Te Araroa: 10. Zwischen den Flüssen — Rangitata River bis Rakaia River

Posted: 24. August 2018

Die fol­gende Etappe führt uns in dem 70km lan­gen Teil zwis­chen den gewalti­gen Flüssen Ran­gi­ta­ta Riv­er und Raka­ia Riv­er ent­lang. Nach dem ersten Tag voller Son­nen­schein wird dieser Part nass und kalt — 65 Flussquerun­gen liegen vor uns. Der erste Schnee begrüßt uns dabei eben­falls.

20.03. Flüsse und Seen — Potts River Carpark bis Lake Emily

29km / 6,5h / 587hm

Heute Nacht schmeißen die Pos­sums um uns herum eine Par­ty. Wir tre­f­fen auf zwei weit­ere neue NOBOs, die in nur einem Monat hier­her gelaufen sind und ger­ade alle anderen über­holen. Heute sind wir an der Rei­he. Wieder haben wir Son­nen­schein und blauen Him­mel. Wir wan­dern im Fluss­bett am Potts Riv­er ent­lang und auf eine Klippe darüber. Dabei haben wir wun­der­schöne Aus­blicke ins Ran­gi­ta­ta Val­ley, auf Potts Riv­er und die Berge drumherum.

Nun geht es über Wiesen und gele­gentliche Anstiege zum Lake Clear­wa­ter, an dem wir links vor­beige­hen. Von hier führt der Weg mehr oder weniger nur noch flach dahin bis zum Buick Riv­er Carpark. Von hier aus gilt es 4,5km an der Straße ent­lang zu laufen bis wir auf einen Farmweg tre­f­fen, der rechts abzweigt und uns hin­auf zum Lake Emi­ly führt, wo wir für heute unser Nacht­lager auf­schla­gen. Eigentlich um in dem See noch zu baden, aber dicht­es hohes Gras, gemis­cht mit Dis­teln und Spear­grass, machen das Durchkom­men zum See fast unmöglich, weshalb wir lieber stink­end bleiben. Heute Abend sind die Enten dran Par­ty zu machen. Bis spät in die Nacht hören wir das Geschnat­ter, Gequäke und Getsch­iepe, und irgend­was das sich wie ein betrunk­en­er Dinosauri­er anhört.

21.03. Schlafen wie Edmund Hilary — Lake Emily bis Double Hut

10km / 2,5h / 322hm

Am Mor­gen herrscht mal wieder Sand­fliege­nalarm. Wir stapfen also ohne Früh­stück los, vor­bei am See und hin­auf auf den Emi­ly Hill und steil wieder hinab. Ich kon­nte auf­grund von Kni­eschmerzen kaum schlafen auf­grund, beim Laufen ist es aber wieder ok. Ich nehme sämtliche Abstieg ein­fach sehr vor­sichtig. Dann wan­dern wir ger­ade auf einem Farmweg an einem weit­eren See und einem aus­getrock­neten Fluss­bett ent­lang. Es fängt an stärk­er wer­dend zu nieseln und wir entschei­den uns zur Dou­ble Hut zu gehen anstatt weit­er auf den Sat­tel.

Es länge noch ein weit­er­er Weg über den 1.480m hohen Sat­tel und durch einige Flüsse vor uns, weshalb wir uns auf­grund des Wet­ters dage­gen entschei­den. Kaum bei der Hütte fängt es stärk­er an zu reg­nen. Wir waschen uns nur noch im Fluss und essen Früh­stück. Außer­dem finde ich die Unter­schrift von Ed Hillary aus 1951 über einem der Bet­ten, was mein Herz höher schla­gen lässt und mein Tageshigh­light darstellt.

Nicht lange nach uns kom­men zwei weit­ere NOBOS — Sam und Jesse. Sie sind vor uns ges­tartet, mussten aber ver­let­zungs­be­d­ingt zwei Wochen pausieren. Auch sie bleiben heute hier. Gute Entschei­dung, denn am Nach­mit­tag wird’s richtig eklig mit tiefen Wolken und starkem Regen.

22.03. Der schlimmste Tag — Double Hut bis Comyns Hut

19km / 6h / 850hm

Das Wet­ter zeigt lei­der keine Besserung heute. Einziger Unter­schied: Es ist käl­ter gewor­den. Wir sind zuerst unentschlossen, gehen aber mit­tags schließlich doch los. Vor allem weil wir kein Gas mehr haben. Sam und Jesse haben welch­es, aber die sind eine Stunde vor uns gegan­gen. Also Regen­sachen an und auf geht’s.

Beim ersten Fluss, keine 2km von der Hütte ent­fer­nt, rutsche ich aus und falle ins Wass­er. Sogle­ich bin ich bis zur Hüfte nass. Mein Ruck­sack auch, aber ich habe vorher alles in Plas­tik­tüten ver­packt wegen des Regens. Ich muss mich nach vorne auf alle Viere begeben um wieder hoch zu kom­men. Der Bach ist zwar nicht tief, aber die Strö­mung reißt einen son­st trotz­dem mit.

Bengt will mir zur Hil­fe kom­men, allerd­ings lan­det sein Ruck­sack dabei eben­falls im Wass­er. Als ich so mit mir selb­st beschäftigt bin und ger­ade wieder auf­ste­he schwimmt sein Ruck­sack an mir vor­bei und ich denke nur ??? So muss Bengt nun seinen Ruck­sack ret­ten und wir bei­de sind nass gewor­den.

Glück­licher­weise geht es nun erst­mal bergauf um wieder warm und etwas trock­en­er zu wer­den. Wir steigen hin­auf zu einem ersten Sat­tel. Dann marschieren wir in san­fterem Auf und Ab schließlich durch Schot­ter auf den Clent Hills Sad­del (1.480m). Kurz davor fängt es an zu schneien. 200m über uns ist auch noch der Schnee von let­zter Nacht zu sehen. Nor­maler­weise bietet der Sat­tel wohl wun­der­schöne Aus­sicht­en, heute ist es aber eher trüb. Nur in die Rich­tung aus wir kom­men lässt sich das Ran­gi­ta­ta Val­ley aus­machen.

Wir hal­ten uns nicht oben auf und machen uns gle­ich an den Abstieg. Wir steigen zum Fluss hinab, den wir hin und wieder auch queren müssen. Glück­licher­weise sind die Abschnitte zwis­chen den Querun­gen lang genug damit ich meine Füße wieder warm laufen kann bevor es wieder durch eiskaltes Fluss­wass­er geht. Lei­der ändert sich das bald und eine Querung jagt die näch­ste, sodass meine Füße keine Chance haben sich wieder zu erwär­men.

Was an heißen Tagen dur­chaus spaßig ist ist heute der blanke Hor­ror. Irgend­wann kann ich meine Füße nicht mehr spüren und die Kälte kriecht in meinen ganzen Kör­p­er. Die Hütte will auch ein­fach nicht erscheinen obwohl die Tageskilo­me­ter bere­its über­schrit­ten sind, wie so oft. Schließlich kann ich nicht mehr, krame Iso­mat­te und Schlaf­sack her­vor, entledi­ge mich mein­er nassen Hose und Schuhe und krieche hinein um wieder warm zu wer­den. Ich kann auch nichts dage­gen tun, dass mich ein Weinkrampf schüt­telt. Mir ist elendig kalt. 

Bengt überre­det mich schließlich noch zur bis zur Hütte weit­er zu gehen, da wir dort die Chance auf etwas Warmes zu essen und zu trinken haben, da dort die anderen zwei sind. Schließlich bin ich soweit wieder bei Sin­nen mich wieder anzuziehen und weit­er zu marschieren. Bengt tauscht seine Schuhe mit mir, da seine Stiefel wesentlich wärmer sind, weil nicht soviel Wass­er ein­dringt. Am Ende sind etwa 65 Flussüber­querun­gen gewe­sen.

Wir gehen ein Stück bergauf, weg von diesem elendi­gen Fluss und erre­ichen dann die Hütte, wo die anderen uns flink Tee zubere­it­en. Ich entledi­ge mich mein­er nassen Sachen, verkrieche mich im Schlaf­sack und trinke Tee. Dann essen wir was Warmes. Um richtig wieder warm zu wer­den braucht es jedoch Stun­den. Erst in der Nacht ist mir wieder wohlig warm. Und das obwohl es in der Nacht richtig kalt wird. Unser warmer Atem kon­den­siert vor unseren Mün­dern.

Das war mit Abstand der schlimm­ste Tag für mich auf dem Te Araroa. Immer wieder das Gle­iche wenn es reg­net: Kalt! Bish­er war aber nie so schlimm wie heute. Kein guter Tag für Flussquerun­gen, aber was bleibt uns übrig? Das Wet­ter ver­spricht keine Besserung, es wird nur von Tag zu Tag käl­ter und die Schnee­gren­ze sinkt. Kaum zu glauben, dass es bis vor weni­gen Tagen noch so heiß war.

23.03. Einfach nur raus — Comyns Hut bis Glenrock Stream Carpark und raus nach Methven

18,5km / 4,5h / 518hm

Es reg­net und ist arschkalt als wir am näch­sten Tag erwachen. Die Wolken hän­gen tief und 200hm über uns liegt Schnee. Wir wollen nur noch raus und ins Warme. Nach dem Früh­stück gehen wir zum Fluss runter. Dies­mal ist ein ander­er Fluss und wir wan­dern an ihm ent­lang oder hin­durch, aber glück­licher­weise nicht allzu oft.

Danach steigen wir auf einen Sat­tel wo mir ordentlich warm wird. Der Regen ken­nt kein Ende. Zwis­chen­durch kom­men wir an der kleinen A-Frame Hut vor­bei wo die anderen zwei ger­ade Pause machen. Sie holen uns kurz darauf wieder ein, beim Auf­stieg zum Tur­tons Sad­dle auf 1.120m. Von hier gehts nun in Ser­pen­ti­nen abwärts. Der Weg ist matschig und rutschig und wir alle gleit­en mehrmals aus. Mir fährt dabei ein rasender Schmerz durch das rechte Knie, das das Gleit­en abfängt.

Meine Knie sind ohne­hin schon geschwun­den und bei diesem Abstieg kaum noch zu ertra­gen. Wenn mir eine Knie nicht weh tun, dann habe ich abwech­sel­nd Hunger, Schmerzen in Schul­ter oder Hüfte. Ich gehe so vor­sichtig wie möglich hin­unter. Das heißt langsam, damit ich nicht nochmal aus­rutsche. Zwis­chen­durch ver­fluche ich diesen Te Aaraoa und schließe im Geiste damit ab. Ich stelle mir vor wie ich nach Fiji oder Bali abhaue, irgend­wohin wo es warm ist und diese Scheiße hin­ter mir lasse. Ich bin am Tief­punkt ange­langt. Aber noch nicht am Ende.

Nach ein­er Weile erre­ichen wir die Ebene, wo zumin­d­est meine Knie nicht mehr protestieren. Die Schwest­er von Sam wollte kom­men und sie abholen und er hat uns eben­falls einen Platz im Auto ange­boten, weshalb wir uns an die bei­den hal­ten. Sobald wir an der Straße ankom­men wollen sie allerd­ings weit­er gehen um ihr ent­ge­gen­zuge­hen. Bei­de tra­gen Shorts und sie wollen in Bewe­gung bleiben um nicht zu frieren. Ver­ständlich, aber ich will eigentlich nur pausieren und was essen. Die Mit­fahrgele­gen­heit wollen wir uns aber nicht ent­ge­hen lassen, also weit­er hin­ter­her.

Wir hatschen also ein paar Kilo­me­ter die Straße ent­lang und hal­ten den Dau­men raus wenn ein Fahrzeug kommt. Die einzi­gen zwei Autos, die kom­men rauschen im Affen­zahn an uns vor­bei und spritzen die Pfützen auf. Schö­nen Dank. Endlich hält ein LKW und nimmt uns zwei mit, denn er hat nur zwei Plätze und die anderen noch die Schwest­er. Das erste Mal fahre ich in einem LKW. Die Aus­sicht von hier oben ist ziem­lich cool.

Die Straße ist wenig befahren und vor vier Wochen war sie sog­ar unpassier­bar, da Zyk­lon Gita einen riesi­gen Erdrutsch aus­gelöst hat, der die Straße unter sich begrub. Ich stelle mir vor wie furcht­bar es sein muss kalt und nass vom Track zu kom­men und dann weit und bre­it kein Auto zu find­en, das einen in die Stadt brin­gen kön­nte. Es sind immer­hin 45km bis nach Methven und weit­er laufen geht nicht, da der mächtige Raka­ia Riv­er im Weg ist.

Um auf die andere Seite zu kom­men, wo der Te Araroa weit­erge­ht muss man raushitchen und auf der anderen Seite wieder rein. Wir sind froh bald ins Warme zu kom­men. Der Fahrer set­zt uns im Stadtzen­trum ab und wir laufen zum Alpen­horn Chalet, da der Lone­ly Plan­et einen Hot Pool ver­spricht.

Der Pool wird zwar nur im Win­ter in Betrieb genom­men, aber dafür sind wir die einzi­gen Gäste und haben alles für uns was auch richtig schön ist. Es ist wie zu Hause, nur dass die Küche größer ist. Nach ein­er war­men Dusche und Aufwär­men im Bett gehen wir in den Blue Pub zum Essen. Ich bin mit Daunen­jacke und Mütze unter­wegs während Schulkinder in Shorts an uns vor­bei ziehen. Erst beim Essen wird mir wieder warm. Abends kuschel ich mit der Hostelkatze am Ofen — her­rlich. Das Leben ist wieder in Ord­nung. Die Katze ist super­süß, zwar schon sehr kalt, langsam und krän­klich, aber voller Liebe und Zutrauen.

Lei­der stellen wir erst abends fest, dass heute Fre­itag ist und wed­er Post noch Apotheke hier am Woch­enende geöffnet haben. Wir müssen aber Fress­pakete nach Boyle und St. Arnaud schick­en, da die näch­ste Stadt erst wieder Nel­son ist, wenn wir nicht zwis­chen­durch raushitchen wollen. Und mein Knie braucht eine Ban­dage. Wir entschei­den also bis Mon­tag hier zu bleiben und somit zwei Pausen­t­age einzule­gen, die meinem Knie sich­er nicht schaden.

Zero Days Methven

Die näch­sten zwei Zero­days ver­brin­gen wir mit der Pla­nung bezüglich des Essens, der Aufteilug der Pakete und wohin wir sie schick­en kön­nen. Wir pla­nen die Abschnitte und Tage, die wir etwa brauchen wer­den. Wir kaufen ein, trinken heiße Schoko­lade im Café, kuscheln die Katze und organ­isieren uns einen Trans­port nach Lake Coleridge, wo der Trail weit­erge­ht. Die Dame von der iSite ver­weist uns an den Camp­ing­platzbe­sitzer, der sich bere­it erk­lärt uns für 20$ pro Per­son dor­thin zu fahren.

Nach unserem Großeinkauf wer­den wir sog­ar von einem 4Square Mitar­beit­er nach Hause gefahren. Ob das ein Ser­vice ist, weil wir über 360$ dort gelassen haben? Nein, die Leute sind ein­fach nur extrem nett. 360$ klingt nach viel Geld, sind dann aber nur 18$ pro Tag für zwei Per­so­n­en inklu­sive teur­er Back­coun­try Cui­sine Gerichte und Gas für 27 Tage. Wir teilen die Pakete auf und machen sie ver­sand­fer­tig.

Außer­dem plane ich meine näch­sten Urlaube. Erst­mal eine Pause im war­men Aus­tralien nach­dem ich die Südin­sel hin­ter mir habe und dann für den Som­mer, nach dem Te Araroa, eine Reise in die Ark­tis.

Hier geht’s zum elften Teil — Lake Colerdige bis Arthur’s Pass

Te Araroa: 11. Pässe und Seen – Lake Coleridge bis Arthur’s Pass

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