Russland: Wildes Sibirien — Auf den Spuren der Bären

Posted: 12. Juli 2015

Heute starten wir den Fro­l­ikha Adven­ture Coast­line Track (F.A.C.T.), Sibiriens erster Fer­n­wan­der­weg. Ent­lang der Küste des Baikalsees führt der Weg 100km vom nördlichen Ende nach Süden bis zu den heißen Quellen in Khakussy und noch darüber hin­aus. Der Weg soll uns durch die Wild­nis Sibiriens führen, wir sind ges­pan­nt. Der Weg wurde von rus­sis­chen und deutschen Frei­willi­gen geschaf­fen und soll eines Tages den gesamten Baikalsee umspan­nen. Wir pla­nen etwa 64km bis zu den heißen Quellen zu gehen, von wo aus täglich eine Fähre zurück nach Sever­obaikalsk fährt. Dafür pla­nen wir sieben Tage ein mit einem Puffertag. Am Ende waren wir aber doch schneller.

Tag 1 — Auf den Spuren der Bären
Von der Rangerstation Verkhne-Angarsky Zakaznik bis zum Kap Erekshan

Gegen 9 Uhr fahren wir mit dem Bus von Sever­obaikalsk nach Nizh­nean­garsk um dort mit einem Boot zur Ranger­sta­tion inmit­ten vom Nir­gend­wo gefahren zu wer­den. Wir steigen gle­ich mal eine Sta­tion zu spät aus, aber unser Boots­fahrer hat schnell geschal­tet und holt uns von der Bussta­tion ab. Petr kann sog­ar ein biss­chen Deutsch. Er fährt uns mit seinem kleinen Sohn zur Ranger­sta­tion, die wir nach etwa ein­er Stunde Boots­fahrt erre­ichen. Hier ste­hen nur ein paar Holzhäuschen und zwei Hunde knur­ren unser Boot an, stellen sich aber als ganz fre­undlich her­aus.

Von der Ranger­sta­tion Verkhne-Angarsky Zakaznik laufen wir nun nach Süden über Sand­dü­nen und sump­fige Abschnitte. Hier über­fall­en uns Hor­den von Mück­en, die wir uns sogle­ich mit Mück­en­schutzspray vom Leib zu hal­ten ver­suchen, nicht ohne dabei bere­its mehrfach gestochen zu wer­den. Wir müssen selb­st unsere Klei­dung ein­sprühen und dür­fen nicht ste­hen­bleiben, son­st sitzen in Winde­seile Hun­derte von Mück­en auf uns. So heftig habe ich das noch nie erlebt. Wir kämpfen uns weit­er durch die Mück­en voran und ste­hen bald an einem bre­it­en Sand­strand am Baikalsee. Hier haben wir endlich Ruhe vor den Blut­saugern.

Auf dem nassen fes­ten Sand kom­men wir gut voran und machen nach zwei Stun­den Marsch eine Mit­tagspause. Wir laufen weit­er wo die Bucht einen Bogen macht und schon bald wird der Strand schmaler und steiniger. Bald müssen wir auf ver­schieden großen Steinen bal­ancieren. Die vorge­se­hene Tage­se­tappe beträgt etwa 10km, wir beschließen aber noch weit­er zu gehen. Der Weg biegt nun in den Wald ab und sofort stürzen sich wieder die Mück­en auf uns. Mich haben sie beson­ders gern.

Wir laufen schnell durch den Wand, bemüht die Biester abzuschüt­teln, aber sie belagern mich dutzendweise und zer­stechen mich wie ich noch nie zer­stochen wurde. Ich werde fast wahnsin­nig. Es hil­ft nichts, wir hal­ten an und sprühen uns erneut ein. Das hil­ft ein wenig. Alex bereut es zutief­st doch keinen Hut mit prak­tis­chem Moski­tonetz gekauft zu haben. Mehr oder weniger tapfer beißen wir uns durch und gelan­gen an einen Bach. Über Baum­stämme kön­nen wir diesen über­queren. Dann ste­hen wir wieder am Strand — erle­ichtert, dankbar. Was für eine Tor­tour. Wir pausieren etwas frus­tri­ert nach­dem wir die Mück­en abgeschüt­telt haben, und genießen die Mück­en­frei­heit.

Von hier gehen wir noch ein kleines Stück und find­en einen schö­nen Zelt­platz am See, zwis­chen Bäu­men. Hier schla­gen wir unser Lager auf, erfrischen uns im kalten Baikalsee — hier wieder deut­lich käl­ter als gestern in Sever­obaikalsk — und Alex baut aus unser­er Wäscheleine einen Bären­schutz für unser Essen um es an einem Baum aufzuhän­gen. Die Bären hier sind scheu und außer ihren Spuren wird man nicht viel von ihnen sehen — aber wer weiß? Außer vie­len Bären­spuren im Sand sowie Bären­lo­sun­gen und eini­gen Booten begeg­nen wir nie­man­den auf unserem Weg, vor allem keinen Wan­der­ern. Der Nor­dosten des Sees gehört zu den am wenig­sten erschlosse­nen Gebi­eten am Baikal — es gibt hier keine Straßen und Ortschaften. Mück­en gibt es an unserem Plätzchen keine mehr, dafür ziem­lich große Brem­sen. Die kön­nen wir aber ertra­gen — man härtet ab in Sibirien.

Tag 2 — Wir können hier nicht bleiben, dies ist Mückenland!
Von Kap Erekshan bis zum Frolikha Delta

Am Mor­gen beobacht­en wir Streifen­hörnchen, die munter über ein Ste­in­feld hin­ter unserem Zelt­platz toben. Heute geht es weit­er am Ufer ent­lang, über haufen­weise Steine auf denen es sich schlecht gehen lässt. Von schot­triger Kon­sis­tenz bishin zu dinosauri­ereigroßen Steinen ist alles dabei. Im Wald zu gehen ist wegen der Mück­en unmöglich, sie stürzen sich sofort auf uns.

Bald gelan­gen wir zum Bach Birkan, der 30m ober­halb sein­er Mün­dung über Baum­stämme über­quert wer­den kann. 30 Meter zuviel, denn alleine in diesem kleinen Wald­stück wer­den wir wieder ordentlich zer­stochen. Ganz urplöt­zlich frischt der Wind auf und weht uns erfrischend um die Nase,der Weg über die Steine war ganz schön schweißtreibend und die Luft stand förm­lich. Her­rlich — dieser küh­le Wind auf der Haut! Wir fassen neuen Mut und schon bald stellen wir fest, dass der Wind auch die Mück­en von den küsten­na­hen Waldp­faden ver­scheucht hat.

Nach etwa zwei Stun­den über die Steine am Strand, gelan­gen wir zum Fluss Erek­shan, der eben­falls im Baikalsee mün­det. Ein Fis­ch­er zel­tet hier mit sein­er Fam­i­lie und nimmt ger­ade die Fis­che aus als wir vor­beis­pazieren und den Bach queren. Möwen erfreuen sich an den fis­chi­gen Resten. Mein link­er Schuh versinkt dabei etwas zu tief im Wass­er und es gelangt kaltes Bach­wass­er in meinen Schuh. Kurz danach machen wir Mit­tagspause, essen Wurst und Brot. Wir machen ein kleines Schläfchen in der Sonne und lassen meinen Schuh trock­nen. Der Weg durch den Wald ist deut­lich angenehmer zu laufen und wir kom­men nun zügig voran.

Im Nu ste­hen wir am Kap Nem­nyan­ka und ein­er Fis­ch­er-/Ranger­hütte. Die let­zten 4,5km ziehen sich aber gewaltig bis wir endlich den Sand­strand vor dem Fro­l­ikha Delta erre­ichen. Hier tre­f­fen wir auf die zwei Deutschen, die einen Tag vor uns aufge­brochen sind und den Weg aus der anderen Rich­tung gehen. Er ist ger­ade damit beschäftigt ihr Essen auf einen Baum zu hän­gen, was jedoch die Reißfes­tigkeit ihres Seils über­stra­paziert. Auch sie hat­ten Prob­leme mit Mück­en, ziehen sich aber nun ein­fach kom­plett an. Das kön­nen wir uns nicht vorstellen, wir wür­den ster­ben vor Hitze. Das Beste aber ist, dass sie einen Bären gese­hen haben. Ich will auch!

Ein Stückchen weit­er find­en wir ein Plätzchen für unser Zelt und verziehen uns nach dem allabendlichen Bad im Baikalsee schnell ins Zelt. Hun­derte Mück­en lauern darauf uns aufzufressen. Abends sind die Mück­en noch schlim­mer, sofern das über­haupt möglich ist. Bald fängt es an zu reg­nen, was bis zum Mor­gen anhält.

Tag 3 — Befreiung von den Blutsaugern
Vom Frohlika-Delta bis zur Ayaya Bucht

Am Ein­gang unseres Zelts sowie zwis­chen Innen- und Außen­zelt hat sich eine ganze Mück­en­pop­u­la­tion bildet. Heute ist es trüb und es tröpfelt noch ein wenig. Wir beschließen das Früh­stück auf später zu ver­schieben und räu­men nur in Winde­seile alles zusam­men um uns auf den Weg zur Mün­dung der Fro­l­ikha zu machen. Der Fluss ist an dieser Stelle 65m bre­it und mehrere Meter tief sodass dieser nicht mehr so ein­fach über­quert wer­den kann. Aber schon bei unser­er Ankun­ft sicht­en wir ein Boot und winken es her­bei. Offen­bar wollen sie in der Fro­l­ikha fis­chen. Wir lassen uns über­set­zen und früh­stück­en auf der anderen Seite. Wir beobacht­en die Fis­ch­er, die mehr oder weniger erfol­gre­ich ver­suchen Hechte zu schlep­pen. Das erste Mal sind wir auch die Mück­en von heute Mor­gen los­ge­wor­den.

Wir gehen am Sand­strand ent­lang bis dieser wieder steiniger wird. Hier sehen wir einige Baikalrobben aus näch­ster Nähe auf den Felsen ruhen. Sie lassen sich lei­der von uns auf­scheuchen als wir den Weg fort­set­zen. Dann führt uns der Weg wieder in den Wald hinein, wo es kurz steil bergauf geht. Wir durch­queren licht­en Wald, bis der Weg uns wieder hin­unter zum Baikalsee führt. Wieder führt uns der Weg durch einen Waldp­fad an der Küste ent­lang. Heute kön­nen wir das endlich genießen und Blicke über die Schuh­spitzen hin­auf wer­fen, denn die Mück­en machen heute Pause. Der Weg biegt erneut in die Taiga ab und führt uns Ser­pen­ti­nen auf einen waldigen Hügel hin­auf. Lei­der lässt sich kein Bärchen blick­en.

Oben gibt es einen Abstech­er zu einem Aus­sicht­spunkt über dem Baikalsee. Wir lassen unser Gepäck an der Wegkreuzung und gehen um viele Kilos erle­ichtert den Weg bis zur Kante 80m über­halb des Baikalsees. Mit­tler­weile ist auch die Sonne her­aus­gekom­men und leuchtet durch den licht­en Mis­chwald. Der Wald ist wirk­lich schön, da naturbe­lassen. Über­all gibt es Totholz, das Leben­sraum für Hörnchen und zahlre­iche Insek­ten bietet. Der Weg führt uns zurück an den Baikalsee und an den wun­der­schö­nen Sand­strand der Lakan­da Bucht. Hier machen wir Mit­tagspause. Ich nehme ein Bad und danach machen wir wieder einen Mit­tagss­chlaf in der Sonne.

Wir set­zen unseren Weg ein Stück am Strand ent­lang fort bis wir wieder in den Wald ein­tauchen. Über eine Landzunge steigen wir hin­weg, von wo es zur Ayaya Bucht eigentlich nicht mehr weit ist — unserem Tagesziel. Wir ver­laufen uns aber auf dem Weg zurück am Strand etwas, ver­passen wohl den Abzweig zurück in den Wald und krax­eln deshalb über große Ufer­felsen, die sich meter­hoch vor uns auftür­men. Das macht zwar erst­mal Spaß, wir kom­men aber nur langsam voran. Ein Felsen versper­rt uns den Weit­er­weg und wir gehen durch das Wass­er drumherum. Ich bin mir mit­tler­weile sehr sich­er, dass der eigentliche Weg im Wald ent­lang führt und nicht über diese großen Fels­blöcke, die durch gefährliche Spal­ten getren­nt sind. Ich kann ihn aber bei einem Spähver­such nicht aus­machen, weshalb wir weit­er über die Felsen krax­eln.

Bald darauf finde ich aber einen der wohl ver­traut­en orangen Pfeile ein Stück über­halb von uns, wohin wir nun klet­tern. Der Weg durch den Wald hat auch einige Klet­ter­pas­sagen über Fels­blöcke hin­weg zu bieten und so langsam kom­men die Mück­en zurück um uns das Leben schw­er zu machen. Im steti­gen Auf und Ab zieht sich der Weg eine gefühlte Ewigkeit bis wir endlich den Sand­strand der Ayaya Bucht erre­ichen.

Ein klein­er Fluss bietet ein Mück­en­paradies, das wir ver­suchen am Sand­strand abzuschüt­teln. Wir ziehen zur Flussquerung unsere Schuhe aus und laufen bar­fuß durch den Strand­sand bis zu einem schö­nen Lager­platz etwas ver­steckt in den Büschen — mit Feuer­stelle und bere­its gesam­melten Holz. Wir stellen das Zelt auf, hüpfen in den See und machen es uns dann unserem Feuer gemütlich. Heut war es wirk­lich ein guter Tag auf dem Track, wir sind gut voran gekom­men und die Mück­en haben uns größ­ten­teils ver­schont.

Tag 4 — Baikalrobben und Fische
Von der Ayaya Bucht bis zur Tukalaragdy Bucht

Mor­gens ärg­ern uns wieder mal die Mück­en vor unserem Zelt. Wir früh­stück­en am Strand um ihnen zu ent­ge­hen und pack­en dann unsere Sachen — erst alles im Zelt, dann schnell Zeltab­bau draußen. Mit­tler­weile klappt das ganz gut sich dabei die Mück­en vom Leib zu hal­ten. Wir gehen ein biss­chen am Sand­strand ent­lang bis wir dem Ranger in die Arme laufen und uns kurz reg­istri­eren, dafür gibt’s Bon­bons :) Dim­itri, der Ranger, fährt auch heute weit­er nach Khakussy, allerd­ings mit dem Boot. Wir wer­den wohl noch eine Zwis­chen­sta­tion ein­le­gen.

In Ufer­nähe geht es nun durch den Wald, immer wieder über große Felsen, über Löch­er und Wurzeln. Mit den großen Ruck­säck­en ist das recht müh­sam und anstren­gend. Für ein kurzes Stück diesen Wegs, vielle­icht 1 bis 1,5km, brauchen wir so eine Stunde. Wir pausieren auf einem Ufer­felsen im Wass­er, lüften aus und sam­meln neue Energien.

Danach wird der Weg ein­fach­er, immer wieder passieren wir schöne kleine Bucht­en. Nach 3km teilt sich der Weg und wir gehen durch den Wald. Die Vari­ante am Ufer ist deut­lich schwieriger, da diese wieder über meter­ho­he Stein­blöcke führt — das hat uns gestern schon gere­icht — und würde dop­pelt so lange dauern. Wir laufen über einen Bergrück­en durch den Wald und zurück zum Baikalsee. Nur an den Stellen an denen Schachtel­halm wächst und dem­nach feucht ist, ärg­ern uns wieder Mück­en. Wir leg­en an Tem­po zu und ste­hen bald an einem schö­nen Sand­strand. Hier machen wir Mit­tagspause und mumpfeln eine Suppe — heute ohne Schläfchen, denn wir sind erst 13 Uhr ges­tartet. Hier sehen wir auch eine Gruppe Wan­der­er, die ersten seit den zwei Deutschen. Die meis­ten kom­men mit Booten an die schö­nen Baikalbucht­en, fis­chen und zel­ten dort.

Nun führt uns noch ein Wald­weg par­al­lel zum Ufer 2km bis zum Tagesziel. Durch den licht­en Wald kön­nen wir Baikalrobben beobacht­en. Sie chillen auf den aus den Wass­er ragen­den Felsen und sind schwupp-di-wup­ps im Wass­er ver­schwun­den sobald sie uns ent­deck­en. Wir pirschen uns vor­sichtig an, teil­weise auf allen Vieren um sie beobacht­en zu kön­nen. Damit hal­ten wir uns lange auf bevor wir auch die let­zten Robben­felsen ent­deck­en und das let­zte Stück bis zur Tukalaragdy Bucht gehen. Hier hausen anscheinend auch viele Bären und man soll entsprechende Umsicht wal­ten lassen.

Wir nehmen ein Bad im gar nicht mehr so kalten Baikalsee und zur Feier des Tages gibt es heute einen Nachtisch. Der Dun­st über dem Wass­er reißt im Son­nenun­ter­gang auf und präsen­tiert uns das erste Mal die Berge am West­ufer. Einige Fis­ch­er nutzen die Abend­däm­merung und wir sehen ihnen beim Fis­chen zu. Sie kön­nen einige große Forellen aus dem Wass­er ziehen, Alex ist fasziniert. Er darf sog­ar einen Fisch in die Hand nehmen und für Fotos posieren. Die Russen kön­nen in etwa soviel Deutsch wie wir Rus­sisch, aber es reicht aus :)

Tag 5 — Ankunft bei den heißen Quellen in Khakussy
Von der Tukalaragdy Bucht nach Khakussy

Am Mor­gen liegt Nebel über dem Strand und den Wäldern. Auf dem Baikalsee kann man keinen Hor­i­zont aus­machen. Ein let­ztes Mal auf dem Trail pack­en wir unsere Sachen und machen uns auf die let­zten 8km bis Khakussy. Anfangs führt uns der Weg über große Steine, dann geht es in Ufer­nähe durch den Wald. Nach 5,5km erre­ichen wir den Biraya Fluss. Wir ziehen Hose und Schuhe aus und durch­wa­t­en den vielle­icht 70cm tiefen eiskalten Fluss. Der restliche Weg ist gut aus­ge­tram­pelt und schnell erre­ichen wir die Häuser der heißen Quellen in Khakussy. Hier gibt es erst ein­mal ein Bier für Alex, einen Saft für mich und wir schauen entspan­nt auf den See hin­aus.

Zwei Russen sprechen uns an, sie kön­nen sehr gut Deutsch und wir plaud­ern ein wenig miteinan­der. Jed­er Russe hat die gle­iche Mei­n­ung über Moskau, das sei ein­fach nicht Rus­s­land. Er find­et es schade, dass so wenig Touris­ten hier her kom­men, an den Baikalsee, wo er geboren wurde — sowohl aus­ländis­che als auch rus­sis­che Touris­ten. Bei­de leben und arbeit­en in Novosi­birsk, der größten Stadt in Sibirien und der klas­sis­che Ort wo man zum studieren und arbeit­en hinzieht. Wer das große Geld machen will, geht nach Moskau.

Ein weit­eres Aben­teuer ste­ht uns noch bevor: Die Anmel­dung an der Rezep­tion, wo die fre­undlichen Damen nur rus­sisch sprechen. Nach ein­er Weile kriegen wir aber raus, was wir voneinan­der wollen — auch mit Hil­fe einiger etwas englis­chsprechen­der Touris­ten. Eigentlich wollen wir nur fol­gen­des:
1) Wann fährt mor­gen das Boot plus Kaufen der Tick­ets
2) Wir wollen heute Nacht im Zelt hier über­nacht­en
3) Wir wollen hier aben­dessen und früh­stück­en

Das alles her­auszubekom­men dauert bes­timmt fast eine Stunde :)

Wir schla­gen unser Zelt auf, wir sind die einzi­gen hier, die zel­ten, die anderen Besuch­er schlafen in Bun­ga­lows. Wir bere­it­en uns eine Mahlzeit zu und ich erkunde das Gelände. Zwei Hundis hüpfen hier herum — ein großer Husky Mis­chling und ein klein­er lustiger Dack­el, dessen Ohren im Wind wehen wenn er ren­nt. Wir tre­f­fen auch Dim­itri, den Ranger, eben­so wie die Fis­ch­er von gestern abend wieder.

Dann gehen wir zu den heißen Quellen, die in etwa 10 Minuten Fußweg erre­icht wer­den kön­nen. Es gibt drei Beck­en — von 39°C bis 42°C. In das heißeste Beck­en kann ich nicht hineinge­hen, das bren­nt zu sehr — vor allem an den zahlre­ichen Mück­en­stichen an meinen Beinen. Die 39°C grad sind mir am angenehm­sten. Wir chillen länger am Beck­en­rand und gehen wieder hinein wenn es uns zu frisch wird. Allzu viel kann man außer Baden hier nicht machen. Wir gehen Aben­dessen (Fis­ch­piroggen, Reis mit Fleisch, Tomaten­salat und eine Orange) und sehen uns dann den Son­nenun­ter­gang von der Ter­rasse am Hafen an, genießen ein küh­les Bier und Chips, beobacht­en Fis­che, die sich per­fekt an San­dop­tik angepasst haben und gehen dann zeit­ig in die Schlaf­säcke.

Tag 6 — Chillout in Khakussy

Nachts muss ich genau inner­halb der weni­gen Stun­den Fin­ster­n­is raus und stolpere ohne Licht durch die Bäume — nicht empfehlenswert. Gut, dass wir in Khakussy sind und ich keine leichte Beute für Bären darstelle. Wir ste­hen zum Früh­stück auf und gehen zur Kan­tine um Milchreis, ein Wurst­brot und heiße Scho­ki zu kon­sum­ieren. Das Früh­stück ist hier immer sehr reich­haltig, ich bin papp­satt. Nach dem Früh­stück leg­en wir uns wieder hin und schlafen weit­er bis uns eine Frau weckt und uns auf Rus­sisch erk­lärt, dass das Boot erst um 19 Uhr statt um 15 Uhr kommt. Wir schlafen weit­er bis die näch­ste Frau uns weckt und uns das gle­iche mit­teilt.

Um zu wis­sen warum das Boot später kommt, müsste man wohl bess­er Rus­sisch kön­nen. Tat­säch­lich gibt es keinen fes­ten Zeit­plan für die Fähre, da es stark vom Wet­ter abhängig ist wann sie kommt. Heute ist es recht windig, ob es daran liegt?
Eine dritte Frau kommt und sagt uns, dass die Fähre nun doch wie geplant um 15 Uhr kommt. Ich wasche noch schnell meine Haare, wir pack­en zusam­men und warten dann auf der Ter­rasse bis wir die alte rus­sis­che Fähre betreten kön­nen.

Wir ver­brin­gen die meiste Zeit der 2,5 stündi­gen Fahrt draußen und schauen dem ver­schwinden­den Ufer zu, das wir die let­zten Tage bewan­dert haben. Dann set­zen wir uns rein, wo bere­its zwei Jungs in den ver­rück­testen Posi­tio­nen schlafen. Wir kom­men nach ein­er schauke­li­gen Fahrt in Sever­obaikalsk an und laufen wieder zum Hos­tel, wo Evge­ny uns bere­its erwartet und auch die zwei Deutschen bere­its zurück sind. Wir kaufen uns Dosen-Borscht für’s Aben­dessen, was nur begren­zt empfehlenswert ist, und buchen uns zwei Plätze auf dem Tragflächen­boot, das uns in 12 Stun­den über den Baikalsee zurück nach Irkut­sk bringt.

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