachen in der Sonne aus und bestaunen zum ersten Mal die Umge­bung in der wir uns befind­en. Es ist wirk­lich ziem­lich schön. Hohe Berge erheben sich über dem türkis schim­mern­den See. Dass es hier Berge gibt kon­nten wir gestern nicht mal erah­nen. Bis das Zelt trock­en ist dauert es eine Weile und wir machen heute langsam bis wir erst gegen Mit­tag auf­brechen. Bengt zaubert einen kleinen Kuchen und eine Kerze zu meinem Geburt­stag her­vor.

Wir laufen am See ent­lang und fol­gen einem All­rad­weg, der sehr angenehm zu laufen ist. Einige große Pfützen und Flüss­chen von gestern lassen sich umge­hen oder über Steine über­sprin­gen. Wir genießen die Sonne und den Aus­blick auf diese wun­der­schöne Berg­land­schaft. 

Nasse Füße lassen sich irgend­wann trotz­dem nicht ver­mei­den, was bei dem son­ni­gen Wet­ter aber nicht so schlimm. Wan­der­er kom­men uns ent­ge­gen und sagen uns, dass es auf der Careys Hut Trail Mag­ic zu erwarten gibt. Den ganzen restlichen Weg über­lege ich mir was das Schönes sein kön­nte. Ich hoffe sehr auf Cola und will unbe­d­ingt dort ankom­men. Und tat­säch­lich find­en wir Prancer in der Hütte, der vor zwei Tagen den Te Araroa been­det hat. Er ist zurück gekom­men und hat haufen­weise Bier, Sprite, Cola und Rasp­ber­ry Jam Buns hier­her geschleppt. Was für ein Geburt­stags­geschenk! Während ich in Cola bade, schaufelt sich Bengt mit Essen voll.

Prancer sitzt schon seit gestern hier und es kam kein­er vor­bei, weshalb er sich sein Bier nur mit den Mäusen geteilt hat. Er hat 120 Tage für den Te Araroa gebraucht, was ziem­lich flott ist. Auch den PCT in Ameri­ka hat er bere­its hin­ter sich. Für ihn ste­ht aber auch der sportliche Aspekt des Trails und seine eige­nen Gren­zen zu testen im Vorder­grund.

Nach und nach kom­men weit­ere Wan­der­er in die Hütte, die Prancer ken­nen und es gibt ein großes Hal­lo. Einige von ihnen sehen ganz schön wild aus, wie man nach fast 3.000km halt so aussieht.

Nach ein­er Stunde raf­fen wir uns wieder auf um noch die restlichen 6km zur Bound­ary Hut zu gehen. Eine Wan­derin kommt uns noch ent­ge­gen, der ich die fro­he Botschaft der Trail Mag­ic mit­teilen darf. Nach ein­er Stunde kom­men wir an der per­fekt am Fluss gele­ge­nen Bound­ary Hut an. Die Sonne scheint noch immer kräftig und wir hän­gen alle unsere Sachen auf der Veran­da auf. Den Fluss nutzen wir für ein her­rlich­es Bad. Wir sitzen noch lange in der Sonne auf der Veran­da und genießen die Land­schaft. Es ist der erste Tag an dem wir nach der Ankun­ft noch Zeit haben ein­fach nur dazusitzen und die Umge­bung auf uns wirken zu lassen. Wir haben sog­ar noch die Energie einen kleinen Aus­sicht­shügel neben der Hütte zu besteigen. Genau sowas habe ich mir vorgestellt wenn ich an das Wan­dern auf dem Te Araroa gedacht habe. Natür­lich kann es nicht Tag so sein, aber wir haben immer­hin 19 Tage auf einen solchen per­fek­ten Tag warten müssen. An Tagen wie heute weiß man wieder warum das Ganze eigentlich macht.

Heute waren es nur 16km für uns, was sehr angenehm für Kör­p­er und Geist war. Bei gutem Wet­ter läuft es sich auch viel bess­er. Wir hät­ten dur­chaus noch weit­er gehen kön­nen, woll­ten aber diese schöne Hütte nutzen, die wir ganz für uns haben.

27.02. Matsch — Boundary Hut bis Greenstone Hut

23km / 6h / 523hm

Als wir aufwachen sieht es schon wieder grau da draußen aus und ich denke nur “Bitte nicht schon wieder Regen!”. Tat­säch­lich han­delt es sich aber nur um Hochnebel, der sich bald bild­hüb­sch über die Bergspitzen verzieht. Als erstes geht es über eine Hänge­brücke und durch Grasland­schaft in angenehmen Auf und Ab. Immer mal wieder gilt es ein paar Pfützen und kleinere Bäch­lein zu über­queren, aber wir kom­men gut voran.

Zwölf Kilo­me­ter sind es zur Taipo Hut und wir wollen dort entschei­den ob wir noch weit­ere zehn Kilo­me­ter zur Green­stone Hut weit­erge­hen wollen. Es sind nicht so sehr die Kilo­me­ter, die uns Sorge machen, son­dern viel mehr die Tat­sache, dass für diese zehn Kilo­me­ter vier bis fünf Stun­den ange­set­zt sind.

Kurz vor der Hütte gilt es nochmal zwei Flüsse zu über­queren. Der erste ist wie ein klein­er Canyon mit steil abfal­l­en­den Felsen und tiefem Wass­er. Es ist schw­er ein­fach durchzuwa­t­en, denn es ist tief und schmal, weshalb die Strö­mung stark ist und wenn wir erst­mal drin wären, kämen wir nicht so ein­fach wieder raus. Wir suchen also ober­halb und unter­halb dieser Stelle nach ein­er besseren Möglichkeit. Ich finde zwar eine gute Stelle, die befind­et sich aber direkt ober­halb eines Wasser­falls. Falls ich hier irgend­wie aus­rutsche mache ich gle­ich einen Abgang. Bengt hat weit­er ober­halb eine bessere Stelle gefun­den und nach­dem ich ihm meinen Ruck­sack rübergegeben habe, springe ich von einem Felsvor­sprung zum anderen hinüber.

Der zweite Fluss ist eben­falls recht tief und hat viel Strö­mung. Ich nutze die bre­iteste Stelle des Flusses um hinüber zu gelan­gen. Trotz­dem muss ich vor­sichtig im Drei-Punkt-Sys­tem durch den Fluss wat­en während Bengt es irgend­wo anders schafft sog­ar trock­e­nen Fußes über den Fluss zu kom­men. Kurz danach erre­ichen wir eine Hänge­brücke, die uns trock­en über den Fluss und zur Taipo Hut bringt. Hier machen wir Mit­tagspause. Wenn ich mich nicht bewege werde ich schnell wieder kalt und ich verkrieche mich im Schlaf­sack. Zwei South­bound­er kom­men zu uns in die Hütte und machen uns Mut, da sie unter drei Stun­den von der Green­stone Hut hier­her gebraucht haben. Wir glauben zwar nicht, dass wir eben­falls so schnell sind, da diese SOBOs teil­weise ganz schön flott unter­wegs sind. Aber selb­st in vier Stun­den wäre es noch gut für uns.

Auf dem Weit­er­weg beschert uns matschiges sump­figes Tus­sock­gras wieder nasse Füße, anson­sten geht es sich aber gut. Zumin­d­est bis wir die richtige Abzwei­gung ver­passen und auf einem ungün­stigeren Weg lan­den als geplant. Dieser Weg ist voller Steine und geht später mehr in einen Fluss als einen Weg über. Zwis­chen­durch ver­suchen wir erfol­g­los durch dichte hohe latschenähn­liche Sträuch­er auf den richti­gen Weg zu gelan­gen, der sich nicht als Weg her­ausstellt. Nach ein­er Weile vere­inigt sich unser Weg aber wieder mit dem richti­gen. Wir haben wohl etwas länger gebraucht und nassere Füße als nötig bekom­men, sind aber wieder auf Kurs. Die let­zten zwei Kilo­me­ter geht es durch den Wald. Der Wald­bo­den ist her­rlich weich und ohne große Hin­dernisse — keine Flüsse, keine Matsch­pfützen — zu bewälti­gen.

Zwis­chen­durch gibt uns der Wald den Blick frei auf das unter uns liegende Green­stone Val­ley. Nach drei Stun­den erre­ichen wir eine freie Fläche und die riesige Green­stone Hut. Hier gibt es sog­ar echte Toi­let­ten mit Spülung und Toi­let­ten­pa­pi­er, das heute mor­gen einge­flo­gen wurde. Hier sind viele Leute, da die Hütte Teil des beliebten Green­stone-Caples Track ist. Da wir früh angekom­men sind haben wir viel Zeit für Essen, Nick­erchen und Chillen.

28.02. Über den Greenstone-Caples Track — Greenstone Hut bis Carpark

12,6km / 3h / 299hm

Heute fol­gt der let­zte Push nach Queen­stown und somit in die Zivil­i­sa­tion. Der let­zte Teil nach Queen­stown führt uns über den gut aus­ge­baut­en Green­stone-Caples Track. Wir starten früh um mehr Zeit in Queen­stown zu haben. Wir wan­dern abwech­sel­nd durch Wald und über offenes Wiesen­gelände mit Aus­blick. Es ist ein son­niger Tag. Die Brück­en hier sind aus richtigem Holz, weshalb es gle­ich mehreren Per­so­n­en gle­ichzeit­ig möglich ist hinüber zu gehen. Was für ein Luxus! Der wun­der­schöne grün-schim­mernde Green­stone Fluss fließt bald zusam­men mit dem Caples Fluss. Zulet­zt ste­ht uns noch ein steil­er Anstieg vor dem Park­platz an. Dort ist ziem­lich tote Hose, aber ein Ägypter wartet auf Abhol­ung und wir kön­nen für 72$ bis Glenorchy mit­fahren.

Hier ver­putzen wir erst­mal einige Dumplings in der Sonne bevor wir an auf die Straße nach Queen­stown stellen um eine weit­ere Mit­fahrgele­gen­heit zu erwis­chen. Heute dauert es nicht lange und zwei nehmen uns in ihrem Bus mit. Er ist hin­ten leer und wir set­zen uns ein­fach auf unsere Ruck­säcke auf die Lade­fläche. Bei­de arbeit­en auf dem Dart Riv­er und wollen den Bus für einen Road­trip aus­bauen. So kom­men wir in Queen­stown an und erhaschen noch die let­zten freien Bet­ten in dieser immer über­vollen Stadt. Wir nutzen den Nach­mit­tag dafür unsere Vor­räte auszu­s­tock­en, Aus­rüs­tung zu erset­zen, Schoko­ladenkuchen zu essen und bei Cider im Park zu chillen.

Hier geht’s zum sechsten Teil — Queenstown bis Wanaka

Te Araroa: 6. Der Motat­a­pu Track – Queen­stown bis Wana­ka

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